Tiere

Neuer Papagei der Essener Gruga redet wenig, ist aber klug

Gestatten, Bergpapagei: Zu den herausragendsten Eigenschaften der Bergpapageien zählt die Neugier. Hier schaut er unserem Fotografen ziemlich angstfrei in die Linse, nur getrennt durch eine Glasscheibe.

Gestatten, Bergpapagei: Zu den herausragendsten Eigenschaften der Bergpapageien zählt die Neugier. Hier schaut er unserem Fotografen ziemlich angstfrei in die Linse, nur getrennt durch eine Glasscheibe.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Im Essener Grugapark gibt es einen neuen Papageien: Ein olivgrüner Kea, ein Bergpapagei, soll dauerhaft für Kea-Nachwuchs sorgen.

Der Grugapark hat einen neuen Vogel. Es ist ein „Kea“, ein Bergpapagei, und obwohl Bergpapageien als nicht sonderlich gesprächig gelten, könnte der „Kea“ ein neuer Publikumsliebling werden.

Viele Halter geben ihre Papageien ab

Er wohnt ganz links in der Reihe der Volieren, die nicht weit entfernt stehen vom Eingang Lührmannstraße. Rund 60 Papageien haben dort ihr Zuhause. „Viele Vögel kommen aus dem Privatbesitz zu uns“, erklärt Tierpflegemeister Hermann Josef Golbach, der seit 37 Jahren im Grugapark beschäftigt ist. „Das sind Tiere, die abgegeben werden, weil ihre Halter zu alt werden oder von vornherein überfordert sind mit einem Papageien.“ So gesehen: „Wir als Grugapark sind auch eine Auffangstation für Papageien aus Essen und der Region.“

Kea kommt von einem niederländischen Züchter

Für den neuen Bergpapageien, der noch keinen Namen hat, hat der Grugapark aber Geld bezahlt - beziehungsweise der Stiftungsverein Grugapark war es, der den Ankauf des drei Jahre alten Tieres bei einem niederländischen Züchter möglich gemacht hat. „Der Bergpapagei steht unter Artenschutz und gilt als relativ selten, deswegen haben wir ein großes Interesse daran, hier Zuchterfolge zu erzielen“, erklärt Golbach. Neue Tiere könnten dann an andere Parks abgegeben werden. Über den neuen Namen entscheidet übrigens die Tierpatin – der Grugapark vergibt Patenschaften für jedes einzelne Tier, die einen Bürger zwischen 25 und 200 Euro im Jahr kosten. Auch der neue Kea ist schon vergeben, was eine Patenschaft angeht.

Vorgänger lag eines morgens tot im Käfig

Zurück zum Zuchterfolg: Denn was jetzt kommt, ist eine etwas tragische Geschichte. Der neue Kea wohnt ja nicht allein in der Grugapark-Voliere. Es gibt auch noch ein Kea-Weibchen, es heißt Esra (5), und Esra wurde im vergangenen Jahr plötzlich und unerwartet Witwe. Ihr Vogelpartner Jona lag eines morgens tot im Käfig mit gerade mal fünf Jahren, „man schätzt, dass er an einer Vergiftung gestorben ist“, berichtet Golbach. Womöglich hat Jona jene Eigenschaft das Leben gekostet, die Papageien allgemein und Bergpapageien im Besonderen auszeichnet: ihre große Neugier. Letztlich weiß man aber nicht, was zum frühen Tod des Vogels geführt hat.

Tiere verfügen über „technisches Verständnis“

„Bergpapageien“, erklärt der Tierpfleger, „gehören zu den intelligentesten Papageien überhaupt.“ Tatsächlich liegt in einem Hinterraum der Voliere Kinderspielzeug bereit, wie es Einjährige benutzen: Runde und eckige Klötze, die in runde und eckige Löcher gesteckt werden müssen, „das können die mühelos.“ Im Internet-Lexikon Wikipedia heißt es fast schon ingenieurhaft: „Die Tiere verfügen über ein ausgeprägtes technisches Verständnis.“

Tiere schweigen viel, sind aber sehr aktiv

Was das bedeutet, demonstriert Golbach mit einer einfachen Futterbox: Er stellt das hohe, schmale Gefäß aus durchsichtigem Kunststoff mitten in die Voliere, der Deckel ist halb geöffnet, und nach einer Weile fliegen Esra und ihr neuer Partner an, ziehen mit ihren mächtigen Schnäbeln den Deckel weg und versuchen dann, den Futterbehälter umzustoßen. Sie tun das alles schweigend ohne großes Gekrächze, während zwei Volieren weiter eine knallgrüne Amazone ständig „Hallo!“ ruft. Sie zieht einige Aufmerksamkeit von Schülergruppen auf sich, doch was die Bergpapageien zwischendurch an Show abliefern, ist mindestens genauso interessant. Golbach zückt sein Smartphone und zeigt amüsiert seine private Filmaufnahme in der Voliere: Bergpapagei spielt mit aufgeblasenem Gummiball. Sehr lustig!

Ein neuer Partner für Bergpapagei-Dame Esra

Vogeldame zeigt dem Vogelmann, wer die Hosen anhat

Bergpapagei-Dame Esra hat übrigens den Tod ihres früheren Partners offenbar gut überwunden und fand recht schnell Gefallen an dem neuen Kea-Männchen. „Nach wenigen Tagen“, erzählt Golbach, „sahen wir die beiden bei der gegenseitigen Gefiederpflege. Das ist ein sehr gutes Zeichen.“ Auch wenn für Esra klar ist: Sie ist erstens älter als ihr neuer Partner und zweitens schon länger da. „Sie nutzt viele Gelegenheiten, um dem Mann klarzumachen, wer hier eigentlich das Sagen hat.“ Versperrt ihm manchmal den Weg oder zieht ihn weg aus einer Ecke der Voliere, in der der Neue nicht sein soll – aus Gründen, die nur die Vogeldame kennt.

So gesehen: Die Frau hat die Hosen an bei Familie Bergpapagei. Warum soll es bei ihnen anders sein als woanders?

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