Prozess

Nach 51 Jahren Ehe: Mann attackiert Frau mit dem Hammer

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Ehe-Drama vor dem Essener Schwurgericht. Nach 51 Jahren Ehe versucht ein 79-Jähriger in Kettwig, seine Frau mit dem Hammer zu erschlagen.

Ein Trauerspiel. Nach 51 Ehejahren beugt sich der 79-Jährige aus dem beschaulichen Essener Stadtteil Kettwig nachts über seine schlafende Ehefrau, will mit einem Hammer auf sie einschlagen. Doch die 74-Jährige wird wach, wehrt ihn ab. Jetzt muss er sich vor dem Essener Schwurgericht verantworten. Einen versuchten Mord aus Heimtücke wirft die Anklage ihm vor.

Doch auch Staatsanwältin Birgit Jürgens geht davon aus, dass der an einer paranoiden Schizophrenie leidende Rentner nicht schuldfähig ist. Mit ihrer Antragsschrift will sie erreichen, dass er wegen seiner Gefahr für andere Menschen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird.

Beschuldigter wirkt wie ein netter Großvater

Wie ein netter Großvater wirkt der ältere Herr, der da im Gerichtssaal neben seinem Verteidiger Bernd Kachur sitzt. Früher hat er als Elektroschweißer gearbeitet. Und auch seine Ehefrau, die als Zeugin gekommen ist, macht einen angenehmen Eindruck.

Kaum mehr vorzustellen, dass dieses Paar sich am 2. August einen erbitterten Kampf um das Leben der Frau geliefert hat. 2.30 Uhr war es, mitten in der Nacht. Irgendetwas hatte die 74-Jährige damals aufwachen lassen. Sie reagiert sofort, ergreift das Handgelenk ihres Mannes. Trotzdem trifft der Hammer sie noch am Kopf.

Schnürsenkel um den Hals

Sie rutscht auf den Boden, er beginnt, sie mit Fäusten zu schlagen. Dann kniet er auf ihrer Brust, beide Hände umfassen ihren Hals, er würgt sie. Legt ihr einen Schnürsenkel um den Hals.

Doch sie wehrt die Angriffe ab, schreit laut um Hilfe. Nachbarn kommen, auch die Polizei. Selbst als die Beamten vor dem Paar stehen, macht der 79-Jährige weiter. Ja, sagt er ihnen, nachdem sie ihn gestoppt haben, er habe sie umbringen wollen, denn sie habe ihm etwas tun wollen.

Keine Erinnerung an die Tat

Sie kommt ins Krankenhaus, er vorläufig in die Psychiatrie. An die Tat selbst erinnere er sich nicht mehr, sagt er am Donnerstag zu Richter Jörg Schmitt. "Ist wie ausradiert", erklärt er. Aber vorstellen kann er sich ein solches Verhalten nicht:"Ich gehe doch nie im Leben mit einem Hammer auf einen Menschen los."

Seine Frau erinnert sich. Ganz aufgeregt ist sie, als sie ihre Aussage beginnt. Böse ist sie ihrem Mann nicht. Er ist schon seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung gewesen. Aber vor dem Zusammenleben hätte sie jetzt Angst. In der Vergangenheit habe er schon mal Stimmen gehört, sei auch manchmal etwas laut geworden. Zu Gewalttaten kam es aber nicht: "Die Hand hat er nie gegen mich erhoben."

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