Hobby & Freizeit

Ein Stelzenläufer und guter Geschichtenerzähler aus Buer

Ladeninhaber Egon Gwiasda verkauft in seinem Laden in Buer die skurrilsten Dinge.

Ladeninhaber Egon Gwiasda verkauft in seinem Laden in Buer die skurrilsten Dinge.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Buer.  Egon Gwiasda ist vielen Menschen in Gelsenkirchen-Buer durch seinen Laden bekannt. Dass er auch Stelzenläufer und Akrobat ist, wissen nur wenige.

Regelmäßig weilt Egon Gwiasda über den Dingen. Immer dann, wenn er seine vier Meter hohen Stelzen unterschnallt und bunt kostümiert die Menschen zum Staunen bringt. Das ist aber nur eine von vielen künstlerischen Disziplinen, die die buersche Kultfigur beherrscht. Die meisten Menschen verbinden ihn gedanklich aber spontan mit seinem „Egon’s Laden“ an der Hagenstraße. Dass er dazu Designer ist, bissiger „Wortverdreher“, wie er es selbst nennt, dass er einst Künstler war und sicher bis heute ein Lebenskünstler ist, das wissen nur die Wenigsten.

Das kreative Leben des Bueraners beginnt mit Werbung: „Das ist mein Fach. Sonst hätte ich solch einen Laden gar nicht aufmachen dürfen.“ Das schaffe man nicht, wenn man „blöd“ sei. Ganz sicher aber könne man ihn dann nicht 48 Jahre erfolgreich betreiben. Und auch nicht derart facettenreich. Hier findet sich so vieles, steht an einer Seite ein Schreibtisch aus Stahlrohren, davor der Wassily-Chair, daneben ein metallener, hochglänzender Spind. Hinter der Theke stapeln sich große Kisten zu zwei Türmen. „Das sind alles meine Ideen.“

Der Funken sprang beim Jonglagefest in Göteborg über

Daneben wiederum sind Diabolos zum Kauf angeboten. Sie verweisen auf die Leidenschaft für Artistik, die Egon erst recht spät im Leben entwickelt. „Per Zufall“, sagt er und erzählt. 50 Jahre sei er da schon alt gewesen, als er damit begann. Ein paar Jungs von der Waldorfschule hätten ihm damals von einem Jonglagefest in Göteborg erzählt und ihn mitgenommen. „Da war ich angefixt. Eine Woche lang volle Pulle tanzen und jonglieren.“

Der Ehrgeiz war geweckt in dem Bueraner, der, so sagt er, immer schon sportlich gewesen sei. „Ich habe mir alles selbst beigebracht. Das ist nicht einfach und dauert.“ Entsprechend groß aber sei die Freude gewesen, als er es geschafft hatte.

In vier Metern Höhe ist der Artistik-Fan in seinem Element

Nach ersten Erfolgen mit der Jonglage und der Zauberei wagt sich Egon auf Stelzen. „Als Kind hatte ich Stelzen. Mit denen bin ich auch die Treppe hoch gegangen. Überhaupt war ich damals fast nur mit Saltos oder auf Händen unterwegs.“ Die guten Anlagen helfen auch hier: Bald ist der Artistik-Fan in vier Metern Höhe in seinem Element. Um Gleichgesinnte zu treffen, besucht er internationale Festivals, knüpft Kontakte, die bis heute währen. Jedes Jahr bereist er große Treffen, lebt seine Leidenschaft und begeistert die Massen.

Groß und Klein sind fasziniert von seiner Artistik. Ihr widmet sich der heute 75-Jährige die längste Zeit seines Lebens. Viele Kinder und Jugendliche seien im Laufe der Jahre gekommen mit der Bitte, sie in der Kunst der Artistik zu unterrichten. Bei Egon gehen sie in eine harte Schule – jedoch eine, die neue Horizonte eröffnet. „Ich habe die Kinder zum Beispiel eine Woche lang mitgenommen in einen Zirkus in Paris. Das fanden die toll.“

Die schwierige Suche nach einem neuen Schüler

Damit nicht genug, wer bei Egon in die Schule geht, lernt auch noch mehr. „Wir haben eigene Veranstaltungen gemacht, die Plakate dafür selbst entworfen. So bringe ich die Kinder zu ihren Talenten.“ Im Moment, so erzählt er, habe er jedoch keinen Schüler. Vielleicht weil sich die Interessen der Jugend doch stark verändert haben. Wenn aber einer komme und wirklich lernen wolle, dann stünde er stets als Lehrer bereit.

Unausgefüllt ist das Leben des Mannes, der ohne Zweifel auch ein Talent hat, Geschichten interessant zu erzählen, aber auch ohne diese Aufgabe nicht. Trotz aller Artistik ist und bleibt sein Laden der Lebensmittelpunkt. „Aber man hat so überall seine Finger drin“, sagt er und will nicht ausschließen, dass er irgendwann auch noch einmal die Öffentlichkeit an seinen anderen künstlerischen Tätigkeiten teilhaben lässt.

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