Parkentwicklung

Neuer Gruga-Chef in Essen muss mit wenig Geld zurechtkommen

Der neue Grugapark-Leiter Christian Kamer mit dem Plakat anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Grugaparks.

Der neue Grugapark-Leiter Christian Kamer mit dem Plakat anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Grugaparks.

Foto: Christof Köpsel

Essen.  Zum 90. Geburtstag hat der Grugapark mit Christian Kamer einen neuen Chef bekommen. Erhalt der Pflanzenvielfalt bleibt große Herausforderung.

Der Grugapark wird in diesem Sommer 90 Jahre alt, und einen neuen Leiter gibt es auch. Christian Kamer hat Anfang April seinen Dienst angetreten und ist derzeit dabei, sich einen Überblick zu verschaffen über den fast 70 Hektar großen Park. Der 38-jährige will sich deshalb noch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, wenn es um die Frage geht, was gut läuft und was eher nicht. „Ich will erst einmal alles auf mich wirken lassen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Kamer hat an seinen bisherigen Wirkungsstätten, etwa im holsteinischen Eutin und in Hamburg, viel mit historischen Gartenanlagen und deren Weiterentwicklung zu tun gehabt. Das war mit ein Grund, weshalb er die Chef-Position in Essen erhielt. Es sei in jedem Fall eine faszinierende Aufgabe, einen Park zu leiten, der zu den „Top 20“ in Deutschland zähle. „Wir haben hier einen tollen historischen Baumbestand“, schildert er einen ersten Eindruck. Was die Gruga auf den ersten Blick außerdem auszeichne, sei ihre Vielfalt, die den verschiedensten Ansprüchen gerecht werde.

Ende der 1990er Jahre war die Zahl der Besucher stark eingebrochen

Es ist dies die Frage, vor der alle großen Parks stehen: Was ist der richtige Mix aus klassischen Elementen wie den Botanischen Gärten und den Spiel- und Sportbereichen? Von Pflanzenliebhabern allein könne kein Park dieser Größe leben, betont Kamer. „Viele Menschen sollen sich hier wohlfühlen, nicht nur Spezialisten.“

Bei der Vorstellung des Programms zum 90-jährigen Gruga-Geburtstag erinnerten Politik und Stadtverwaltung daran, dass Ende der 1990er Jahre die jährliche Besucherzahl auf nur noch 700.000 zurückgegangen war. Mittlerweile kann der Park wieder deutlich über eine Million Besucher pro Jahr begrüßen, was gegenüber den Hochzeiten der Gruga in den 1960er und 1970er Jahren allerdings immer noch recht wenig ist.

Ausdünnungen des Rosengartens und der Dahlienarena

Damals gab es allerdings auch deutlich weniger Freizeitangebote, die Mobilität war geringer, die Einwohnerzahl in Essen höher. Und nicht zuletzt hatte die Gruga erheblich mehr Geld, um sich hübsch zu machen. Auf alten Bildern ist unschwer zu erkennen, dass damals deutlich mehr Mittel für die Blumenpracht zur Verfügung standen. Die schon vor Jahren stiekum erfolgten Ausdünnungen etwa des Rosengartens und der Dahlienarena sind Versuche, den Besuchern die Finanznot nicht allzu deutlich zu präsentieren.

Auch künftig wird die Gruga mit finanziellen Beengtheiten zu kämpfen haben, kündigte der CDU-Ratsherr und Umweltausschussvorsitzende Hans-Peter Huch an. Wie unter diesen Umständen das Niveau zu halten ist, dürfte zu den großen Herausforderungen für den neuen Gruga-Chef gehören. „Einige Dinge sind in die Jahre gekommen“, räumt Kamer dann doch noch ein, „aber ich habe keinen Schandfleck gesehen, der dringend zu beheben wäre, definitiv nicht!“

90-Jährige haben in diesem Jahr freien Eintritt

  • Am 29. Juni 1929, einem sonnigen Sonntag, wurde die Große Ruhrländische Gartenbauausstellung eröffnet, für die sich rasche die Abkürzung Gruga einbürgerte. Eine allerdings altbekannte Foto-Ausstellung im Eingangsgebäude an der Orangerie und Führungen zur Geschichte des Grugaparks sind bereits im Angebot. Exakt am 90. Geburtstag, am 29. Juni sind die Essener Philharmoniker mit einem Open-Air-Konzert im Musikpavillon zu Gast.
  • Verschiedene Veranstaltungen kultureller Art sind vom 16. bis zum 18. August anberaumt. Und wer 1929 geboren ist, erhält das ganze Jahr über freien Eintritt im Park - Ausweis nicht vergessen.

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