Jugend & Freizeit

Gelsenkirchener Spielstadt „Paulitown“ hat 220 Einwohner

Laura (6, l.) und Heather (9) arbeiten in der Bäckerei von „Paulitown“. Die Spielstadt der Falken im Paul-Loebe-Haus in Gelsenkirchen-Buer ist noch bis zum 24. Oktober zu erleben.

Laura (6, l.) und Heather (9) arbeiten in der Bäckerei von „Paulitown“. Die Spielstadt der Falken im Paul-Loebe-Haus in Gelsenkirchen-Buer ist noch bis zum 24. Oktober zu erleben.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Buer.  Paul-Loebe-Haus in Gelsenkirchen-Buer verwandelt sich in diesen Herbstferien wieder In die Spielstadt „Paulitown“ – mit 220 jungen Einwohnern.

Die erste Arbeitsstunde des Tages ist vorüber. Zeit für die Auszahlung. Am Schalter der Bank, die in einer Holzhütte im Außenbereich untergebracht ist, bildet sich sofort eine kleine Schlange. Drei Pauli – so heißt die Währung – als Stundenlohn bekommen dort alle fleißigen Bewohner in Form von Papierscheinen überreicht. Willkommen in „Paulitown“! Dies ist der Name der Spielstadt, mit der die Falken und der Bauverein Falkenjugend auch in diesen Herbstferien wieder 220 junge Einwohner zwischen sechs und zwölf Jahren nach Buer locken.

Schon seit 15 Jahren verwandelt sich das Paul-Loebe-Haus am Rande der Düppelstraße in jedem Oktober in eine Spielstadt. Dort gibt es neben besagter Bank auch ein Rathaus, eine Post, einen Friseur, eine Bäckerei oder einen Freizeitpark. Aus insgesamt 26 verschiedenen Einrichtungen besteht „Paulitown“ – und in jede dieser Stationen können die jungen Bewohner nach Belieben hineinschnuppern.

In der Spielstadt helfen heute auch frühere „Bewohnerinnen“ mit

„Erste Anlaufstelle des Tages ist deshalb unser Jobcenter“, erklärt Matthias Kafeia, der Geschäftsführer des Unterbezirks Gelsenkirchen bei den SJD-Falken. An dieser Station stehen Helin (15) und Kiara (14) am Tresen. Die beiden haben den Überblick, an welchen Stationen der Spielstadt gerade noch Kräfte benötigt werden. Denn die Zahl der Plätze pro Gruppe ist limitiert. „Wir waren früher selbst mal hier Teilnehmerinnen. Heute gehören wir zum Helferteam und machen über die gesamten zwei Ferienwochen mit“, erzählen Helin und Kiara.

„Wir haben hier ein rund 50-köpfiges Betreuerteam, das sich um die Kinder kümmert. Von den 220 Teilnehmern sind pro Tag im Schnitt 180 hier vor Ort“, berichtet Matthias Kafeia, der gemeinsam mit Tatjana Urban von den Falken diese Spielstadt federführend organisiert. Die Kinder kommen aus dem gesamten Gelsenkirchener Stadtgebiet und verbringen pro Tag sechs Stunden (10-16 Uhr) in „Paulitown“. Nach 60 Minuten können die Stationen gewechselt werden. Wer Spaß an einer Aufgabe hat, darf sich dieser aber auch länger widmen.

Tagezeitung „Pauline“ hat auch die Kinderrechte zum Thema

So wie Lucie: Die Neunjährige arbeitet nun schon den zweiten Tag in Folge in der Redaktion von „Pauline“ mit. So heißt die vierseitige Tageszeitung von „Paulitown“, die im DIN-A-5-Format erscheint und manchmal auch noch eine selbst gefertigte Werbebeilage enthält. „Ich war am Montag den ganzen Tag hier. Das war ganz schön stressig“, erzählt Lucie. Den Artikel für die Rubrik „Kinderrechte“ habe sie mit geschrieben. Darin ging es diesmal darum, dass alle Kinder ein Recht auf Bildung haben. Fotos macht das Redaktionsteam mit Digitalkameras ebenfalls selbst. „Wir werden insgesamt neun Ausgaben produzieren“, kündigen die beiden Betreuerinnen Katia und Sandra an, die die Rolle der Redaktionsleitung übernehmen.

Jeden Tag kommen noch vereinzelt Nachzügler hinzu. Sie erhalten zuerst den Personalausweis von „Paulitown“ überreicht. Auf diesem wird mit Stempeln vermerkt, wer wo und wieviel gearbeitet hat. Zoe (9) macht gerade im Reisebüro der Spielstadt mit. Das bittet heute zu einer großen Fotosafari. Da werden Gesichter geschminkt, aber auch Ausflüge unternommen. „Am Montag waren wir im Biomassepark, heute geht’s noch hoch auf eine Halde“, kündigt Betreuerin Susanne Kauker an. Auch sie zählt quasi seit der ersten Stunde der Spielstadt vor 15 Jahren zum Helferteam.

Ein Teil des Stundenlohns geht an die „Paulitown“-Steuer

Die nächste Stunde ist vorüber. Wieder wird in der Bank der Stundenlohn ausgezahlt. Von den vier erarbeiteten Pauli erhält jeder Einwohner aber nur drei auf die Hand. „Der vierte geht an die Paulitown-Steuer“, sagt Organisator Matthias Kafeia. So sollen die Kinder vermutlich schon einmal mental darauf vorbereitet werden, was sie später als Erwachsene im realen Berufsleben erwartet.

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