Radverkehr

Radschnellweg RS1: In Essen könnte es bald weitergehen

Der Radschnellweg RS1 soll nun doch auf dem ehemaligen Bahndamm der Rheinischen Bahn – hier von der Gladbecker Straße aus gesehen – durchs Eltingviertel weitergeführt werden.

Der Radschnellweg RS1 soll nun doch auf dem ehemaligen Bahndamm der Rheinischen Bahn – hier von der Gladbecker Straße aus gesehen – durchs Eltingviertel weitergeführt werden.

Foto: Foto: Bernhard Handick

Essen.  In den Ausbau des RS1 kommt Bewegung. Die Stadt Essen verabschiedet sich von ihrem Ziel einer Radtrasse, die durch Häuser und über Dächer führt.

Der Weiterbau des Radschnellweges RS1 durch das Eltingviertel und die städtebauliche Entwicklung dort nehmen konkrete Formen an. Die städtische Planungsverwaltung wird dem zuständigen Fachausschuss des Stadtrates dazu am Donnerstag die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorlegen. Die wichtigsten Erkenntnisse: Die Stadt verabschiedet sich von ihrem städtebaulich ambitionierten Ziel eines Radschnellweges, der als integrierter Bestandteil einer Wohnbebauung durch Häuser und über Dächer hinweg führt. Der Radweg soll stattdessen auf dem Bahndamm der ehemaligen Rheinischen Bahn entlang laufen. Dieser würde zu 60 Prozent abgetragen, um mehr Platz für neue Häuser zu gewinnen. Der Vorteil: Der Radschnellweg könnte unabhängig vom Wohnungsbau fortgeführt werden – ohne weitere Zeit zu verlieren.

Der Leiter des städtischen Planungsamtes, Ronald Graf, nennt den Vorschlag „einen Kompromiss aus dem einfach Machbaren aller Varianten“. Zur Erinnerung: Die Verwaltung hatte der Politik im November 2016 mehrere städtebauliche Alternativen vorgelegt. Die Mehrheit aus SPD, CDU und FDP favorisierte die anspruchsvollste Lösung. Eben jene, in der Radschnellweg und Häuser praktisch zu einem „urbanen Modellprojekt“ verschmelzen.

Rechtliche und technische Hürden könnten Investoren abschrecken

„Wen man das will, kriegt man das hin“, sagt Planungsamtsleiter Ronald Graf. Die nun vorliegende Machbarkeitsstudie macht allerdings deutlich, dass die technischen und rechtlichen Hürden, die es zu überwinden gelte, äußerst hoch sind. Details sind etwas für juristische Feinschmecker: Radschnellwege sind rechtlich Landesstraßen gleichgesetzt, für diese gilt jedoch ein so genanntes Anbauverbot. Die Radtrasse könnte folglich nur dann in eine Wohnbebauung integriert werden, wenn sie als innerstädtische Wegeverbindung gewidmet wird. Für die Bauunterhaltung wäre dann aber nicht länger der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig, sondern die Stadt Essen.

Zu klären wäre ferner, was passiert, sollte ein Gebäude und damit die Trasse zerstört werden, zum Beispiel durch einen Brand? Investoren müssten sich vorsorglich verpflichten, auch für den Wiederaufbau des Radschnellweges aufzukommen. Aus Sicht der Stadt sind dies Hemmnisse, die private Bauherren davon abhalten dürften, ihr Geld in das von der Politik gewünschte städtebauliche Modellprojekt zu stecken.

Die Planungsverwaltung ist deshalb von dem favorisierten Entwurf abgerückt. Gänzlich aufgeben will man das städtebauliche Ziel allerdings nicht, wie Ronald Graf betont. Die Obergeschosse der Häuser sollen teils über den Radschnellweg hinausragen. So sieht es die von der Verwaltung favorisierte Variante vor. Der ehemalige Bahndamm würde teilweise abgetragen und durch Stützwände ersetzt. Die Trasse bliebe im Besitz des Landes.

Die Alternative wäre eine Brücke durchs Eltingviertel. Die Stadt rät davon ab

Folgende Alternative käme dem ursprünglichen städtebaulichen Ziel noch am nächsten: Der Bahndamm wird komplett abgetragen und durch eine durchgehende Brücke ersetzt. Die Verwaltung rät jedoch davon ab. „Uns ist für den Raum unter der Brücke keine vernünftige städtebauliche Lösung eingefallen“, räumt Ronald Graf ein. Die Idee, den Platz für ein Parkhaus zu nutzen, ist aus Sicht der Planer nicht zielführend. Zudem lägen die Baukosten für eine Radtrasse auf einer durchgehenden Brücke durchs Eltingviertel mit rund 23 Millionen Euro doppelt so hoch. Der Radschnellweg auf dem ehemaligen Bahndamm wäre laut Kalkulation der Stadt inklusive Rampen und Brücken für 11,3 Millionen Euro zu haben, wobei die Brücke über die Altenessener Straße ebenfalls durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Wie geht es weiter? Folgt der Ratsausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung am Donnerstag dem Vorschlag der Verwaltung, wird diese gemeinsam mit Straßen NRW und der Bahnflächen-Entwicklungsgellschaft (BEG) ein städtebauliches Konzept entwickeln – als Grundlage für einen noch aufzustellenden Bebauungsplan. Das Bebauungsplanverfahren soll 2021 abgeschlossen sein. Dann könnte der Bau neuer Wohnungen beginnen. Der Allbau hatte bereits Interesse signalisiert. Davon unabhängig könnte Straßen NRW den geplanten Weiterbau des Radschnellweges RS1 von der Gladbecker Straße bis zum Bahnhof Kray-Nord angehen. Die Stadt geht davon aus, dass der Ausbau der Trasse mindestens drei Jahre dauern wird.

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