Musiktheater

„Rigoletto“ am Aalto-Theater: Ein Clown wird zum Rächer

Regisseur Frank Hilbrich inszeniert „Rigoletto“ am Aalto-Theater. Luftballons spielen dabei eine symbolische Rolle. Foto:Knut Vahlensieck

Regisseur Frank Hilbrich inszeniert „Rigoletto“ am Aalto-Theater. Luftballons spielen dabei eine symbolische Rolle. Foto:Knut Vahlensieck

Essen.   „Rigoletto“ hat über 160 Jahre auf dem Buckel und nichts an Popularität verloren. Frank Hilbrich zeigt die Oper in ihrer Doppelbödigkeit am Aalto

Sie gehört seit der Uraufführung 1851 zu den meistgespielten Opern der Welt und ist schon auf dem Planet der Affen, in einer Puppenstube oder im Mafiamilieu gelandet. Nach solcher Verfremdung von Verdis Dauererfolg „Rigoletto“ steht Frank Hilbrich, der erstmals am Aalto-Theater inszeniert, nicht der Sinn. In seiner zeitgenössischen Deutung greift er die Sackgasse, in der Hofnarr und Mörder sich treffen, als Sinnbild der Ausweglosigkeit auf.

„Stücke genau zu lesen und dann so frei wie möglich zu interpretieren“, lernte er von der Pike auf. „Geflasht von ,Hänsel und Gretel’, angefeuert vom Jugendclub des Bremer Theaters, brannte er als Junge, der selbst sang, Akkordeon und Geige spielte, schnell für die Oper. Sein Handwerkszeug für die Regie erarbeitete er sich über langjährige Assistenzen. „Wenn der Dramaturgie-Papst Zehelein mich in Stuttgart akzeptiert, muss ich nicht studieren“, war sein Gedanke. Begegnungen wie die mit Hans Neuenfels prägten ihn und anschließend die Zeit als Chefregisseur in Schwerin. Mittlerweile sind seine Inszenierungen von neuem und klassischem Musiktheater im deutschsprachigen Raum viel beachtet. Darunter der komplette „Ring“-Zyklus in Freiburg, bei dem er mit viel Zeit und Wagners Hoffnungsprinzip erzählen konnte.

Nach fast zwanzig Berufsjahren begegnet er nun „Rigoletto“. Verdis erste durchgehende Komposition ist dicht und schnell „und endet, wie fast immer, furchtbar“, erklärt Frank Hilbrich, der die Schauergeschichte mit der Anklage gegen die Willkür der Mächtigen vereint sieht. „Er klagt das System an, in dem er Menschen kritisiert und zerbrechen lässt. Er zeigt, was die Verhältnisse mit dem Menschen machen und welche Verantwortung der Mensch selbst trägt.“

„Dieser Narr ist die Perversion des Clowns“

So betrachtet der 48-Jährige die Figuren psychologisch: Rigoletto ist ein liebender Vater für Gilda und zugleich der Hofnarr, der sich mit seinem Arbeitgeber, dem Herzog von Mantua, auf Kosten anderer amüsiert. Die Verkettung katastrophaler Ereignisse, die er auf einen Fluch schiebt, lassen ihn selbst die Regie übernehmen und die Tragödie vollenden. „Dieser Narr ist die Perversion des Clowns. Wie bei den Horrorclowns verzerrt sich das hintere Gesicht. Der Spaßmacher wird zum Rächer“, sagt der Regisseur, der ihm statt einer Behinderung durch einen Buckel eine professionelle Deformation zuschreibt.

Ein Zustand, den er bei sich selbst auch kritisch hinterfragt: Man gewöhne sich daran, dass alle tun, was man sagt, meint er. Es gebe eine Unruhe, wenn man zu lange an einem Ort ist, oder zu lange nicht probt. Länger als irgendwo sonst hält er sich in Berlin auf. Da ist sein Lebensumfeld, da ist sein zweiter Beruf verortet. Gerade er, der früher nie eine Hochschule besucht hat, gibt an der Universität der Künste szenischen Unterricht für junge Opernsänger, lenkt ihren Blick auf die präzise Beobachtung des Umfelds: „Ich wollte einfach besser ausgebildete Darsteller haben.“

Ein Einsatz ganz in seinem Sinn. Frank Hilbrich legt sich zwar auf keinen bestimmten Stil fest, doch „ein möglichst authentisches körperliches Spiel auf der Bühne“ ist ihm wichtig. Und es bietet die Chance, die eigene Arbeit unverwechselbar zu machen.

Die Aalto-Premiere von Verdis „Rigoletto“

Premiere hat „Rigoletto“ am morgigen Samstag, 21. Januar, im Aalto-Theater.

Zum künstlerischen Team gehören der musikalische Leiter Matteo Beltrami, Bühnenbildner Volker Thiele und Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht. Luca Grassi singt die Titelrolle, Carlos Cardoso in den ersten drei Vorstellungen den Herzog von Mantua (später Abdellah Lasri), Cristina Pasaroiu die Gilda.

Karten unter: 8122 200

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