Pilotprojekt

Polizei Essen bekämpft Clan-Kriminalität jetzt aus der Luft

Thomas Weise vom Polizeipräsidium in Essen mit der kleineren der beiden Drohnen, mit denen die Behörde jetzt in ein Pilotprojekt startet.

Thomas Weise vom Polizeipräsidium in Essen mit der kleineren der beiden Drohnen, mit denen die Behörde jetzt in ein Pilotprojekt startet.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Essen/Mülheim.  Die Polizei startet ein Pilotprojekt mit zwei Drohnen in Essen und Mülheim. Die sollen auskundschaften und verhindern, dass Verdächtige flüchten.

Es ist ein Pilotprojekt im besten Wortsinne: Die Polizei bekämpft die Clan-Kriminalität in Essen und Mülheim bald auch aus der Luft. Ab sofort hat die Behörde Drohnen testweise zur Verfügung, die der zuständigen Abteilung und deren Netzwerkpartnern von Zoll, Stadt und Steuerbehörden ganz neue Perspektiven und bislang nicht genutzte Einsatzmöglichkeiten bieten sollen.

„Die ersten Bilder begeistern“, sagte Thomas Weise, Sprecher der Besonderen Aufbauorganisation „Aktionsplan Clan“ am Montag gegenüber dieser Zeitung. Ein halbes Jahr lang werden die Flugkörper, von denen jetzt zwei an der Büscherstraße gelandet sind, in insgesamt zehn NRW-Präsidien bei unterschiedlichsten Einsätzen getestet. Dann entscheidet das Innenministerium, wann und ob eine zusätzliche, landesweite Luftunterstützung der Polizei künftig tatsächlich sinnvoll ist.

Die Einsatzorte aus der Vogelperspektive auskundschaften

In Duisburg geht beispielsweise die Wasserschutzpolizei in die Luft, in Münster hebt die Autobahnpolizei ab, in Dortmund hat die Polizei die Mini-Helis bereits bei der letzten großen Bombenentschärfung aufsteigen lassen, in Essen will man zum Beispiel Einsatzorte im Vorfeld von geplanten Clan-Razzien aus der Vogelperspektive auskundschaften, um auf die Gegebenheiten möglichst optimal vorbereitet zu sein.

Während eines Zugriffes könnten die Drohnen dann beobachten, ob sich Verdächtige über Hinterhöfe aus dem Staub machen oder sich in Gebäuden verbarrikadieren, umschreibt Weise die diversen Einsatzmöglichkeiten. „Das ist eine ganz neue Qualität polizeilicher Arbeit“, ist der Erste Polizeihauptkommissar schon jetzt überzeugt.

Ausgestattet mit hochauflösenden Kameras und einem Lautsprecher

Die fliegenden Roboter haben zwar kein Blaulicht über den Rotoren und auch keine Wasserwerfer an Bord, sind aber mit einer hochauflösenden Kamera und einem Lautsprecher für Durchsagen ausgestattet. Gesteuert werden sie von drei Piloten der Essener Polizei, die extra dafür geschult worden sind. Dabei spielten auch datenschutzrechtliche Fragen eine Rolle, die alles andere als aus heiterem Himmel fallen, auch weil die Einsatzmöglichkeiten selbst für die Polizei bislang bekannte Grenzen um eine weitere Dimension überschreiten. Der Beobachtung durch stationäre Behörden-Kameras wie am Rheinischen Platz in der Innenstadt oder am Essener Hauptbahnhof kann man sich leicht entziehen, einer fliegenden Drohne kaum.

„Der Datenschutz ist ein wesentlicher Aspekt“, versichert Weise. Für die Aufnahmen sei eine spezielle Beobachtungssoftware entwickelt worden. Sollen Bilder gesichert werden, geschehe dies auf einem internen Speicher der Drohne. Abseits der Bildübertragung in Echtzeit für die beobachtenden Beamten finde keinerlei Transfer von aufgezeichneten Daten aus der Luft über Netze statt, die angezapft werden könnten. Was letztlich wann und wo gefilmt und wie lange gespeichert werden dürfe, richte sich wie sonst auch nach den geltenden Vorschriften der Strafprozessordnung und des Polizeigesetzes NRW, sagt Weise.

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