Öffentlicher Nahverkehr

Stadt Essen holt die Straßenbahn wieder aus dem Tunnel

Eine oberirdische Straßenbahnverbindung soll ab 2025 von Steele kommend am Hauptbahnhof vorbei bis ins neue Stadtquartier "Essen 51" führen. (Symbolfoto)

Eine oberirdische Straßenbahnverbindung soll ab 2025 von Steele kommend am Hauptbahnhof vorbei bis ins neue Stadtquartier "Essen 51" führen. (Symbolfoto)

Foto: Fenja Spellerberg / FUNKE Foto Services

Essen  Ab 2025 sollen Straßenbahnen wieder vor dem Hauptbahnhof halten. Den Bau der Gleistrasse hat die Politik nun auf den Weg gebracht.

Für die Stadt Essen ist es eines der bedeutendsten Verkehrsprojekte der kommenden Jahrzehnte: Mit Beschluss des Bau- und Verkehrsausschusses hat die Politik den Bau der sogenannten "Bahnhofstangente" auf den Weg gebracht. Die oberirdische Straßenbahnverbindung soll ab 2025 von Steele kommend am Hauptbahnhof vorbei bis in das neue Stadtquartier "Essen 51" im Krupp-Gürtel führen. Die zuständige städtische Beigeordnete Simone Raskob sprach gegenüber der Redaktion von einem Meilenstein für den öffentlichen Personen-Nahverkehr in Essen.

"Mit der Bahnhofstangente stellen wir einen historischen Zustand wieder her", sagte Raskob in Anspielung an vergangene Zeiten, als die Straßenbahnen noch nicht im Tunnel verschwanden, sondern für jedermann sichtbar am Hauptbahnhof vorbei fuhren. Nahverkehr werde wieder "erlebbar", so Raskob.

Der Ausbau des Berthold-Beitz-Boulevards ist Bestandteil der Planungen

Dafür will die Stadt mit finanzieller Hilfe von Bund und Land nicht weniger als rund 89 Millionen Euro investieren. Davon entfällt der Löwenanteil mit 53,3 Millionen Euro auf besagte neue Gleistrasse von der Steeler Straße über die Holle- und die Hachestraße bis zur Hans-Böckler-Straße (B224). Diese wird die Straßenbahn durch einen Tunnel unterqueren, um ihren Weg über den bis dahin ausgebauten Berthold-Beitz-Boulevard in Richtung "Essen 51" fortzusetzen.

Der Lückenschluss von der Hans-Böckler-Straße bis zur Frohnhauser Straße, wo der Berthold-Beitz-Boulevard seit 2011 endet, ist Bestandteil der Planungen. Ende kommenden Jahres will die Stadt mit dem Bau dieses dritten Bauabschnitts der Umgehungsstraße beginnen. Der Autoverkehr soll zwei Jahre später auch dort über vier Spuren führen, die Straßenbahngleise verlaufen zu beiden Seiten eines Grünstreifens.

Separate Radwege sind am Berthold-Beitz-Boulevard nicht vorgesehen

Radfahrer müssen mit dem 2,50-Meter breiten Rad-Gehweg vorlieb nehmen. Essens Fahrrad-Verbände hätten sich separate Fahrradspuren gewünscht. Solche wären nur auf Kosten des Grünstreifens möglich, betont Simone Raskob. Mehr Platz lasse der nunmehr zehn Jahre alte Bebauungsplan nicht zu. Es sei eine Abwägungsfrage gewesen. Die Stadt entschied sich fürs Grün.

Straßenbahnen sollen hingegen sehr wohl auf einer separaten Trasse fahren, so dass sie vom übrigen Verkehr nicht aufgehalten werden. Lediglich die Hachestraße ist zwischen der Hindenburgstraße und der Straße An der Reichsbank zu schmal. Auch deshalb fällt für den Bau der Gleisstrecke eine Reihe an Parkplätzen weg; an Hache- und Hollestraße sind es 148 von 223 Pkw-Stellplätzen. Auch 73 von 114 Bäumen müssen weichen, dafür sollen 50 neue gepflanzt werden. Entlang des Berthold-Beitz-Boulevards kommen weitere 115 Bäume hinzu.

Die Ruhrbahn verspricht sich von der Trasse eine Entlastung des Tunnels

Die Ruhrbahn erwartet von der Bahnhofstangente eine deutliche Entlastung des Tunnelsystems. Geschäftsführer Michael Feller spricht von einer Bypass-Lösung. "Nur mit ihr können wir die wachsenden Fahrgastzahlen, die wir für die nächsten Jahre erwarten, bedienen und die Kapazitäten der Tunnelanlagen für den U-Bahnverkehr voll ausschöpfen."

Gleich mehrere Straßenbahnlinien sollen die Trasse nutzen: Die Linie 101 von Bergeborbeck kommend auf dem Weg nach Rellinghausen, die Linie 105 von Steele nach Frintrop und die Linie 108 , die künftig vom Bahnhof Bergeborbeck bis zum Betriebshof Stadtmitte an der Goldschmidtstraße führen soll. Die beiden letzten genannten Linien fahren am Hauptbahnhof vorbei - in der Hauptverkehrszeit im Fünf-Minuten-Takt.

Am Hauptbahnhof werden sie in Höhe des Handelshofs an einem 60 Meter langen Bahnsteig in Straßenmitte halten. Insgesamt sind acht neue Haltestellen geplant.

Die Stadt muss nun eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, um eine finanzielle Förderung durch Bund und Land zu beantragen. 2025 soll die neue Gleistrasse fertig sein. Der Zeitplan sei "sehr sportlich", räumt Simone Raskob ein.

ESSEN 51

Die Verlängerung der Gleistrasse durch das Stadtquartier Essen 51, welches die Thelen-Gruppe zwischen Bottroper Straße, Pferdebahnstraße, Berthold-Beitz-Boulevard und Helenenstraße errichtet, ist nicht Gegenstand des Planungsbeschlusses. Nach Aussage der Beigeordneten Simone Raskob wolle die Stadt beim Bau der "Bahnhofstangente" keine Zeit verlieren. Die Verlängerung der Gleistrasse werde "parallel weitergeplant".

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