Interview

Sternekoch Nelson Müller plant Neustart mit der Schote in Essen

Gemeinsam mit Moderator Mola Adebisi (l.) und Mischa Filé, Schauspieler bei „Niedrig und Kuhnt“,  feierte Nelson Müller (mitte) seine Soulfood-Party.

Gemeinsam mit Moderator Mola Adebisi (l.) und Mischa Filé, Schauspieler bei „Niedrig und Kuhnt“, feierte Nelson Müller (mitte) seine Soulfood-Party.

Essen-Rüttenscheid.   Sternekoch Nelson Müller orientiert sich derzeit neu, wie er am Rande seiner „Soulfood“-Party im Solid verriet. So sucht er zurzeit eine geeignete Immobilie, in der er die Schote, seine Kochschule und sein Cateringunternehmen vereinen kann. Was aus den Räumen an der Emmastraße wird, hält er sich offen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nelson Müller ist gerade mit seinem 20-köpfigen Team aus L.A. zurück, wo er am Rodeo Drive und in der Villa Goldstein zum 40-jährigen Bestehen von „Porsche Design“ das Catering übernahm. Eben aus dem Flieger gestiegen, stand er Freitag schon wieder in seinem Sternerestaurant Schote, aus dem er direkt und noch in Kochmontur zur vierten Auflage seiner Party „Soulfood“ in den Solid-Club kam. Woher er so viel Energie nimmt und was er noch erreichen möchte, verrät der 33-jährige Sternekoch im Interview.

Ist es nach dem Stress der letzten Woche nicht mal nötig, auszuspannen?

Ich habe einfach Lust, etwas zu bewegen. Mit der Soulfood-Party kann ich meine Leidenschaft zur Musik und zum Kochen miteinander verbinden. Draußen serviert mein Catering-Team von Food&Flavour sprichwörtliches Soulfood, also kleine Partyhäppchen. Drinnen legen DJs R’n’B, Soul und HipHop auf. Außerdem tritt gleich Dean Dawson auf. Ich freue mich auch auf Patrice, der im Oktober kommt und nutze gerne meine Musikkontakte, die ich 2006 in Stuttgart sammelte, wo ich selbst Musik gemacht habe.

HipHop und Sterneküche. Geht das überhaupt zusammen?

Darum geht es mir: Ich möchte Schwellenängste abbauen. Ein paar der DJs, die hier auflegen, haben eben bei mir gegessen. Die kamen in Baggy-Pants und Turnschuhen in die Schote. Sterneküche muss nicht elitär sein. Ich möchte ein guter Gastgeber für alle sein.

Wie beurteilen Sie das Club- und Nachtleben in Rüttenscheid?

Um ehrlich zu sein, fehlt mir die Capri-Bar. Auf den Partys dort kamen Menschen aus allen verschiedenen Richtungen zusammen. Da gab es nicht nur „die Rocker“, die „HipHopper“ oder „die Hipster“, dort waren alle willkommen. Rüttenscheid wird mittlerweile oft leider als „Schicki-Micki“ verschrien - zu Unrecht. Denn das Publikum hier ist genauso urban und alternativ wie anderswo auch. Was mich jedoch stört, ist das Schubladendenken, das mir immer wieder begegnet. Soulfood soll dabei helfen, das starre Korsett etwas zu lockern.

Michelin-Stern für die Schote, renommierte Kochschule, jetzt der Catering-Coup in L.A. Eigentlich haben Sie Ihren Weg gemacht.

Ich orientiere mich gerade neu. Ich bin jetzt 33 Jahre alt - wenn ich einen Neustart will, dann jetzt. Zurzeit suche ich eine geeignete Immobilie, in der ich alles vereinen und meine eigene kleine Welt schaffen kann, also für die Kochschule, die Schote, das Catering und vielleicht sogar mit Platz für meine Musik.

Das bedeutet aber doch nicht das Aus für Rüttenscheid als Standort der Schote, oder?

Mal sehen. Der jetzige Lage ist nicht allzu optimal, da das Restaurant zum einen mit 40 Plätzen nicht besonders groß ist. Zum anderen machen uns äußere Bedingungen wie die Parkplatzsituation das Leben schwer.

Was passiert dann mit den Räumen an der Emmastraße?

Ich könnte mir vorstellen, dort ein Bistro zu führen oder ein Restaurant im niedrigeren Preissegment. Noch halte ich mir aber alles offen. Ich habe mir vor kurzem auch Räume in Köln angesehen. Da ist mir aber schon bewusst geworden, dass ich Essen nicht gerne den Rücken kehren würde. Ich bin hier sehr verwurzelt und habe mir innerhalb von zwölf Jahren ein gutes Netzwerk aufgebaut. Es wäre verdammt schwierig, das aufzugeben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (19) Kommentar schreiben