Giftschredder

Wohngebiet auf Giftschredder-Gelände bereitet auch Sorge

Das Gelände der ehemaligen Firma Richter in Essen-Kray wurde gesichert, nachdem dort illegal Müll entsorgt worden ist.

Das Gelände der ehemaligen Firma Richter in Essen-Kray wurde gesichert, nachdem dort illegal Müll entsorgt worden ist.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Kray.  Wohnbaupläne auf Krayer Recyclinggelände: CDU und Bürgerinitiative reagieren positiv - lehnen aber mögliche Bodensanierung aus Steuergeldern ab.

Politiker und Bürgerinitiative begrüßen die Baupläne für das ehemalige Gelände der Recyclingfirma Richter in Kray. Ein Investor hat laut Stadt Interesse bekundet, ein familienfreundliches Wohngebiet entwickeln zu wollen. Sowohl die Mitglieder der Initiative gegen Giftschredder als auch die Christdemokraten blicken jedoch gleichzeitig besorgt auf das Gelände an der Joachimstraße und eine mögliche Belastung des Bodens.

Laut Verwaltungsvorlage plant der Investor ein Wohnquartier mit Ein- und Mehrfamilienhäusern samt vierzügiger Kita zu bauen. Zuvor werde ein Bodengutachten eingefordert, hat die Stadt bereits erklärt. Dennoch bereitet die Vorstellung, dass sich Familien auf einer Fläche des Betriebs ansiedeln, der lange Zeit als Verursacher für die PCB-Belastung in der Umgebung galt, einigen auch Bauchschmerzen.

„Die Planungen für ein neues Wohngebiet auf dem ehemaligen Richtergelände finden wir grundsätzlich erstmal gut. Das wäre eine massive Aufwertung gegenüber der vormaligen Nutzung als Schrottplatz“, sagt der Krayer CDU-Bezirksvertreter Nils Sotmann. Mit Sorge blickten die Politiker allerdings auf den Zustand des Bodens auf dem Gelände.

Frage nach der Kostenübernahme für eine mögliche Bodensanierung

„Über Jahrzehnte wurde hier mit schweren Giften wie PCB gearbeitet. Ein Gutachten soll nun klären, wie groß die Belastung des Bodens ist. Für uns stellt sich dann jedoch auch die Frage, wer die Kosten für eine mögliche Boden-Sanierung trägt. Es kann nicht sein, dass die Stadt hier eventuell mit Steuergeldern die Aufräumarbeiten für eine Firma übernehmen soll, die über Jahrzehnte den Boden versucht hat“, so Sotmann weiter.

Die Krayer Bürgerinitiative gegen Giftschredder in Kray steht dem Vorhaben ebenfalls positiv gegenüber, hegt aber ähnliche Bedenken. Eindringlich fordern die Mitglieder, eine gründliche Untersuchung des Bodens in der Bezirksvertretung wie im Planungsausschuss zu thematisieren. Immerhin hätten die über Jahrzehnte ausgestoßenen giftigen Schwermetalle und vor allen das Ultragift PCB dafür gesorgt, dass Gemüse in weitem Umkreis nicht verzehrt werden sollte, gibt deren Sprecher Dietrich Keil zu bedenken.

Die Bürgerinitiative organisierte nicht nur zahlreiche Protestaktionen, als die Firma Richter noch im Stadtteil angesiedelt war, die Mitglieder sind auch weiterhin aktiv und wollen das Gelände und die Folgen nicht aus den Augen verlieren.

Die Schreddernutzung wurde fast 50 Jahre betrieben

„Die Behörden sind immer davon ausgegangen, dass Abwehungen des hochbelasteten Betriebsgeländes mit dafür verantwortlich waren.“ Nach Abbau der Schredder und Nebenanlagen sei jedoch kein Bodengutachten erstellt worden, die mit Beton versiegelten Flächen wurden nicht geprüft. „Niemand weiß, was da zum Vorschein kommt, wenn sie bebaut werden“, kritisiert Keil. Im Ostteil des Geländes lagerten früher Riesenberge hoch PCB-belasteter Abfälle auf nacktem Boden. Ob der nicht verseucht sei, wolle man wissen.

Die Initiative fordert deshalb, dass das Gelände in einem engmaschigen Raster beprobt werde, auch genügend in die Tiefe, weil die Schreddernutzung fast 50 Jahre betrieben worden sei. Die Kosten müsse die Richter-Mutterfirma van Hout als Verursacher tragen – nicht der Steuerzahler. Das gelte auch für die Kosten von Bodenabtrag und Bodenreinigung, falls sie erforderlich würden. „Familiengerechte Bebauung ja, aber nur auf gesichert giftfreiem Gelände“, fasst Keil zusammen.

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