Gymnasien

Womit Essens einziges G9-Gymnasium künftig punkten will

Sie haben schon immer „G9“: Neuntklässlerinnen am Gymnasium Borbeck.

Foto: Foto: Lars Heidrich

Sie haben schon immer „G9“: Neuntklässlerinnen am Gymnasium Borbeck. Foto: Foto: Lars Heidrich

Essen.   Das Gymnasium Borbeck war das einzige, das zurückging zu G9. Bald ziehen alle Gymnasien nach. Anmeldezahlen sind schon jetzt deutlich gesunken.

Nachdem das Gymnasium Borbeck bei den Anmeldungen fürs nächste Schuljahr erstmals auf sein Alleinstellungsmerkmal „G9“ verzichten musste und sich entsprechend weniger Kinder registrieren ließen, will die Schule „inhaltlich neue Akzente setzen“. Das kündigte Lars Schnor an, der Leiter des Gymnasiums Borbeck.

Wie am Montag berichtet, sank dort die Zahl der Anmeldungen stadtweit am stärksten: Von 115 auf 86 – 29 Schüler weniger, also eine ganze Klasse. Das „GymBo“ ist das stadtweit einzige Gymnasium, das vor acht Jahren zur neunjährigen Schulzeit zurückkehrte. Im Jahr 2019 werden wohl alle Essener Gymnasien entsprechend einer Vorgabe des Landes wieder zurückgehen zu „G9“. Es profitieren dann die Jahrgänge fünf und sechs – also auch jene Viertklässler, die jetzt angemeldet werden mussten. Das heißt: In den Anmeldungen an den Gymnasien am Wochenende ging es vor allem um „G9“.

Kein Alleinstellungsmerkmal mehr

„Wir hatten schon erwartet, dass wir die Anmeldezahlen der Vorjahre nicht halten werden können“, sagt Schnor. „Bei den Anmeldungen haben wir dann gemerkt, dass vor allem Schüler aus weiter entfernten Stadtteilen, die in den letzten Jahren kamen, diesmal fern geblieben sind.“ Künftig wolle man sich stärker auf das Profil als bilinguale und MINT-freundliche Schule konzentrieren.

Das benachbarte Mädchengymnasium Borbeck (MGB) hat seine Anmeldezahl unterdessen, wie berichtet, fast verdoppeln können: 82 Anmeldungen statt wie 42 im Vorjahr. „Sicher liegt es dieser Erfolg auch an unserer früh erklärten Absicht, zu ,G9’ zurückzugehen“, sagt Jutta Reimann, Schulleiterin am MGB. „Doch die Arbeit ist noch nicht beendet, sie fängt jetzt erst an.“ Denn die Diskussion um kürzere oder längere Schulzeit habe „vieles überlagert. Da ist in den letzten Jahren zu wenig über Inhaltliches gesprochen worden.“

Nach Bekanntgabe der Anmeldezahlen hat Essens Schuldezernent Peter Renzel übrigens erstmals in Aussicht gestellt, dass die Realschule Kettwig, seit dem Jahr 2016 zur Zweigstelle der Albert-Einstein-Schule Rellinghausen degradiert, wieder eigenständig werden könne. „Ich schließe nicht aus“, sagte Renzel, „dass die Schule bei dieser Entwicklung in einem oder zwei Jahren wieder als eigenständige Realschule gegründet werden kann.“

Zahlen in Kettwig und Stoppenberg stabil

Zwei Gründe veranlassen Renzel zu dieser Prognose: Die Zahlen in Kettwig waren auch an diesem Wochenende erneut stabil – 60 Kinder wurden anmeldet. Mindestens nötig sind 52.

Zweitens: In Stoppenberg hat die ehemalige „Schirrmann“-Realschule vorgemacht, dass Jahre als Zweigstelle durchaus zur Wiederbelebung eines Standorts führen können – „Schirrmann“, acht Jahre als Zweigstelle der Krayer Dinnendahl-Realschule geführt, wird vom Sommer an wieder eigenständig. Und obwohl es weder bislang einen neuen Namen gibt noch bekannt ist, wer Schulleiter wird, holte die alte, neue Schule an der Gelsenkirchener Straße aus dem Stand 67 Anmeldungen. Renzel weiß, wem er das zu verdanken hat: „Dort haben hoch engagierte Menschen in den letzten Jahren wirklich gute Arbeit geleistet.“

>> Knapp 5000 Viertklässler: Zahl der Schüler steigt

Mit knapp 5000 Viertklässlern wurden so viele Kinder auf weiterführenden Schulen angemeldet wie zuletzt im Jahr 2008/09. Der Tiefststand bei den Viertklässlern wurde im Jahr 2012/13 erreicht – da waren es unter 4500. Seitdem steigt die Zahl wieder kontinuierlich an; gemäß der Geburtenraten, die wieder steigen.

An den Realschulen wurden 26,1 Prozent der Kinder angemeldet – der zweithöchste Wert seit 15 Jahren.

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