Musikkabarett

Musiker-„Liga“: Showspaß mit Robert Schumann und Tom Selleck

Ungewöhnliches Konzert-Doppel: Das Saxophon-Quartett „Sistergold" musiziert mit den „Fills" bei Timm Beckmanns „Liga der außergewöhnlichen Musiker".   

Ungewöhnliches Konzert-Doppel: Das Saxophon-Quartett „Sistergold" musiziert mit den „Fills" bei Timm Beckmanns „Liga der außergewöhnlichen Musiker".  

Foto: Sven Thielmann, Essen

Essen.  Jubel für Timm Beckmanns „Liga der außergewöhnlichen Musiker“: Nach zwei ausverkauften Abenden in Essen kommt die Show nach Dortmund und Mülheim

Das hübsche Etikett „ausverkauft“, das längst traditionsgemäß auf „Timm Beckmanns Liga der außergewöhnlichen Musiker“ bei deren Auftritten in der Altenessener Zeche Carl klebt, ist natürlich allerfeinste Werbung für ihre Premieren an neuen Spielorten. Denn erstmals beglückt die beliebte „Musik meets Comedy“-Reihe heute abend die Dortmunder im Fritz-Henßler-Haus, um tags darauf ihr Debüt in der Mülheimer Stadthalle zu feiern.

Was auch all die in Essen Zukurzgekommenen freuen dürfte, die so doch noch eine Chance bekommen, die wie gewohnt grandios unterhaltsame Show von Timm Beckmann zu erleben. Dessen Erfolgskonzept ist es, klassische Klänge mit attraktivem Musik-Kabarett und aktueller Comedy zu einem unwiderstehlichen Cocktail zu mixen. Der nicht nur für unbändiges Gelächter, sondern stets auch für Erkenntnisgewinn gut ist.

„Robert kam in die Irrenanstalt, Clara auf den Hundertmarkschein“

Denn mit den „Fills“ hat der Liga-Gastgeber ein wunderbares, sechsköpfiges Ensemble von Streichern, Klarinette und Oboe der Essener Philharmoniker an seiner Seite, das genüsslich große Werke der Klassik neu zu servieren pflegt. Diesmal war es Robert Schumanns „Rheinische Symphonie“ in prächtiger Kurzfassung, die Beckmann als Anlass nahm, launig über die Chancen des tragischen Romantikers bei DSDS und dessen Eheprobleme mit der ungleich berühmteren Pianistin Clara Wieck zu parlieren. Mit dem Ergebnis: „Robert kam in die Irrenanstalt, Clara auf den Hundertmarkschein“.

Lars Reichow in Essen: Brexit-Scherze und ein gestöhnter Superhit

Kaum war die Heiterkeit in der Kaue verklungen, blies das famose Saxophonquartett „Sistergold“ mit alten Heulern wie „Bei mir bist Du schön“ und frischem Funk amüsant die Ohren frei für den Stargast des Abends: Lars Reichow. Nach eher müden Brexit-Scherzen blühte der aus Funk und Fernsehen bekannte Musikkabarettist am Flügel förmlich auf und sorgte etwa mit aberwitzig komischen Variationen des gestöhnten Superhits „Je t’aime … moi non plus“ für lautstarkes Gelächter.

Die Essener „Fills“ spielen ein Geburtstagsständchen für Tom Selleck

Umjubelter Abgang, dann gab es „Magnum“ für alle – natürlich von den „Fills“ mit Beckmann am Klavier zum 75. Geburtstag von Tom Selleck. Satt und süffig, so wie später auch „O Fortuna“ von Carl Orff, dessen zweifelhafte Rolle im Dritten Reich der Liga-Chef nutzte, politisch kurz klare Kante zu zeigen. Eher für die Jugend war dann nach einem fein swingenden „Sistergold“-Intermezzo eine hübsch verschwurbelte Portion wortgewaltiger Comedy von Timo Bomelino, über die man herzlich lachen konnte. Bis schließlich im Grande Finale die komplette „Liga der außergewöhnlichen Musiker“ die allgemeine Stimmungslage so auf den Punkt brachte: „Don’t Worry, Be Happy“. Was das begeisterte Publikum nach über drei Stunden, die wie im Fluge vergingen, mit tosendem Applaus quittierte.

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