Prozess

Wegen Besuch im Limbecker Platz: Mann würgt Ehefrau

Ein Mann aus Essen soll seine Frau angegriffen haben, weil diese mit dem Besuch im Limbecker Platz gegen die Eheregeln verstieß.

Ein Mann aus Essen soll seine Frau angegriffen haben, weil diese mit dem Besuch im Limbecker Platz gegen die Eheregeln verstieß.

Foto: André Hirtz

Essen.  Ihr Besuch im Limbecker Platz war ein Verstoß gegen die strengen Eheregeln. Deshalb soll ein Essener seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben.

Es ist ein Ehestreit, der Jehija A.-Z. (28) vor das Schwurgericht bringt. Versuchter Totschlag ist angeklagt, weil er seine Ehefrau heftig gewürgt haben soll. Neben ihm auf der Anklagebank muss sich seine 62 Jahre alte Mutter wegen Körperverletzung verantworten. Sie soll die Schwiegertochter gegen die Beine geschlagen und an den Haaren gezogen haben. Beide schweigen zum Prozessauftakt am Dienstag.

Den Hintergrund sieht die Anklage in einer von Verboten für die Frau geprägten islamisch geschlossenen Ehe. Die aus Recklinghausen stammende 29 Jahre alte Frau, ebenfalls eine Libanesin, soll keinen Schlüssel für die Ehewohnung in Stoppenberg besessen haben. Ihr sei auch verboten worden, das Haus ohne Begleitung zu verlassen.

Besuch im Limbecker Platz sorgt für Eskalation

Mehrfach hat sie sich wohl dagegen gewehrt. “Wir haben uns nie verstanden”, sagt sie und erklärt: “Er ist ein bisschen streng. Ich fühlte mich eingeengt.” Zwischenzeitlich war sie zu ihren Eltern gezogen.

Am 1. Juni widersetzte sie sich dem Verbot. Um 16 Uhr fuhr sie in die Essener City, besuchte das Einkaufszentrum Limbecker Platz. Als sie gegen 21 Uhr zurückkehrte, machten ihr die eine Etage über ihnen wohnenden Schwiegereltern Vorwürfe. Sie müssten das dem Mann, der als Sicherheitskraft bei der Arbeit war, erzählen, sollen sie gedroht haben.

Am nächsten Morgen soll sie zunächst bei der Schwiegermutter gewesen sein. Diese habe ihr vorgeworfen, etwas mit anderen Männern zu haben, sagt die Anklage. Schließlich habe die 62-Jährige sie geschlagen und an den Haaren gezogen.

Mann würgt seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit

Zurück in ihrer eigenen Wohnung soll der Mann sie direkt angegriffen haben. Er habe ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie getreten, als sie am Boden lag. Schließlich habe er sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Erst als die Schwiegermutter die Wohnung betrat, habe die 29-Jährige sich befreien und nach draußen retten können. Dort half ihr ein Postbote, der einen Krankenwagen alarmierte.

In ihrer Zeugenaussage bleibt sie am Dienstag zwar bei ihren Vorwürfen. Sie gibt an, nervös zu sein, ihr Anwalt Stefan Kixmöller schirmt sie in Richtung Anklagebank ab. Aber sie zeigt an manchen Stellen Verständnis für ihren Mann. “Ich verzeihe ihnen”, sagt sie auch. Dass sie gewürgt wurde, erwähnt sie nicht. Daran könne sie sich nicht mehr erinnern. “Vielleicht war es so, vielleicht nicht.”

Angeklagte schweigen beim Prozessauftakt

Gerade das Würgen brachte den Libanesen wegen versuchten Totschlags vor das Schwurgericht. Bei einem Polizisten hatte die Staatsanwaltschaft das kürzlich ganz anders gesehen. Er hatte seine Freundin ebenfalls gewürgt, auch da hatte der Rechtsmediziner von Lebensgefahr gesprochen. Aber die Anklage bewertete das bei dem Beamten lediglich als Körperverletzung.

Welche Vorwürfe im aktuellen Fall zutreffen, will das Schwurgericht an weiteren vier Prozesstagen aufklären. Die Angeklagten schweigen zunächst, wollen sich erst später äußern. Christiane Theile, Verteidigerin der Mutter, gibt aber eine Erklärung zur Anklage ab: “Das ist alles unzutreffend und gelogen.”

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