Gastronomie

Haus Klumpe - Zwei Gastronomie-Generationen, eine Linie

Novak Jorgic (links) will die Tradition von Marianne und Heinz Klumpe an der Hedwigstraße fortführen.

Novak Jorgic (links) will die Tradition von Marianne und Heinz Klumpe an der Hedwigstraße fortführen.

Foto: WAZ FotoPool

Essen-Rüttenscheid.   Novak Jorgic eröffnet in ehemaligem „Haus Klumpe“ die „Pinte Chill Out“ und will die Tradition der früheren Betreiber Marianne und Heinz Klumpe in modernem Gewand fortführen.

Beim Blick in das drei Jahrzehnte umfassende Fotoalbum kann sich Marianne Klumpe eine Träne nur schwer verkneifen: Von 1964 bis 1992 führte sie die traditionsreiche Gaststätte „Haus Klumpe“ gemeinsam mit ihrem Mann Heinz, hing dafür sogar ihre für die damalige Zeit ungewöhnliche Karriere als Maschinenbautechnikerin an den Nagel. „Meine Eltern suchten damals einen Nachfolger. Eigentlich wollten wir das nur fünf Jahre machen, dann wurden fast 30 draus“, sagt Heinz Klumpe.

Gasträume komplett umgekrempelt

Mit Novak Jorgic soll an der Hedwigstraße nun nach einigen, wechselnden Gaststätten und Konzepten ein neues Kapitel aufgeschlagen werden, das die Vergangenheit mit der Moderne verknüpft. „Viele unserer früheren Stammgäste waren zur Eröffnung am Wochenende da. Wir haben die Lounge direkt für uns zum Klönen entdeckt“, erzählt Marianne Klumpe und lacht. Der 29-jährige Jorgic, der die „Pinte Chill Out“ in kleiner Form bereits seit zwei Jahren an der Gemarkenstraße in Holsterhausen betreibt, hat die 111 Jahre alte Gaststätte, die 1902 als „Restaurant Wilhelm Bollens“ eröffnete, ordentlich umgekrempelt. Altes Mobiliar wich knallig roten Polstern, moderne Holzvertäfelung ersetzt den urdeutschen Gaststätten-Schick.

Die Erinnerung von Marianne Klumpe und ihrem Mann aber bleibt. An den Richterstammtisch etwa, mit dem sie sich so einige Nächte nur zu gern um die Ohren schlugen. Oder an die Drei-Liter-Flasche Asbach, die die Gäste für jedes benutzte Schimpfwort mit Klimpergeld füllten, das schließlich für den guten Zweck gespendet wurde. An Begegnungen wie die mit dem japanischen Medizinerpaar Endo, das sich für ein Jahr bei den Klumpes einquartierte und zu dem eine Freundschaft fürs Leben entstand. Das brachte die Klumpes sogar nach Tokio. Darüber hinaus pflegten sie noch immer viele Kontakte zum früheren Stammpublikum. „Richtig loslassen konnte ich eigentlich nie“, sagt Marianne Klumpe, die sich freut, künftig wieder am Tresen stehen zu können - wenn auch nicht dahinter.

Für den jungen Gastronom Novak Jorgic ist die „Pinte Chill Out“ nicht nur wegen der Namensgebung ein Versuch, junges und altes Publikum zusammen zu bringen: „Man kann ebenso gut vor der Theke ein Bier trinken wie im Loungebereich einen Cocktail trinken“, beschreibt er sein Konzept. Gastronomisch setzt der gebürtige Serbe, der mit 18 Jahren nach Deutschland kam, auf eine Mischung aus gut bürgerlicher Küche mit Balkan-Einflüssen. Bei einem kann er sich schon jetzt sicher sein - Marianne Klumpe wird seinen Weg dokumentieren und das dicke Fotoalbum fortführen, wie sie sagt: „Was wäre das Leben schließlich ohne Erinnerungen?“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben