Versteckte Kamera

Cappuccino mit „Muttermilch“ - Experiment in Essener Café

Jana Flatow wird über das Experiment mit versteckten Kameras aufgeklärt.

Jana Flatow wird über das Experiment mit versteckten Kameras aufgeklärt.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Versteckte Kameras und eine „Muttermilch“-Kabine: Der WDR nahm im Espresso Perfetto in Rüttenscheid Kunden auf die Rolle.

„Liebe Kunden*innen, aus Überzeugung stellen wir ab sofort alle unsere Getränke nur noch mit menschlicher Muttermilch her. Die Milch wird frisch in unserem Laden von gesunden stillenden Müttern abgepumpt und auf direktem Weg verarbeitet.“ Ungläubig bleiben Passanten vor dem Schild stehen, das an diesem Tag vor dem Espresso Perfetto an der Rüttenscheider Straße steht. Einige lachen, andere schauen beschämt zur Seite. Viele laufen nach dem Lesen weiter, einige gucken neugierig in den Laden.

WDR wollte schauen, „wie offen die Leute für dieses Thema sind“

Dort werden sie vom Team des Cafés begrüßt. Eigentlich ist alles wie immer – nur der Cappuccino wird heute aus menschlicher Muttermilch hergestellt. Denken zumindest die Kunden, die sich für einen solchen Kaffee entschieden haben. In Wirklichkeit bekommen sie Kuhmilch – denn das Café wird für einen Tag zu einem Fernsehstudio des Fernsehsenders WDR mit versteckten Kameras.

„Wir wollen mit dem Experiment schauen, wie offen die Leute für dieses Thema sind“, sagt Dirk Gion. Der WDR-Redakteur ist bekannt für solche waghalsigen Experimente. Der Muttermilchmarkt wachse immer weiter, erklärt er. Auch in Zeiten der veganen Ernährung würde dieses Thema immer mehr diskutiert. „Warum trinken wir die Milch von Tieren, aber nicht unsere eigene?“ fragt Gion provokant.

Reaktionen der Kunden sind anders als erwartet

Die Reaktionen der Kunden, die sich für einen solchen Kaffee entscheiden, fallen nach der Auflösung mit Kamera und Moderatorin unterschiedlich aus – allerdings meistens anders als Gion es erwartet hätte. „Ich habe eigentlich gedacht, dass die meisten mit Ekel reagieren. Oder mit Scham.“ Aber nichts davon tritt wirklich ein.

„Ich finde das Experiment sehr spannend“, gesteht zum Beispiel Jana Flatow. Sie verbringt ihre Mittagspausen regelmäßig mit Arbeitskollegen in dem Café an der Rü. Tatsächlich habe sie sich nie wirklich über das Thema Gedanken gemacht. Ekel habe sie jedoch nicht empfunden.

Auch wenn die Kaffees nur mit normaler Milch angerührt werden, dürfen die Probanten im Nachhinein einen kleinen Schluck der echten Muttermilch probieren. „Schmeckt gar nicht so anders als normale Milch“, sagt die Flatow.

300 Milliliter echte Muttermilch für das Experiment

„Es ist gar nicht so leicht an diese Milch zu kommen“, erklärt Gion. Für das Experiment habe er 300 Milliliter von einer Dortmunder Klinik bekommen. „Davon hätten wir maximal drei Cappuccinos machen können.“

Eine andere Kundin ist begeistert von dem Experiment. „Ich trinke seit einigen Jahren keine tierische Milch mehr. Und heute wurde mir mal wieder bewusst, wie ekelig es eigentlich ist, Milch von Tieren zu trinken.“ Denn sie weiß: Auch Kühe geben nur Milch ab, wenn sie befruchtet sind. Nur einige wenige reagieren verwirrt auf das Angebot: „Da trinke ich meinen Kaffee heute lieber ohne Milch“, sagt ein Kunde.

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