Reingeschmeckt

Manchmal liegt das Besondere nur ein paar Schritte abseits. In diesem Fall abseits der Rü. Denn in der weniger frequentierten Wegenerstraße liegt ein Kleinod: die Rôtisserie du Sommelier. Natürlich überzeugt man jemanden wie mich mit frankophiler Antenne durch ein zurückhaltendes Ambiente à la französisches Edel-Bistro schnell. Aber auch ohne Frankreichliebhaberei fühlt man sich hier in stilvoller Einrichtung und Yves Montand und Zaz im Hintergrund gleich wohl.

Man sollte vorab erwähnen, dass das Preisgefüge der Rôtisserie im gehobenen Segment liegt, das ist aber auch bei jedem Gang und Wein gerechtfertigt. Ich liebäugele vorab mit Merguez (12,50 Euro), der traditionellen Lammbratwurst, und Tabouleh, entscheide mich dann aber für die zwei Vorspeisen Kürbissuppe und gebackener Mozzarella. Außerdem sind wir neugierig darauf, was sich hinter einer offenen Lasagne verbirgt, und so ist der Hauptgang meiner Begleitung entschieden.

Es beginnt mit Baguette und meergesalzener Butter. Kein spektakuläres Angebot, aber passend zu einem Restaurant wie diesem. Dann noch ein Suppengruß aus der Küche von der gelben Linse im Glas und die Aufwärmphase ist schmackhaft abgeschlossen. Die Vorspeisen-Kürbisuppe ist schon optisch ein Genuss. Geschmacklich hebt sie sich zunächst durch ihre besonders feine Konsistenz hervor. Die Nudel-Ferkel-Roulade mit köstlichem Brät und Pistazien passt herrlich dazu und ist auch eher eine gute Handvoll als die üblichen Mini-Suppenbegleiter am Spieß. Da lässt man sich die 12 Euro für eine Suppe gern gefallen.

Die feine Räuchernote des gebackenen Mozzarella nimmt sich harmonisch zum wohlkomponierten, nussigen Dressing der Rauke aus. Und auch hier stimmt die Optik. Und dann des Rätsels Lösung: Eine offene Lasagne (25 Euro) ist eben eine offene Lasagne: Schichten von zarten Ochsenbäckchen wechseln sich mit Nudelplatten ab. Natürlich ohne Käsepapp obenauf. Das sieht mit der Umrandung aus Schaumsoße nicht nur toll aus, sondern demonstriert den Einfallsreichtum der Küche. Unsere begleitenden Getränke rahmen das Essen perfekt ein: Stachelbeersaft vom Niederrhein und ein blumiger Piquepoul.

Die drei Herren vom Grill bescheren ihren Gästen jedenfalls einen rundum angenehmen Aufenthalt. Nur will bei dem exquisiten Angebot der Begriff Rôtisserie, Grillstube, gar nicht so recht passen.

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