Handel

Auf dem Nussmarkt in Hassel werden Bürger zu Markthändlern

Kundin Gerda Esser probiert eine Walnuss von Händler Tobias Tigler (rechts). Noch hielt sich der Andrang in Grenzen. Das Echo war dennoch positiv.

Kundin Gerda Esser probiert eine Walnuss von Händler Tobias Tigler (rechts). Noch hielt sich der Andrang in Grenzen. Das Echo war dennoch positiv.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Hassel.  Auf dem neuen Nussmarkt in Gelsenkirchen-Hassel können Bürger gebührenfrei zu Markthändlern werden. Der ganze Stadtteil soll davon profitieren.

Es gibt Jahre, da trägt der Apfelbaum im Garten derart viele Früchte, dass man kaum weiß, wohin damit. Ab sofort kann es nur eine Lösung geben: auf den Markt. Grundsätzlich stehen alle Märkte der Stadt nun auch privaten Händlern offen. Auf dem neuen Nussmarkt in Hassel aber ist das sogar Konzept. Er will nicht nur Bürger mitnehmen und einbinden, er lebt allein von ihrem Engagement.

Bei der Erstausgabe am Freitag ist der Zulauf noch überschaubar. Auch wenn Dr. Siegbert Panteleit von den Gelsendiensten, Verantwortlicher und Ideengeber für das Konzept, enttäuschte Kommentare gar nicht gerne hört. „Es ist jetzt an den Bürgern dafür zu sorgen, dass hier etwas los ist.“ Ohne Zweifel ist das Konzept, das auf Eigeninitiative setzt, innovativ und wegweisend für eine neue Zukunft des Standortes. Der hat in den vergangenen Jahren so seine Probleme, ist schon lange nicht mehr Herz und Nachrichtenumschlagplatz des Quartiers. Soll er aber wieder werden.

Ideengeber Siegbert Panteleit von Gelsendienste sieht Chancen für den Stadtteil

Zum einen stehen hier nun freitags ab 14 Uhr fertige Marktstände bereit für all jene, die Obst und Gemüse aus dem eigenen Anbau anbieten möchten oder auch Erzeugnisse daraus wie etwa Marmelade. Zum anderen will man ganz neue Initiativen im Stadtteil schaffen, deren Absatzort der Markt sein soll. So sehe es ganz danach aus, dass die Stadt das Gelände der ehemaligen Kokerei ankaufen werde. Hier könne dann ein Raum geschaffen werden für urbanes Gärtnern, so Siegbert Panteleit. Auf einem Plan zeigt er zwei Stellen, an denen demnächst Hasseler Walnüsse wachsen sollen. Bürger könnten hierfür Patenschaften übernehmen und die Ernte dann auf dem Markt verkaufen. Weil es noch weitere Ideen rund um die Nuss gibt, entschied man sich übrigens für den besonderen Namen des Marktes.

Import von Walnüssen einer kirgisischen Kooperative geplant

Mit einem Hasseler Nusshändler ist Panteleit aktuell dabei, Walnüsse einer kirgisischen Kooperative zu importieren. „Das ergänzt sich mit Hasseler Themen. Was wir hier wollen ist, neue Akzente für eine Wertschöpfung zu setzen.“ Übrigens unter Einbeziehung des Potenzials, das die multikulturelle Gesellschaft am Ort mit sich bringt. Gerade deshalb setzt man auf Handelspartnerschaften mit Erzeugern aus Osteuropa und Vorderasien.

Die neuen Möglichkeiten nutzt Ulrike Lemme. Ihr Quittenbaum trug in diesem Jahr ordentlich. So bietet sie einerseits die goldenen Früchte an, andererseits Marmelade und Gelee. „Weil ich so viel hatte. Das kann ich gar nicht alles selbst nutzen.“ Von der Idee, sich auf den Markt zu stellen, war sie gleich angetan. „Ich habe aber mit mehr Anbietern gerechnet.“ Und, da ist sie ganz ehrlich, die Verkäufe halten sich auch in Grenzen. Ein bisschen Idealismus gehört ja irgendwie immer dazu, wenn Neues entsteht.

Bezirksbürgermeister schwärmt von guter Werbemöglichkeit für Kleingärtner

Begeistert ist Bezirksbürgermeister Thomas Klasmann. „Heute höre ich zum ersten Mal, dass es die Möglichkeit für Privatleute gibt, ihre Erzeugnisse anzubieten. Das ermöglicht jedem ein soziales Engagement für den Stadtteil. So können sich zum Beispiel Kleingärtner beteiligen und für ihre Anlagen werben.“ Und dann denkt er sogar laut an leckere Erzeugnisse aus dem eigenen Garten, die hier eventuell demnächst auch einmal angeboten werden könnten. Denn wenn jeder sich einbringe, werde der Markt wieder zum sozialen Begegnungspunkt im Quartier.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben