Prozess

Tödlicher Unfall beim Rangieren bleibt ohne Verurteilung

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Ein Unfall mit schrecklichen Folgen bleibt ohne eine Verurteilung. Beim Rangieren hatte ein Lkw-Fahrer eine 86-Jährige getötet.

Die Folgen des Unfalls waren groß und schlimm. Doch wie ist strafrechtlich die Schuld des Autofahrers zu messen, der eigentlich vieles richtig gemacht hatte und dennoch eine 86-Jährige erfasste und letztlich tötete? Die Essener Amtsrichterin Inga Lindenau hatte am Mittwoch ein Einsehen und stellte das Verfahren gegen einen Berufskraftfahrer aus Ibbenbüren gegen eine Geldbuße von 2000 Euro ein.

„Ich weiß nicht, wo die Frau hergekommen ist. Ich habe sie nicht gesehen,“ beteuert der 38 Jahre alte Familienvater, nachdem er dem Sohn der Getöteten versichert hatte, dass es ihm leid tue.

Ware für Drogeriemarkt ausgeliefert

Was er schildert, ist eine Alltagssituation. Mit einem Kollegen, 43 Jahre alt und mitangeklagt wegen fahrlässiger Tötung, hatte er am 12. März 2018 die City erreicht. Ware ausliefern sollte er für einen Drogeriemarkt in der Rathausgalerie. Dafür durfte er vor der Marktkirche in die Fußgängerzone fahren.

Dort rangierte er, setzte seinen Lkw rückwärts. „Ich hatte die Warnblinkanlage an und den Kollegen aussteigen lassen, damit er hinten links aufpasste. Also alles getan, was ich gelernt habe.“ Dann fuhr er vorwärts an. Nur kurz, denn schon klopfte sein mittlerweile vor dem Lkw stehender Kollege heftig an die Tür. Er hatte gesehen, wie eine Frau mit Rollator vorne rechts vom Wagen erfasst wurde und stürzte.

86-Jährige starb im Krankenhaus

So unglücklich fiel die 86-Jährige mit dem Hinterkopf auf den Steinboden, dass sie drei Tage später im Krankenhaus starb. Ihr Sohn nahm an der Verhandlung als Nebenkläger teil.

Der Angeklagte erzählt von den Vorschriften, die er befolgt habe. Vorschrift sei, dass beim Zurücksetzen ein Kollege aufpasse. Aber nach vorne? „Da brauche ich niemanden hinzustellen. Da muss ich selbst aufpassen.“ Er schildert auch die vielen toten Winkel rund ums Fahrzeug, die man nicht einsehen könne.

Viele tote Winkel am Lkw

Dazu gehöre wegen der erhöhten Fahrerkabine des Lkw auch die Sicht durch die Frontscheibe. „Gut drei Meter weit sehen sie vom Boden nichts“, sagt der Angeklagte. Offenbar hatte die Frau, die sehr klein gewesen sein soll, sehr nah vor dem etwa 18 Meter langen Lkw die Fußgängerzone queren wollen.

Während Richterin Lindenau beim Fahrer die Einstellung mit Geldbuße als angemessene Konsequenz sah, sprach sie den Beifahrer frei. Denn ihm war gar kein Fehlverhalten nachzuweisen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben