Kino

Vorpremiere von Joker: "Wie kann man da nur rausgehen?"

Als Clown wurde er verprügelt, als Clown schlägt er zurück: Joker (Joaquin Phoenix), der ewige Batman-Gegenspieler, der hier ganz ohne Batman auskommt.

Als Clown wurde er verprügelt, als Clown schlägt er zurück: Joker (Joaquin Phoenix), der ewige Batman-Gegenspieler, der hier ganz ohne Batman auskommt.

Foto: dpa

Essen.  In den USA trieb der verstörende Thriller um Batmans Gegenspieler Joker viele Besucher aus den Kinos. Besuch der Vorpremiere im Essener Cinemaxx.

Als der „Joker“ am Mittwochabend zum ersten Mal über die große Leinwand flimmert, ist im Kinosaal 1 des Essener Cinemaxx kaum noch ein freier Platz zu erspähen. In gleich zwei Sälen läuft die Vorpremiere über das Leben von Batmans psychisch gestörtem Gegenspieler. Der Andrang ist riesig, die Vorab-Schlagzeilen auch: In den USA hat das Werk von Todd Phillips den besten Film-Start für einen Oktober hingelegt. Außerdem trieb der unter die Haut gehende Film zahlreiche Zuschauer schon vor Film-Ende aus den Kinos: Viele hätten die beklemmenden Szenen nicht mehr aushalten können, berichteten amerikanische Medien.

Entsprechend groß ist die Erwartungshaltung auch bei den Essener Zuschauern. Während das von Popcorn-Knistern begleitete Vorprogramm läuft, unterhalten sich zwei Sitznachbarn über die große mediale Aufmerksamkeit: "Der soll ja ganz schön heftig sein, lassen wir uns überraschen", sagt einer. Er soll nicht enttäuscht werden: Im Gegensatz zu den meisten Comic-Adaptionen geht es in der neuesten "Joker"-Verfilmung nicht um den Kampf von Gut gegen Böse: Vielmehr zeigt der Film den seelischen Abgrund, in den Arthur Fleck alias Joker nach und nach stürzt.

Essener Besucher sind nervenstark: Nicht einer verlässt bei der Vorpremiere den Kinosaal

Die Essener Besucher zeigen sich dabei deutlich nervenstärker als das amerikanische Kino-Publikum: Nicht einer verlässt während des Films den Saal, nach der Vorpremiere gibt es sogar verhaltenen Applaus. "Wie kann man da nur rausgehen?", fragt ein Zuschauer nach 122 Minuten. Dennoch ist der 33-jährige Essener unschlüssig, was er vom neuen Joker halten soll: "Ich muss den jetzt erstmal sacken lassen. Außergewöhnlich brutal fand ich ihn nicht - aber sehr intensiv."

Eine Beurteilung, die viele Kino-Gänger teilen. "Angesichts der Vorab-Schlagzeilen habe ich ein bisschen mehr erwartet", sagt Anni (24). Die Aufregung bei amerikanischen Kino-Gängern teilt sie nicht: "Vielleicht ist der Film im Original aber auch noch krasser", vermutet sie. Anni ist riesiger Fan der DC-Comics, zu denen auch die Batman-Reihe gehört. Der Film gehe "total unter die Haut" und sie sei froh, dass die Geschichte des Jokers so eindringlich verfilmt worden sei: "Ich fand die Figur schon immer spannend", sagt sie.

"Beklemmend zu sehen, wie viele Schläge ein Mensch einstecken und aushalten muss"

Niklas (22) aus Essen geht es da ähnlich: Der Film sei dramaturgisch sehr gut inszeniert, erinnere bisweilen an den Klassiker "Taxi-Driver", sagt der Film-Fan. "Es ist beklemmend zu sehen, wie viele Schläge ein Mensch einstecken und aushalten muss, um dann am Ende so zu werden wie der Joker", sagt Niklas. Auch er versteht den Wirbel nicht, wenngleich das Werk aus den Warner-Studios alles andere als leichte Kost sei. "Menschen mit Depressionen oder familiären Bezügen dazu werden den Film sicherlich nur schwer aushalten können", vermutet der Essener.

Am Donnerstag, 10. Oktober, läuft "Joker" offiziell in den deutschen Kinos an.

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