Ruhrtriennale

Ruhrtriennale: In Katernberg geht es um Fragen der Macht

Da ist Dampf im Gebläse: Das Ensemble Asolta begleitet die „Gefährliche Operette“ im  Maschinenhaus Essen.

Da ist Dampf im Gebläse: Das Ensemble Asolta begleitet die „Gefährliche Operette“ im Maschinenhaus Essen.

Foto: Hyou Vielz

Essen.  Ein Konzert mit Klingeltönen, Operette mit Risikolust und Theater ohne Angst vor schrägen Titeln: Was die Ruhrtriennale 2019 in Essen zeigt.

Keine Angst, die wollen nur spielen. „#Nofear. Macht den Weg frei“ heißt in dieser Ruhrtriennale-Spielzeit das Thema der „Jungen Triennale“, deren Akteure sich mit Leuten aus Katernberg über die Frage unterhalten wollen, wie Menschen zu Macht kommen, was Macht denn eigentlich bedingt und was Menschen machtlos macht. Notizen, Sprachaufnahmen, Fotos und Erinnerungen sollen dabei Material einer Performance werden, die das Berliner Theaterkollektiv Berlocken zusammen mit dem Nachwuchskünstlerkollektiv „Mit Ohne Alles“ erarbeitet. Das Projekt, das am 23. August auf Pact Zollverein seine Uraufführung erlebt, richtet sich an ein Publikum schon ab zehn Jahren.

Angst vor dem Fremden, vor Diversität und vor der Zukunft? Das Programm der Jungen Triennale hat nicht mal Angst vor richtig schrägen Titeln. „Ein Stück, dem es scheißegal ist, dass sein Titel vage ist“ heißt beispielsweise die Produktion von Jetse Batelaan. Mit ihm kommt nicht nur einer der wichtigsten und innovativsten Regisseure der Niederlande nach Essen, sondern sogar der aktuelle Gewinner des Silbernen Löwen der Biennale von Venedig in der Kategorie Theater. Sein Stück, in dem ein stark brustbehaarter Sänger, ein bekannter, aber nicht weiter relevanter Queen-Song und viele verzwickte Sinnfragen auftauchen, zeigt Batelaan vom 18. bis 28. September im Maschinenhaus Essen für Zuschauer ab zwölf Jahren.

Mit Marlene Monteiro Freitas kommt eine weitere venezianische Löwen-Gewinnerin für Tanz nach Essen. In „Bacchae - Prelude to a Purge“ treffen Hoch- und Popkultur, Groteske und Lächerlichkeit, Dokumentarfilm und überbordende Pasolini-Phantasie aufeinander (29. August bis 1. September, Pact Zollverein). In den Favelas von Rio de Janeiro hat die brasilianische Choreografin Alice Ripoli das Thema ihrer Arbeit entwickelt: Arm und reich, gewalttätig und bedrängt – in „aCORdo“ werden die Zuschauer zum Teil des Spiels, die Seiten getauscht (13. bis 15. September, Pact Zollverein). Aber nicht nur in den brasilianischen Armenvierteln lauern böse Fallen, auch die Musik kann ihre Heimtücken haben. „Gefährliche Operette. Eine Wiederbelebung“ heißt es deshalb am 4./5. September im Maschinenhaus in Altenessen, wenn der aus Herne stammende Gordon Kampe den Mythos der Operette auf seine Aktualitäts- und Humortauglichkeit abklopfen will – mit Texten von Schorsch Kamerun bis Wiglaf Droste und Countertenor Daniel Gloger.

Musik, Theater, Film und immer wieder Überraschungen, wenn eine Klingeltonattacke des Mobiltelefons zum Konzertteil wird. Salvatore Sciarrino hat sie geschrieben. Sylvain Cambreiling und das Klangforum Wien präsentieren sie neben Werken von Puccini, Schönberg und Strauß mit den titelgebenden „Rosen aus dem Süden“ im Salzlager der Kokerei Zollverein (15. September). Eine Weltpremiere verspricht zudem die Aufführung der digital restaurierten Stummfilm-Fassung von „Orlac’s Hände“ am 22. September in der Lichtburg mit Live-Orchester. Und die Künstlerin Candice Breitz lässt mit ihrer Arbeit „Love Story“ vom 18. bis 21. September im Museum Folkwang Hollywood-Prominenz auf Geflüchtete von Syrien bis Angola treffen.

Tickets unter Tel. 0221 280210 und online www.ruhrtriennale.de

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