Generationenprojekt

Generationencafé: Alt trifft Jung und schließt Freundschaft

Jürgen Grützmann (r), bastelt mit den Schülern der Albert Schweitzer Schule. Auch das gehört zum Miteinander der Generationen.

Jürgen Grützmann (r), bastelt mit den Schülern der Albert Schweitzer Schule. Auch das gehört zum Miteinander der Generationen.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Horst/Beckhausen.   Seit zehn Jahren treffen sich Bewohner des AWO-Seniorenzentrums Horst und Schüler der Albert-Schweitzer-Förderschule zum Generationencafé.

„Ich war heute morgen beim Arzt in Buer. Da habe ich gesagt, ich habe nicht viel Zeit. Ich muss zurück. Die Schüler kommen“, erzählt Annemarie Kaden. Sie zählt zum Generationencafé, einer Zusammenarbeit des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt in Horst und der Albert-Schweitzer-Schule, das seinen zehnten Geburtstag feiert.

Für die 85-Jährige sind die Treffen mit den jungen Menschen fester Bestandteil ihrer Woche. „Ich freue mich immer darauf. Weil man erzählen kann, was man möchte. Und es wird nicht weiter erzählt. Wir haben großes Vertrauen zueinander.“

Schüler können Berufsfelder kennenlernen

Um den Austausch zwischen Jung und Alt ging es damals, als man das Projekt ins Leben rief. Die Initiative ging von der Schule aus. „Wir haben zu der Zeit unsere Berufspraxisstufe ins Leben gerufen“, erklärt Michaela Kirchhoff, eine der Lehrerinnen. Die biete älteren Schülern die Chance, Berufsfelder kennenzulernen. Auch wenn die wenigsten der Schüler mit besonderem Förderbedarf eine Ausbildung in der Altenpflege anstreben können, so lernen sie hier – und in vielen anderen Fachbereichen – ihre Fähigkeiten und Neigungen kennen. Bis heute ist das Projekt ein Erfolg.

„Wir haben nie Probleme, Nachrücker zu finden. Denn die Teilnehmerzahl ist begrenzt.“ Auch seitens der Senioren ist das Begegnungsprogramm beliebt. „Unsere Bewohner machen gerne mit“, weiß Sabine Schwarzer vom Sozialen Dienst der Pflegeeinrichtung zu berichten. „Jung und Alt, das funktioniert gut. Die Senioren freuen sich immer auf den Ausflug in die Schule.“

Donnerstag ist fester Besuchstag

Der steht donnerstags an – und wird von vielen Schülern aufwendig vorbereitet. „Das geht schon am Vortag los“, erklärt Michaela Kirchhoff. „Da backt die eine Fachgruppe den Kuchen.“ Eine weitere Gruppe bereite das Treffen vor, decke die Tische ein, dekoriere alles. Eine dritte sorgt für Programm. „Es wird gespielt oder erzählt. Und vor den Ferien spielen wir immer Bingo. Das ist sehr beliebt“, so die Lehrerin. Sicher, gerne hätte man auch mal einen Programmpunkt von außen. Vielleicht Musik. „Aber es darf ja nichts kosten.“

Auch wenn die Senioren jeden Donnerstag auf Reisen gehen, gibt es von dieser Regel natürlich eine Ausnahme. Die ist heute. Kurz vor den großen Ferien nämlich, wenn einige Entlass-Schüler Abschied nehmen müssen von den neu gewonnenen Freunden, steht Besonderes auf dem Plan: das traditionelle gemeinsame Pommes-Essen. „Da freuen sich unsere Schüler seit Monaten drauf“, sagt Michaela Kirchhoff.

„Da freuen sich unsere Schüler seit Monaten drauf

Die Regelmäßigkeit der Treffen bringt Vertrautheit, schafft Bindungen. Die sind für beide Seiten wichtig. „Die Schüler fragen nach den Senioren, sind ganz betroffen, wenn einer nicht mehr kommen kann. Oftmals erleben sie erstmals Demenz. Da sind sie sehr sensibel“, weiß die Pädagogin zu berichten. So sieht es auch Sabine Schwarzer. Was andernorts vielleicht schwierig sei, schaffe hier besondere Momente. Die Schüler mit geistigen Behinderungen und die Senioren begegnen einander ganz anders. „Sie treffen sich auch auf der körperlich-emotionalen Ebene.“ Das ist auch jetzt zu beobachten. Hier hält einer die Hand des anderen, dort drückt ein junges Mädchen eine Dame ganz fest an sich. „Wir verstehen uns gut“, sagt die 18-jährige Mandy. Das bestätigt auch die 19-jährige Michelle. „Wir durften damals in alle Gruppen rein schnuppern. Ich dachte, das Projekt hört sich interessant an.“

Ab September als Servicekraft auf dem Hof Holz

Sie entschied sich für das Generationencafé. „Und ich habe es nie bereut.“ Michelle ist eine von jenen, die in diesen Tagen Abschied nehmen müssen. Zumindest von diesem Format. Sie arbeitet ab September als Servicekraft auf dem Hof Holz. Und die Senioren sind sich schon jetzt sicher: Dort wird es ein Wiedersehen geben. Vielleicht sogar schon bald.

>> Gelsenwasser unterstützte den Projektstart

Im August 2008 startete das Generationenprojekt dank einer Anschubfinanzierung von Gelsenwasser. Um die hatte sich damals die Schule bemüht. Seither stemmen Seniorenzentrum und Schule das Projekt aus eigener Kraft. Ohne die Hilfe zweier ehrenamtlicher Helfer sei das nicht möglich, betonen alle. Besonders Jürgen Grützmann spielt eine wichtige Rolle. Er fährt den Bus, mit dem die Senioren auf Tour gehen.

Der handwerklich begabte Ehrenamtler überraschte die Entlass-Schüler zudem mit einem Abschiedsgeschenk: zwei hölzerne Herzen, die ineinander greifen. Ein Symbol für das Miteinander von Jung und Alt und eine Erinnerung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben