Gesundheitsserie

Pharmalogistiker Noweda: So kommt die Arznei in die Apotheke

Der Essener Pharmagroßhändler Noweda unterhält eines der größten Arzneimittellager Europas in Essen-Altendorf.

Der Essener Pharmagroßhändler Noweda unterhält eines der größten Arzneimittellager Europas in Essen-Altendorf.

Foto: Socrates Tassos

Essen.  Der Essener Arzneigroßhändler Noweda versorgt im Eiltempo hunderte Apotheken in der Region mit Medikamenten. Wie die Logistik funktioniert.

„Das können Sie heute Nachmittag abholen“ ist ein Satz, der in Apotheken oft fällt, wenn ein Medikament nicht vorrätig ist. Möglich macht das eine schnelle und ausgefeilte Logistik, die reibungslos funktionieren muss, um die rechtzeitige Versorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen. In Altendorf unterhält die Apothekergenossenschaft Noweda eines der größten Arzneimittellager Europas.

Hier, von seinem Stammsitz in der Heinz-Strunk-Straße aus, beliefert der Essener Pharmagroßhändler 868 Apotheken in der Region und in einem Verbreitungsgebiet, das bis an die holländische Grenze reicht. Über 120.000 verschiedene Arzneimittel hält die Noweda vor. Welche logistischen Hürden genommen werden müssen, damit die Medikamente zeitnah in den Händen der Apotheken-Kunden landen, haben wir uns für unsere Gesundheitsserie etwas genauer angeschaut.

Ein Blick hinter die Kulissen beim Essener Pharmagroßhändler Noweda


1. Auftragsverarbeitung

Der Weg des Medikaments vom Lager in die Apotheke beginnt mit der Auftragsverarbeitung. Die an die Noweda angeschlossenen Apotheken bestellen ihre Arzneien über ein Computersystem, aber auch per Telefon. „Bis zu 3500 mündliche Anrufe gehen am Tag bei uns ein“, erklärt Betriebsleiterin Katja Weckmann. Jede Bestellung bekommt einen Barcode zugewiesen. Dieser wird mit einer blauen Transportkiste (Wanne) „verheiratet“, wie es im Unternehmen heißt. Dann beginnt die Wanne ihre rund fünf Kilometer lange Reise auf einer Rollbandstrecke.

2. Kommissionierung

Damit die Wanne ihren Weg zu den Lagerplätzen mit den bestellten Arzneimitteln findet, wird sie ständig gescannt. Erkennt ein Scanner, dass die bestellte Arznei sich in einem Lagerbereich befindet, wird die Wanne auf ein Abstellband gerollt. Dann sind die Mitarbeiter von der Kommissionierung an der Reihe.

Mit einem Kommissioniergerät am Handgelenk überprüfen sie die Bestellungen und suchen die entsprechenden Waren per Hand heraus. Hat ein Mitarbeiter alles zusammen, wird die Wanne weiter auf Reisen geschickt. An 74 Stationen kann die Wanne Halt machen. Und oftmals geht es gar nicht nur um Pillen, Salben und Säfte, sondern auch um den Bürobedarf einer Apotheke bis hin zum Kassenzettel.

3. Kommissionierautomat

Daneben kommen zwei Automaten zum Einsatz, die verschiedene Mittel wasserfallartig in die Wannen schütten. Dabei handelt es sich um die sogenannten „Schnelldreher“. Das sind Medikamente die besonders häufig nachgefragt werden. „Zurzeit sind es viele Erkältungsmedikamente.

Ab März geht die Allergiesaison los, dann sieht es hier wieder anders aus“, erklärt Katja Weckmann. Besonders Schmerzmittel, Nasensprays und Mittel gegen Reizhusten belegen derzeit vorderste Plätze – im Automaten und auch in den Bilanzen: Etwa 50 Prozent ihres gesamten Umsatzes macht die Noweda mit den Schnelldrehern. „Wenn wir hier einen Ausfall haben, ist das fatal“, betont Weckmann. Ist die Wanne vollständig befüllt, bekommt sie am Ende einen Deckel verpasst und ist dann fertig für die Verladung.

4. Expedition

Verpackt und bedeckelt rollen die Wannen dann die letzten Meter in Richtung Expedition. Hier werden sie an neun „Bahnhöfen“ in die Lieferfahrzeuge verladen und gehen auf Apothekentour. 60 bis 70 solcher Medikamentenwannen passen in die Kleintransporter, aber nicht jede Tour fällt so üppig aus. Insgesamt beliefern 180 Fahrzeuge von Essen aus die Apotheken im Verbreitungsgebiet. „Wir fahren jeden Tag vom gleichen

Bahnhof die gleiche Tour mit den gleichen Kunden“, sagt Katja Weckmann.

450 Touren machen die Fahrer am Tag, so dass im Monat schon einmal locker 650.000 gefahrene Kilometer zusammenkommen. Laut Noweda soll der gesamte Vorgang vom Eingang der Bestellung bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Transporter den Bahnhof verlassen, rund 25 Minuten dauern.

5. Apotheke

Die Fahrzeit zu den Apotheken muss allerdings noch hinzugerechnet werden. Und die kann je nach ruhrgebietstypischer Verkehrslage variieren. Dabei haben die Fahrer einen eng getakteten Tourenplan.

Die Apotheken haben ihrerseits mit der Noweda bestimmte Lieferzeiten abgestimmt. So wie die Apotheke Platt in Kupferdreh. Sie wird insgesamt vier Mal am Tag beliefert und kann den Kunden genau sagen,

wann sie ihre Medikamente abholen können. Die Belieferung selbst dauert nur wenige Minuten.

Der Fahrer übergibt schnell die Wanne, dann heißt es für die Apotheker auspacken, einsortieren, verkaufen. Mit dem nächsten speziellen Medikamentenwunsch beginnt der Kreislauf dann wieder von vorne …

>>> DIE NOWEDA VERSORGT DIE MEISTEN APOTHEKEN IN ESSEN

  • Die Noweda („Nordwestdeutsche Apothekergenossenschaft“) wurde 1939 von sieben Apothekern in Essen gegründet. Seither ist der Pharmagroßhändler an 20 Standorten in Deutschland, in der Schweiz und in Luxemburg vertreten, und beliefert bundesweit über 9000 Apotheken.

  • Insgesamt arbeiten am Hauptstandort Essen rund 736 Menschen. Um Logistik und Co. kümmern sich 509 Mitarbeiter.

  • 108 von den insgesamt 153 Apotheken in Essen beziehen ihre Arzneien aus dem Großlager im Stadtteil Altendorf.

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