Friedhof

Essenerin will Grabstein ihres Schwiegervaters retten

Marie-Luise Linden möchte den Grabstein ihres verstorbenen Schwiegervaters gerne für einen schönen Zweck bereitstellen.

Marie-Luise Linden möchte den Grabstein ihres verstorbenen Schwiegervaters gerne für einen schönen Zweck bereitstellen.

Foto: Martin Horn / FUNKE Foto Services

Essen-Karnap.  Viele Jahre lang pflegte die Essenerin Marie-Luise Linden das Grab ihres Schwiegervaters. Die Grabzeit läuft aus, der Grabstein soll überdauern.

„Der Grabstein ist doch viel zu schade, um ihn einfach zu zertrümmern“, sagt Marie-Luise Linden (59) – und meint damit den mächtigen Naturstein, der seit beinahe 50 Jahren die letzte Ruhestätte ihres Schwiegervaters Josef auf dem städtischen Friedhof in Essen-Karnap ziert. Die Grabstelle lief schon im Dezember 2017 aus; spätestens im Januar 2020 wird der Grabstein von der Friedhofsverwaltung abgeräumt, zerschlagen und kostenintensiv entsorgt. Dies möchte die Essenerin unbedingt verhindern.

Der mächtige Grabstein ist nicht zu übersehen. Mehr als einen Meter hoch, einen guten halben Meter breit und sicherlich halb so tief steht der Grabstein von Josef Linden auf dem Karnaper Friedhof an der Ahnewinkelstraße. Wie schwer der Naturstein ist, mag Marie-Luise Linden nicht einmal zu schätzen. „Aber es ist wohl ein Rosenquarz“, sagt sie. Zumindest habe davon immer die Schwiegermama gesprochen.

Grabstätte auf dem Friedhof in Essen-Karnap läuft im Januar 2020 endgültig aus

Es scheint, als wäre der von Lebensbäumen flankierte Brocken für die Ewigkeit gemacht. Doch nichts währt ewig, auch nicht die letzte Ruhestätte. Das weiß auch Marie-Luise Linden. Als sich die Friedhofsverwaltung meldete, kurz bevor die Grabstätte 40 Lenze zählte, da hatte die Essenerin die Graburkunde noch verlängert. Das Grab pflegte sie gemeinsam mit der Schwiegermutter, die jedoch Anfang dieses Jahres verstarb. „Da gab ich die Nutzungsrechte für das Grab zurück.“


„Kenne meinen Schwiegervater nur von Bildern und aus Erzählungen“

Dies sei ihr nicht leicht gefallen, obwohl sie den Vater ihres Mannes nie persönlich traf und ihn nur von Bildern und aus Erzählungen der Hinterbliebenen kennt. „Als ich geheiratet habe, da war der Josef schon fünf Jahre tot“. Die Beziehung zu ihm habe sie nur über die Pflege seiner Ruhestätte aufgebaut. Eine Beziehung, die sich im Laufe der vielen Jahre gefestigt hat. Schon deshalb sei es für sie nur schwer zu ertragen, wenn sein Grabstein – dieses Symbol ihrer Verbundenheit – nun in Schutt und Asche gelegt werden soll.

Zumal der Stein sicherlich nicht ganz billig war „und ich es für eine Verschwendung halte, wenn er endgültig verschwinden würde“, wie sie sagt. Den Naturstein mit seinen aufgelegten Lettern aus Metall hatte der Gelsenkirchener Steinmetz Mecking geschaffen. „Unterlagen vom Kauf hat er leider nicht mehr, doch er weiß noch, dass die Familie damals 2000 Mark bezahlt hat“, erfuhr Marie-Luise Linden bei einem Anruf. „Heute würde ein solcher Stein wohl gut und gerne 4000 Euro kosten, hat er mir erzählt.“

Vielleicht findet ein Künstler Gefallen daran und gestaltet den Stein neu

Auch deshalb soll der Grabstein nun überdauern. In welcher Form auch immer – eben nur nicht als Kiesel. „Wenn jemand eine Verwendung hat, dann werde ich ihm diesen Stein schenken.“ Welche Möglichkeiten ein alter Grabstein bietet, dies überlässt sie der Kreativität der Interessenten. „Vielleicht wird der Naturstein das Fundament einer Lampe. Möglicherweise findet ein Künstler Gefallen daran und erstellt daraus eine Skulptur. Oder er dient als Basis für einen neuen Grabstein. Wer weiß das schon.“

Idee, den Stein zu verschenken, kam durch einen Zeitungsartikel

Die Idee, den Stein zu verschenken, kam ihr übrigens durch einen Artikel dieser Zeitung: „Grabsteine als Poller“ lautete der Titel. Einer davon hatte sogar noch seine Inschrift. „Das würde mich nicht einmal stören, wenn auch unser Stein den Namen behielte. Zumindest wenn das Umfeld passt“, sagt Marie-Luise Linden. Doch eines wünscht sie sich: „Ein kleines Stückchen vom Stein hätte ich gerne als Erinnerung. Das wäre mir schon wichtig.“

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