App „Too good to go“

Vor Ladenschluss verkaufen Restaurants Essen für wenig Geld

Ein Blick in die Theke von Casa d'Italia im Einkaufszentrum Limbecker Platz. Kurz vor Geschäftsschluss werden Pasta-Gerichte zum Schnäppchenpreis abgegeben.

Ein Blick in die Theke von Casa d'Italia im Einkaufszentrum Limbecker Platz. Kurz vor Geschäftsschluss werden Pasta-Gerichte zum Schnäppchenpreis abgegeben.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die App „Too good to go“ bietet vor Ladenschluss übrig gebliebenes Essen zum Schnäppchenpreis an. Über 20 Läden und Lokale in Essen machen mit.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel finden Jahr für Jahr deutschlandweit nicht etwa den Weg in den Mund, sondern nur den in Richtung Mülltonne. Einen großen Teil machen dabei die übrig gebliebenen Reste aus Lebensmittelgeschäften und Restaurants aus. Eine Handy-App bringt nun Verbraucher und Händler zusammen, um nicht verkauftes Essen zu retten und kurz vor Geschäftsschluss für kleines Geld abzugeben.

An der Aktion „Too good to go“ („Zu schade zum Wegwerfen“) beteiligen sich derzeit über 20 Anbieter in Essen. Darunter die Fischrestaurants der Nordsee-Kette, Real- und Rewe-Märkte, aber auch kleinere Betriebe wie die Pizzeria Casa d’Italia im Einkaufszentrum Limbecker Platz.

Über die App registrieren, auswählen und reservieren

Und so funktioniert’s: Über die App können sich Verbraucher registrieren, Tag für Tag nachschauen, welche Läden und Lokale in der Stadt Reste abzugeben haben und diese reservieren und direkt über die App bezahlen. Das können ein Mittag- oder Abendessen sein, Brot und Kuchen, Fleisch, Gemüse oder sogar Eis.

Rewe Freidank beispielsweise trennt sich für 2,70 Euro von den Überbleibseln der Grilltheke. Beim Holly-Wok-Buffet können sich Hungrige für 3,90 Euro in den Schlussminuten eines Mittagsbuffets bedienen, das regulär acht Euro kostet. Die Angebote der Betriebe wechseln allerdings täglich. Manchmal gibt es Überraschungspakete für die Last-Minute-Einkäufer, manchmal ist auch alles ausverkauft. Aber das lässt sich kurzfristig über die App feststellen.

Für 2,70 Euro zwei Stücke Pizza oder ein Nudelgericht

Fidal Shala macht mit seinem italienischen Bistro Casa d’Italia seit rund zwei Jahren bei der Aktion mit. Zwei Stücke Pizza oder ein Pasta-Gericht können hier kurz vor Ladenschluss für 2,70 Euro in speziellen „Too good to go“-Verpackungen mitgenommen werden. „Oft sind es junge Leute, die sich bei uns das Essen abholen. Viele Studenten, die sparen möchten“, sagt Shala.

Der Inhaber erzählt, mit diesem Angebot keinen Gewinn zu machen. „Aber ich muss weniger Lebensmittel wegschmeißen und außerdem ist es eine gute Werbung für mich.“ Er setze darauf, dass Kunden, die über das Schnäppchen den Weg zu ihm finden, mit einem solchen Genuss essen, dass sie langfristig bereit sind, auch aus dem regulären Angebot etwas zu bestellen.

„Too good to go“ wurde in Dänemark gegründet

Für Gastronomen wie Fidal Shala ist es häufig schwierig, die genau passende Menge zu kalkulieren. Betreiber von Buffet-Restaurants beispielsweise bemühen sich, so viele verschiedene Produkte vorzuhalten, dass auch späte Gäste eine große Auswahl haben. Was zur Folge hat, dass am Ende eines Tages längst nicht jede Servierplatte leer gegessen wurde.

Die Aktion „Too good to go“ hat sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gemacht, etwas gegen Verschwendung zu unternehmen. Gegründet wurde die Plattform in Dänemark – und rein wohltätig arbeitet auch sie nicht: Von jeder verkauften Portion bekommt sie rund ein Drittel der Einnahme.

Real packt Überraschungspakete für die Kunden

Seit gut zwei Monaten macht auch der Real-Supermarkt im Kronenberg-Center bei „Too good to go“ mit – und hat es bislang nicht bereut. „Das ist eine gute Sache“, sagt Leon Rosenbauer, Teamleiter des Bereichs Food. Der Markt müsse auf diese Weise nicht mehr so viel wegschmeißen und der Käufer profitiere von günstigen Preisen. Hier ist es so, dass kurz vor Geschäftsschluss Überraschungspakete gepackt werden.

„Für 3,50 Euro bekommt der Kunde Waren im Wert von mindestens zehn Euro, und oft sogar deutlich mehr“, sagt Rosenbauer. Derzeit finden Obst und Gemüse den Weg in das Paket, doch das Angebot soll erweitert und um Konserven, Süßigkeiten oder Fertiggerichte ergänzt werden, deren Verpackungen beschädigt sind und die deshalb nicht mehr auf normalem Weg verkauft werden können. Bei Real sei es, so Leon Rosenbauer, so, dass die „Too good to go“-Kundschaft sehr gemischt ist. „Vom 17-Jährigen bis zum Geschäftsmann im Anzug. Man wundert sich.“


>> ESSENER BETRIEBE BEI „TOO GOOD TO GO“

  • Diese Restaurants und Läden in Essen machen bei „Too good to go“ mit: Real (Porscheplatz, Kronenberg-Center), Fun-Food Factory (Burgplatz), Casa d’Italia, Meyerbeer Coffee (beide Limbecker Platz), Nordsee (Limbecker Platz, Hauptbahnhof, Altenessener Straße), Reformhaus Kaubisch, Olivia Culinaria Italia, Super-Biomarkt, Dean & David (alle Rüttenscheider Straße).
  • Holly Wok Buffet (Gladbecker Straße), Cafe Muhabbet (Heinrich-Strunk-Straße), Reformhaus Kaubisch (Frankenstraße), Rewe (Stauderstraße, Grendplatz, Isinger Tor, Katernberger Straße, Bochumer Landstraße), Eisdiele Zauberkasten (Bochumer Straße).

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