Seelische Gesundheit

Wenn Schüler nicht mehr können – Themenwoche Depression

Im Unterricht, berichten Lehrer, merkt man die seelischen Leiden der Kinder und Jugendlichen oft nicht.

Im Unterricht, berichten Lehrer, merkt man die seelischen Leiden der Kinder und Jugendlichen oft nicht.

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Evangelische Kirche und der Verein „Essener Kontakte“ veranstalten Themenwoche, die sich an Eltern, Schüler und Lehrer richtet.

An Eltern, Schüler und Pädagogen richtet sich eine Themenwoche in der Marktkirche (Innenstadt), die die seelische Gesundheit von Jugendlichen in den Mittelpunkt rückt. Es gibt Vorträge, Gesprächsangebote, Diskussionen sowie Theater – zum Thema: „Wenn die Seele aus dem Takt gerät.“ Dabei geht es nicht um bloße Verstimmungen, sondern um handfeste Vorbeugung von Depression und Selbstmord.

„Wir haben erkannt, dass das Thema einen immer größeren Raum einnimmt, aber noch sehr tabubesetzt ist“, sagt Dietmar Klinke, der Schulreferent der Evangelischen Kirche in Essen. Mit dem Verein „Essener Kontakte“ hat er ein aufwändiges Programm erstellt, das sowohl Betroffene, Angehörige als auch Experten anspricht. Die Themenwoche „Wenn die Seele aus dem Takt gerät“ ist Fachtagung und niederschwelliges Hilfsangebot gleichzeitig.

Plötzlich war der Schüler nicht mehr da: Monika Kindsgrab, die als Pfarrerin und Lehrerin an einem Frohnhauser Berufskolleg arbeitet, erinnert sich. „Der junge Mann, vielleicht 20 Jahre alt, hatte sich umgebracht. Wir waren alle entsetzt.“ Er war vorher schon in der Klinik gewesen wegen großer psychischer Schwierigkeiten, aber – „wie geht man damit um? Als Klasse, als Schule?“ Das fragt sich Monika Kindsgrab letztendlich immer noch.

Wie man Auffälligkeitenbesser verstehen kann

Experten sollen während der Themenwoche Pädagogen sensibilisieren für Störungsbilder und psychische Auffälligkeiten bei jugendlichen Schülern. So spricht eine Psychotherapeutin und Supervisorin darüber, wie man Auffälligkeiten besser verstehen kann als Ausdruck von ernstzunehmenden Krankheiten (Dienstag, 24. September, 14 Uhr, Marktkirche).

Doch auch ganz normale Väter und Mütter sind angesprochen: „Wer das Gefühl hat, bei seinem Kind stimmt etwas nicht, ist herzlich eingeladen“, sagen Dietmar Klinke und Ulrike Geffert, die Vorsitzende des Vereins „Essener Kontakte“. Am Mittwoch, 25. September, referieren Klinke und Ulrike Felderhoff (Essener Kontakte) über Auffälligkeiten bei Töchtern und Söhnen – und mit welchen Experten man darüber am besten sprechen kann. „Das Gespräch“, heißt es im Veranstaltungsprogramm, „wird nicht alles lösen, aber es ist ein Anfang.“ Denn es geht immer, betont Ulrike Geffert, um Lösungen, nicht um das Festhalten an Problemen. Der Gesprächsabend für Eltern, der vor allem als erste Hilfestellung dienen soll, beginnt um 19 Uhr in der Marktkirche.

Weitere Fachvorträge, die sich an Experten richten, kreisen um die Themen Cybermobbing und die Vorbeugung – wobei immer die Essener Akteure beteiligt sind, die sich auskennen: So sind an der Themenwoche die „Essener Liga gegen Depression“ beteiligt, Schulseelsorger, das Jugendnottelefon, die LVR-Klinik sowie Gesundheitsamt und die regionale Schulberatungsstelle mit ihren Schulpsychologen.

Schüler sprechen mit Betroffenen

Und auch Schüler nehmen teil an der Themenwoche: Morgens sind ausgewählte Schüler der Jahrgangsstufen zehn und aufwärts, die zum Beispiel das Fach Pädagogik belegen, eingeladen, um mit Betroffenen zu sprechen. „Das ist für Jugendliche häufig eine ganz neue Erfahrung, Betroffene zu erleben, die freimütig von ihren Problemen berichten“, sagt Dietmar Klinke. „Damit hören Stigmatisierung oder Spott sofort auf.“ Beteiligt sind unter anderem die Gesamtschule Bockmühle oder das Gymnasium Nord-Ost. Begleitend zur Veranstaltung ist eine Ausstellung in der Marktkirche zu sehen, die Werke von betroffenen Jugendlichen zeigt.

Mehr Informationen für Interessierte gibt es auf den Seiten und

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