Konzertreihe

„Ruhr in Green“: Jazzmusik hören für eine bessere Ökobilanz

Der Saxophonist und Komponist Florian Boos kuratiert die Reihe „Jazz in Green“.   

Der Saxophonist und Komponist Florian Boos kuratiert die Reihe „Jazz in Green“.  

Foto: Veranstalter

Essen.  Florian Boos will mit der ersten klimaneutralen Konzertreihe in Essen Besucher zum Umdenken anregen. Wie er die CO2-Emission kompensieren will.

Florian Boos (27) ist der Saxophonist mit dem grünen Daumen. Nicht, dass der Musiker ein besonders blumiges Werk pflegt. Der Jazzmusiker aus dem Ruhrgebiet will vielmehr ein Zeichen dafür setzen, dass Klimaschutz auch im Konzertsaal ein Thema sein kann. Als Kurator der Reihe „Ruhr in Green“ hat Boos in der Zentralbibliothek an der Hollestraße mit Unterstützung der Innogy Stiftung die erste klimaneutrale Konzertreihe in Essen ins Leben gerufen.

Wer kommt, der tut auch gleichzeitig was für die Ökobilanz. Die Summe des berechneten CO2-Ausstoßes pro Konzertabend wird am Ende nämlich mit Hilfe der Organisation Primaklima durch die Anpflanzung neuer Bäume kompensiert. Etwa 20 bis 30 Bäume sind nach Boos Angaben etwa für den gefeierten Abend mit dem Pablo Held Trio und dem Saxofonisten Matthias Nadolny neu angepflanzt worden oder die furiose Begegnung des Allgäuer Trompetengotts Matthias Schriefl mit dem Essener Drummer Karl-Friedrich Degenhardt. Und man mag sich kaum vorstellen, welche Regenwald-Aufforstungen für einen Gigaauftritt Marke „Pink“ mit zigtausend von nah und fern angereisten Fans fällig wären, würde man die Rechnung auch dort anwenden.

Die von den Besuchern gewählten Verkehrsmittel fließen schließlich genauso in die Berechnung ein wie die Anreise der eingeladenen Musiker. Wobei die Ökobilanz der „Ruhr in Green“-Zuhörer recht günstig ausfällt: Etwa ein Drittel der Besucher nutzten bislang das ÖPNV-Angebot, ein weiteres Drittel komme zu Fuß oder mit dem Rad, das restliche Drittel mit dem Pkw, heißt es in einer ersten Bilanz der Stadt. Zudem bittet Boos neben überregional bekannten Gästen immer auch Musiker aus dem regionalen Umfeld auf die Bühne und bringt so Ensemble-Konstellationen zusammen, die noch nie miteinander gespielt haben. Viele seiner Gäste sind sowohl im In- und Ausland gefragt als auch lokal verankert, wie der renommierte Jazzpianist und Folkwang-Dozent Thomas Rückert, der am Donnerstag, 29. August, zusammen mit Florian Boos das dritte Konzert der Reihe in diesem Jahr bestreitet.

Die Idee für „Ruhr in Green“ hat dabei nicht erst seit Greta Thunberg und der Friday-for-Future-Bewegung Fahrt aufgenommen. In Boos’ Heimatstadt Kaiserslautern wurde die erste klimaneutrale Konzertreihe bereits 2010 eingeführt. Nach Ansicht von Boos passen das Publikum und das Werben um ein stärkeres ökologisches Bewusstsein gut zusammen. Der Jazz habe immer schon für eine bestimmte Haltung und eine Bereitschaft zur Veränderung gestanden: „Die Musik könnte viel mehr Botschafter sein für solche Dinge“, findet der 27-Jährige.

2020 soll es weitergehen mit „Ruhr in Green“. Boos kann sich vorstellen, das Programm auch durch einen diskursiven Teil zu erweitern und beispielsweise Klimaforscher einzuladen oder über den Zusammenhang von Klimaschutz und veganer Ernährung zu reden. In den Konzertpausen jedenfalls gebe es schon jetzt intensive Diskussionen – nicht nur über die Musik, sondern eben auch über den ökologischen Fußabdruck.

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