Auftragsmord

Mordversuch vor 17 Jahren – Mann gesteht "Tötungsauftrag"

Das Essener Landgericht

Das Essener Landgericht

Foto: Bernd Thissen/dpa

Essen/Bottrop.  2001 wurde in Bottrop ein Mann angeschossen. Ein Täter tauchte unter – und machte dann einen fatalen Fehler. Jetzt steht er vor Gericht.

17 Jahre nach dem Mordauftrag muss einer der gedungenen Killer ins Gefängnis. Das Essener Schwurgericht verurteilte am Dienstag den Weißrussen Leanid K. (45) zu fünf Jahren Haft wegen versuchten Mordes. Er hatte gemeinsam mit einem Landsmann am 6. Februar 2001 versucht, einen Mann in Bottrop zu erschießen. Richter Jörg Schmitt: „Das Urteil zeigt, dass die deutsche Justiz einen langen Atem hat. Und einen langen Arm – wie die Festnahme in Russland zeigt.“

Tatsächlich hatte der Angeklagte sich nach den Schüssen, die ihr Ziel verfehlt hatten, nach Weißrussland absetzen und untertauchen können. Später zog er in die Nähe von Moskau, arbeitete als Tätowierer. Doch als er vor einem Jahr eine Flugreise antreten wollte, meldete der Fahndungscomputer ihn als Treffer. Der europäische Haftbefehl, der seine Reise beendete, basierte auf dem Haftbefehl des Bottroper Amtsgerichtes vom 15. Juni 2001. Ein Jahr blieb Leanid K. danach in russischer Auslieferungshaft, weil er sich der Abschiebung nach Deutschland widersetzte.

Haft in Russland wird doppelt angerechnet

Angerechnet wird ihm die Zeit in einem russischen Gefängnis übrigens doppelt auf die aktuelle Strafe. Eindrucksvoll hatte er die Haftbedingungen geschildert. Mal saß er mit 24 Mann in einer Zelle, mal mit 65. Einmal sei auch einer umgebracht worden in der Zelle.

Hintergrund des Mordauftrages ist eine komplizierte Geschichte, die das Schwurgericht nach so langer Zeit kaum mehr komplett hätte aufklären können. Deshalb verdiente sich der Angeklagte durch sein volles Geständnis, das zunächst Verteidiger Hans-Georg Bothe für ihn abgelegt hatte, einen deutlichen Strafrabatt.

Zwei Polen, die damals in Bottrop lebten, sollen die Idee zu einem Versicherungsbetrug gehabt haben, ergaben die Ermittlungen. Auf das spätere Opfer wurde deshalb eine Lebensversicherung über 800.000 DM abgeschlossen, ausgezahlt werden sollte sie im Todesfall an den Freund. Um an das Geld zu kommen, sollte das spätere Opfer, ein heute 45-Jähriger aus Bottrop, seinen Unfalltod in Polen vortäuschen.

Streit zwischen den Täter macht Tat kompliziert

Doch die beiden sollen sich zerstritten haben. Deshalb soll der Freund, der später als Anstifter des Mordauftrages zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, zwei Weißrussen als Killer angeheuert haben. 10.000 DM sollten sie bekommen, damit er das Geld aus der Lebensversicherung kassieren konnte.

Echte Profis hatte er wohl nicht verpflichtet. Richter Schmitt sprach am Dienstag von einer „dilettantischen Tatausführung“. Mit einem alten russischen Armeerevolver wollten sie den Mord begehen. Den Schalldämpfer bastelten sie selbst aus einer Plastikflasche, umwickelt mit Handtuch und Klebeband. Schließlich passten sie das Opfer auf einem Trampelpfad in der Nähe des Bottroper Südrings ab. Aus nächster Nähe trafen sie aber lediglich dessen Arm und sein Ohrläppchen. Dann flüchteten sie.

"Stand beim Auftraggeber wegen Schulden in der Pflicht"

Vor Gericht räumte Leanid K. ein, dass er früh gewusst habe, jemand solle ermordet worden. Er habe aber bei dem Auftraggeber wegen Schulden in der Pflicht gestanden. Außerdem sei er als Dolmetscher verpflichtet worden und habe nicht selbst geschossen. Allerdings stand er neben dem Schützen, räumte er ein.

Die früheren Mittäter, nur der Schütze ist noch flüchtig, gaben vor, sich an Details nicht mehr erinnern zu können. Das frühere Opfer wusste dagegen noch viel, wies allerdings die längst verjährten Betrugsvorwürfe mit der Lebensversicherung zurück. Zum Abschluss seiner Aussage entschuldigte sich der Angeklagte bei ihm. Der Zeuge übersetzte es den Richtern: „Er entschuldigt sich bei mir. Er war damals jung, brauchte das Geld. Und er hat in der Kirche für mich gebetet.“

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