Urlaub

Psychologe: Deshalb gibt es Meer- und Berg-Typen im Urlaub

Manche werden im Urlaub zu Strandläufern. Oft hängen die Vorlieben von den Reisezielen der Kindheit ab.

Manche werden im Urlaub zu Strandläufern. Oft hängen die Vorlieben von den Reisezielen der Kindheit ab.

Foto: Getty

Ruhrgebiet.   Experten erklären, warum wir uns an bestimmten Urlaubsorten besonders wohl fühlen. Und mit welchen Tricks man tolle Momente für zu Hause aufhebt.

Wollen Sie im Urlaub auch immer Meer sehen? Oder ziehen Sie lieber zu Berge, womöglich gar im Frühtau? Vielleicht gehören Sie auch zu den Bildungsreisenden, die Kultur statt Sonne tanken und ein Museum aufregender als jeden Höhenwanderweg finden. – Woran liegt es eigentlich, dass es verschiedene Urlaubstypen gibt und die Menschen unterschiedliche Wohlfühlorte benötigen, um glücklich zu sein?

„Es hat viel mit Gewohnheit zu tun“, sagt der Psychologe Florian Schmid-Höhne. Die frühen Urlaubserinnerungen prägen oft ein Leben lang. Wer als Kind mit den Eltern an den Strand gefahren ist, wird diese Richtung auch später einschlagen. Wer dagegen die Berge als Kulisse für Abenteuer und Spaß kennengelernt hat, wird als Erwachsener gerne zurückkehren und hier weiterhin aufblühen, selbst wenn er nicht mehr hinter Felsen Verstecken und auf Almen Fangen spielt.

Das Meer ist auch ein Krachmacher

Florian Schmid-Höhne hat fünf Jahre seiner Kindheit auf Teneriffa verbracht. Seine Sehnsucht nach dem Meer ist so groß, dass er später seinen Arbeitsplatz an die Küste verlegt hat. Seit neun Jahren bietet der 41-Jährige nun Coaching und Anti-Stress-Training in Portugal an. An der Westalgarve erklärt er geräderten Arbeitstieren aus der Stadt, wie sie sich erholen, Kraft tanken und abschalten können. Sand an den Füßen, die Meeresbrise im Haar und den Geschmack der Wellen auf den Lippen gibt es gratis dazu.

„Die Menschen kommen in einer Situation zu mir, in der ihnen alles zu viel geworden ist. Viele Unternehmer sind darunter“, sagt der Psychologe. Er stellt fest, dass es hier in der Natur, wo sich Wasser und Strand umarmen, leichter fällt, über Probleme zu reden als in einer Klinik oder in einem Seminarraum. In seinen Veranstaltungen rät er den Teilnehmern, Stimmungen und schöne Momente einzufangen, um sie anschließend zu Hause, zurück im Alltagstrott wieder wachrufen zu können. „Manche filmen den Blick auf das Meer und spielen ihn später im Büro ab.“ Von einer Besucherin habe er gehört, dass sie sich zu Hause eine Infrarotlampe aufgebaut hat, um das Gefühl des Sonnenaufgangs nachahmen zu können.

Das Meeresrauschen beruhigt auch Patienten im Zahnarztstuhl

Florian Schmid-Höhne spricht mit einer solchen Leidenschaft über das Meer, dass man den Klang der Brandung bis hinein in das Ruhrgebiet zu hören scheint. „Die Bewegung macht das Meer so faszinierend. Die Weite beruhigt Augen und Seele.“ Doch seien wir ehrlich: Der Ozean mit seinen sich brechenden Wellen ist auch ein Krachmacher. Zuweilen lauter als ein mit Energie und Hektik vollgestopftes Großraumbüro. Trotzdem wird sein Getöse wie Lieblingsmusik genossen.

„Es ist faszinierend. So stark unterscheidet sich das Meeresrauschen noch nicht einmal von der Geräuschkulisse einer Autobahn. Dennoch nehmen wir es völlig anders wahr“, sagt der Psychologe. Nämlich extrem beruhigend. Warum das so ist? Eine Theorie sei, dass uns die Geräusche des Wassers an die Töne im Mutterleib erinnern. Nach einer Studie der Universität Witten-Herdecke geht die positive Wirkung des Meeresrauschens sogar so weit, dass Patienten im Zahnarztstuhl weniger Angst haben, wenn sie es hören.

Kriterien wie Exotik, Erotik, Kultur und Essen sind zweitrangig bei der Wahl des Urlaubsortes

Viele wichtige Sehnsuchtsorte rund um den Globus bieten Meerblick, andere legen den Blick frei auf mächtige Bergmassive am Horizont. „Es gibt zwei Grundmotive, warum Menschen Urlaub machen: den Wunsch nach Erholung und den nach Kontrast zum Alltag“, sagt Prof. Ulrich Reinhardt, Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen.

„Alle anderen Kriterien, Exotik, Erotik, Kultur, Essen sind nachrangig.“ Und in dieser Hinsicht hätten Berge und Meer einfach viel zu bieten. Berglandschaften mit ihren Gipfelriesen wirken oft als Gegenentwurf zur gewohnten Umgebung.

Da stimmt auch Wassermann Florian Schmid-Höhne zu. „Am liebsten sind mir Berge am Meer“, sagt er und erzählt, dass er schon manches Mal auf Teneriffa auf den 3700 Meter mächtigen Teide gezogen ist – im Frühtau natürlich. „Es gibt nichts Schöneres, als von dort oben den Sonnenaufgang zu beobachten.“

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