Rassismus-Vorwurf

Nase gebrochen, Gesicht blutig: Essener Disco-Gast klagt an

Wenige Minuten nach dem eskalierten Streit in der Diskothek entsteht letzten Sonntag dieses Handyfoto: Es zeigt Wilfried Sarr, soeben 23 geworden, mit blutverschmiertem Gesicht und zerrissenem T-Shirt.

Wenige Minuten nach dem eskalierten Streit in der Diskothek entsteht letzten Sonntag dieses Handyfoto: Es zeigt Wilfried Sarr, soeben 23 geworden, mit blutverschmiertem Gesicht und zerrissenem T-Shirt.

Foto: OH

Essen.  Der Gast (23) einer Essener City-Disco sieht sich als Opfer eines mutmaßlich brutalen Türstehers. Die Disco weist die Vorwürfe zurück.

Es sollte eine ausgelassene Geburtstagsfeier mit Freunden in einer Innenstadt-Disco werden, aber sie endete für Wilfried Sarr mit einem Alptraum. Sein Nasenbein ist gebrochen, hinzu kommen Würgemale am Hals und Blutergüsse, dazu eine Bissverletzung am Ringfinger. Obendrein, so berichtet der 23-Jährige, sei er von zwei Mitarbeitern übelst beschimpft worden. „Du Scheiß Nigger“ hätten ihn die beiden tituliert.

Sein Rechtsanwalt Florian Gießler stuft die mutmaßlichen Taten eines bzw. mehrerer Türsteher als sehr gravierend ein. Er wirft ihnen „versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung“ vor. Der Sprecher der Diskothek auf der Kettwiger Straße hingegen weist die Vorwürfe kategorisch zurück. Vielmehr sieht er seinen Mitarbeiter in der Rolle des Opfers. Dieser sei selbst verletzt worden und habe seinerseits Anzeige erstattet.

Sonntagmorgen um 0.30 Uhr betreten die Freunde das Lokal, um zwei Uhr erleben sie einen Alptraum

Der Versuch einer Rekonstruktion: Es ist der vergangene Sonntag um 0.30 Uhr, als Wilfried Sarr – soeben 23 geworden – mit seiner Freundin und weiteren Freunden den beliebten Laden in der City betreten. „Ich war bislang vier oder fünf Mal da, nie gab’s Ärger.“ Der 23-Jährige ist Sohn eines Westafrikaners und einer Deutschen, daher seine dunkle Hautfarbe. Zurzeit steht er noch beim hessischen Regionalligisten TSV Steinbach-Haiger unter Vertrag, er spielt auf der Verteidiger-Position.

Gegen zwei Uhr früh sei folgendes passiert: Einer der Freunde habe aus Jux mit dem Boden seiner Bierflasche kurz auf die Flasche eines anderen Freundes geschlagen. Wie beabsichtigt tritt viel Schaum aus, der Vorfall habe Heiterkeit ausgelöst.

Doch damit ist es schnell vorbei. „Der Türsteher ging gezielt auf mich zu, obwohl ich nicht beteiligt war“, erinnert sich Sarr.

Er beschreibt sein Gegenüber als stämmigen Typ, ca. 1,80 Meter groß, breite Schultern, massig, Bart – dem Vernehmen nach ein Mann mit libanesisch-arabischen Wurzeln. „Er hat mich gefragt, ob ich Stress will. Ich habe Nein gesagt.“ Wilfried Sarr erinnert sich gut, beide Hände gehoben und Friedfertigkeit signalisiert zu haben. „Ich schaute ihm in die Augen und sah aber, wie aggressiv er war.“ Ehe sich der Disco-Gast versieht, spürt er den kräftigen Würgegriff des Türstehers am Kehlkopf. „Ich habe gegen seine Hand geschlagen, um mich zu befreien.“ Kurz drauf verspürt er den ersten Fausthieb – er habe seinen Kiefer getroffen.

„Ich bekam keine Luft und hatte Todesangst“

Wenig später, inzwischen runter vom Podest, sei die Situation weiter eskaliert. Eine zweite Person habe Sarr gegen den Kopf geschlagen. Dieser schlägt mit der Faust zurück, worauf der Türsteher ihn nun erneut am Kehlkopf gewürgt habe – dieses Mal mit beiden Händen. „Ich bekam keine Luft und hatte Todesangst“, berichtet der 23-Jährige.

Noch vier Tage danach verspüre er starke Schmerzen beim Schlucken. Damit offenbar nicht genug: Eine andere Person habe ihn gegen den Kopf getreten, bei diesem Faustschlag ins Gesicht sei sein Nasenbein gebrochen, sein Ringfinger weise zudem eine Bissverletzung auf.

Der Schichtleiter der Diskothek räumt ein, er sei zur Tatzeit nicht im Hause gewesen. Seine Schilderungen basieren auf Aussagen des Türstehers und weiterer Mitarbeiter. Er behauptet: „Es gab Streit unter Gästen, deshalb ist unser Mitarbeiter dazwischen gegangen.“ Dabei sei er selber angegriffen und verletzt worden – durch Tritte gegen Gesicht, Brust und Finger. Der Gast sei nicht vom Türsteher geschlagen worden, sondern von einem Gast, der dem Türsteher anscheinend helfen wollte.

Sarr räumt ein, sich heftig – auch mit Tritten – gewehrt zu haben. Aber er betont: „Ich habe mich immer nur verteidigt.“ Dafür habe er auch Zeugen. Kurz darauf – inzwischen von seinen Freunden getrennt – sei er mit den Armen auf dem Rücken zum Kassenbereich geschafft worden sei. Dabei sei er als „Scheiß Nigger“ beschimpft worden. „An der Kasse musste ich pauschal 50 Euro zahlen, obwohl ich gar nicht so viel konsumiert hatte.“

Diskothek weist „Nigger“-Beschimpfung zurück: „Das ist purer Blödsinn“

Die Diskothek verweist die „Scheiß Nigger“-Beschimpfung in das Reich der Fabel. „Das ist purer Blödsinn“, sagt der Schichtleiter und betont: „Rassismus ist in unserem Hause nicht nur verpönt, sondern auch verboten.“

Wie konnte – quasi aus dem Nichts – ein Streit entstehen, der so blutig ausgeht? Wer ist Täter? Wer ist Opfer? Nun, beide Seiten sehen sich jeweils im Recht. Wilfried Sarrs Rechtsanwalt Florian Gießler geht davon aus, dass sich ein Richter über diesen Fall beugen und sein Mandant Recht bekommen wird. „Dieser Fall geht vor Gericht“, sagt Gießler.

Leserkommentare (18) Kommentar schreiben