Wohnungsbau

Stadtbezirk VI möchte keine weiteren Bauflächen hergeben

Der Essener Norden, hier das Stoppenberger Zentrum, sei schon dicht bebaut, da bleibe kaum keine weitere Fläche übrig, sind sich die Bezirkspolitker einig. Eine der wenigen Ausnahmen könnte die ehemalige Schule am Schettersbusch sein. Hier könne zum Beispiel sofort eine Kita errichtet werden.Fotos:Michael Gohl/Socrates Tassos

Der Essener Norden, hier das Stoppenberger Zentrum, sei schon dicht bebaut, da bleibe kaum keine weitere Fläche übrig, sind sich die Bezirkspolitker einig. Eine der wenigen Ausnahmen könnte die ehemalige Schule am Schettersbusch sein. Hier könne zum Beispiel sofort eine Kita errichtet werden.Fotos:Michael Gohl/Socrates Tassos

Essen-Stoppenberg.   Bezirkspolitiker kritisieren Ergebnis des Bürgerforums „Wo wollen wir wohnen?“. Für eng bebauten Norden seien Frischluftschneisen unverzichtbar.

Auf Stadtplanerin Melanie Grüter wartet in den nächsten drei Wochen ein Wechselbad der Gefühle. Denn die 29-Jährige tourt jetzt mit Kolleginnen durch die Stadtbezirke, um über das Bürgerforum „Wo wollen wir wohnen?“ zu berichten. Wenn sie am nächsten Dienstag in der Kettwiger Bezirksvertretung IX erscheint, dann wird sie aller Voraussicht nach nur Freundlichkeiten hören.

Anders war es jetzt in Stoppenberg, in der Bezirksvertretung VI. Dort musste sich Melanie Grüter einige herbe Worte gefallen lassen, auch wenn diese nur der Sache, nicht aber ihr persönlich galten. Denn die Bezirkspolitiker ließen Dampf ab über die Auswahl an Grundstücken in ihrem Stadtbezirk, die möglicherweise noch zur Linderung der Wohnungsnot herangezogen werden könnten. Es war bemerkenswert, wie kompetent, beredt und geduldig die städtische Angestellte die Attacken parierte. Aber alle Bedenken konnte sie nicht ausräumen.

Das Gefühl, dass genug zugebaut worden ist

Im gesamten Essener Norden, so auch in Stoppenberg, haben die Menschen das Gefühl, es sei genug bebaut worden, niemand könne mehr auf die wenigen noch verbliebenen Freiflächen verzichten. Trotzdem wurden auf dem Bürgerforum im November noch fünf Grundstücke in Katernberg und Stoppenberg ausgesucht, auf denen es sich „gut“ oder gar „sehr gut leben lässt“. Aufgelistet wurden – Ernestinenstraße/Turnerweg (Größe 1 Hektar/ha),

– Stauder-/Emscherstraße (29,4 ha),

– Bonifaciusstraße 187 (2,7 ha),

– Bullmannaue (1,6) und

– Hallo-/Gelsenkirchener Straße (2,1).

SPD-Sprecher André Vollmer ist es angesichts dieser Liste nicht wohl: „Wir bekommen einen auf die Nuss, wenn da gebaut wird.“ Denn mehrere aufgeführten Flächen seien Forst- und Waldflächen, wie etwa zwischen Hallo- und Gelsenkirchener Straße. Besonders der Norden Essens brauche seine Frischluftschneisen. Er empfahl dem Stadtplanungsamt dringend, das Jugendforum Zollverein in die Beratungen einzubinden, denn die älteren Menschen, die das Bürgerforum dominiert hätten, müssten sich weniger Gedanken machen, wo und wie sie in 20 oder 30 Jahren wohnen möchten.

Das Wäldchen an der Hallostraße ist „nicht antastbar“

Ins gleiche Horn stieß Rudolf Vitzthum (CDU): „Wir geben keine Grünfläche mehr auf. Wir haben unsere Vorleistungen gebracht.“ Das Wäldchen an der Hallostraße sei „nicht antastbar“.

Generell kritisierten die Bezirkspolitiker die Auswahl der 500 Forum-Teilnehmer. Weil aus Stoppenberg nur 21 Personen teilgenommen hatten und damit nur 5 Prozent statt der Sollquote von 9 Prozent, sei es „undemokratisch und nicht repräsentativ“, also nur eine „Alibi-Veranstaltung“, bemängelte Thomas Schäfer (fraktionslos).

Stoppenberger schlecht zu erreichen

Melanie Grüter rechtfertigte die Stoppenberger Auswahl vor allem mit der schlechten Erreichbarkeit der Bürger. Auch Nacheinladungen hätten nicht ausgereicht. „Ebenfalls war die Personengruppe mit nicht-deutscher Staatsangehörige im Rahmen der Bürgerrekrutierung nur schwer zu erreichen.“

Trotz aller Kritik: Die Stadtverwaltung wird die Flächen nun näher prüfen und darauf Leitlinien für die Entwicklung der Wohnbauflächen entwickeln.

>>DIE GESAMTE DOKUMENTATION STEHT AUCH IM INTERNET

  • Auch die anderen Bezirksvertretungen werden über die Ergebnisse des Bürgerforums informiert. Der Stadtbezirk I Innenstadt sowie der Stadtbezirk V Altenessen stehen am Dienstag, 28. Mai, auf dem Terminplan.
  • Die gesamte Dokumentation ist im Internet im Ratsinformationssystem sowie auf der Seite www.essen.de/istgefragt zu finden.

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