Kult & Curry

Mo’s-Imbiss in Essen-Frohnhausen auf dem Weg zum Szenetreff

Mike Vogel vor seinem Restaurant „Mo's – eat & drink“ in Essen-Frohnhausen. Die Gerichte „Bauch, Beine, Po-Spezial“ werden gerne von Kundinnen bestellt, während „Pott, Punk, Platte“ eher etwas für Männer ist.

Mike Vogel vor seinem Restaurant „Mo's – eat & drink“ in Essen-Frohnhausen. Die Gerichte „Bauch, Beine, Po-Spezial“ werden gerne von Kundinnen bestellt, während „Pott, Punk, Platte“ eher etwas für Männer ist.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  In Essen-Frohnhausen ist eine Imbissbude auf dem Weg zum Kulturtreff. Unter dem Motto „Kult & Curry“ finden Kleinkunst-Veranstaltungen statt.

Kann aus einer normalen Pommes-Bude an der Ecke ein Szeneladen mit Comedy, Punk-Musik und leckeren Speisen werden? Und das auch noch ungeplant und spontan? Wer diese – noch längst nicht abgeschlossene – Verwandlung aus der Nähe beobachten möchte, sollte das „Mo’s eat & drink“ in Frohnhausen beobachten – oder natürlich noch besser – auch gleich besuchen.

Aus dem Schwabenland über Ratingen nach Essen-Frohnhausen

Schon die Adresse Margeretenstraße 73 ist verwirrend. Denn tatsächlich ist der Eingang an der viel befahrenen Kreuzung Martin-Luther-/Kerckhoffstraße zu finden. Hier gab es schon immer etwas flott auf die Gabel, doch als der bis dahin griechische Schnellimbiss im vergangenen Jahr leer stand, griff Mike Vogel entschlossen zu. Das passt zum facettenreichen Lebenslauf des 44-Jährigen: Geboren in Schwaben, zum Koch und staatlich geprüften Hauswirtschafter ausgebildet, arbeitete er zuletzt viele Jahre als Lagerleiter. Bis es aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter ging. Da war auch die Fußballkarriere schon beendet, die ihn als Libero bis in die Verbandsliga und als Trainer auf den Rasenplatz geführt hatte.

Nun also der Imbiss, benannt nach seinem heute 13-jährigen Sohn GeroniMO. „Mein erstes Konzept war einfach eine Imbissbude, mehr nicht“, beteuert Mike Vogel, der täglich aus Ratingen über die Ruhrbrücke nach Essen kommt.

Selbstgemachte Soßen und Shoarma

Doch etwas anders war „Mo’s“ wohl von Beginn an. Einerseits leicht zu erkennen an der Speisekarte. An erster Stelle steht „Shoarma“, ein arabisches Gericht, das in den Niederlanden gerne gegessen wird. „Das hat mir einfach geschmeckt und ist was anderes als Döner“, sagt Mike Vogel. Richtig raffiniert (Achtung: Restaurant-Tipp!) sind hingegen seine Soßen für die Schnitzel, sei es die Curry-, Jäger- oder Knoblauchsauce. „Alles selbst gemacht“, kann er zurecht sagen.

Ins Auge sticht auch sofort die Buchecke (!) vor dem Tresen. „Mir hat nicht gefallen, dass die Leute bei mir im Laden standen und alle nur auf ihr Handy starrten, ohne ein Wort zu sagen“, erzählt Mike Vogel. Als er dann in einem Buchladen preiswerte Fotobände, auch mit Lokalkolorit, und andere lokale Literatur sah, war die Idee geboren. „Nun greifen die Kunden, wenn sie warten, zu den Büchern und unterhalten sich.“

Ins Gespräch kam er auch schnell mit Mitgliedern des Arbeitskreises Bärendelle, die noch immer auf ihr soziokulturelles Zentrum in der ehemaligen Schule wenige Straßen weiter warten. „Das waren witzige Abende mit ihnen, mit wahnwitzigen Ideen“, erinnert sich der Gastgeber ans vergangene Jahr.

Martina Lichter alias Mme LaGroketterie machte den Anfang

Dass daraus mal die Veranstaltungsreihe „Kult & Curry“ würde, ist aber erst Martina Lichter alias Mme LaGroketterie zu verdanken. Sie trat als allererste Künstlerin in der Pommesbude auf – und löste damit eine Welle aus. Dass nämlich ein Imbissbetreiber bereit ist, den Tresen mit Salatbar, den Kühlschrank und die Tische beiseite zu schieben, um Platz für an die 80 Gäste zu schaffen, und dabei statt Schnitzel, Currywurst und Pommes lieber Kultur anzubieten (mit vegetarischem Essen), das sprach sich schnell herum.

„Plötzlich hatte ich Anfragen, ob man nicht mal bei mir auftreten könnte“, berichtet Mike Vogel. Stolz ist er, „dass darunter bereits David Blair war. Das hätte ich nie geglaubt.“ Dieser aus „The Voice of Germany“ bekannte kanadische Sänger gab tatsächlich eins seiner bisher 1000 Konzerte in Frohnhausen und übernachtete zwei Nächte bei einem Mitglied der Bärendelle-Gruppe.

Als nächsten Leckerbissen kann die Imbissbude nun die Essener Punkband „Tisch 17“ und Friedemann Weise servieren. Der Comedian geht demnächst auf Deutschland-Tour und brauchte noch eine Vor-Premiere. Dann werden wieder – mit tatkräftiger Unterstützung der Bärendelle-Freunde – die Möbel beiseite gestellt, und nachher geht der Hut herum. Denn alle Eintritt-frei-Veranstaltungen sind sogenannte Hut-Konzerte – der Erlös ist für den Künstler bestimmt.

Alles geschieht nach dem Pipi-Langstrumpf-Prinzip

Wie es mit „Mo’s“ weiter geht? „Keine Ahnung, wie sich das entwickelt“, sagt Mike Vogel. „Ich mache das hier nach dem Pipi-Langstrumpf-Prinzip, also nur das, worauf ich Lust habe. ,Kult & Curry’ war ja gar nicht geplant.“

Doch er ist entschlossen, sich mit seinem besonderen Imbiss in der besonderen Atmosphäre Frohnhausens durchzubeißen. „Man muss mit den Leuten klar kommen“, sagt Mike Vogel, der offenbar den richtigen Ton und Geschmack trifft. „Als ich gehört habe, dass ich mit meinem Laden in Rüttenscheid besser aufgehoben wäre, da wurde ich richtig sauer. Da gibt es handwerklich gute Läden, aber auch viele Blender. Deshalb werde ich jetzt ein T-Shirt herausgeben mit dem Aufdruck: ,Rüttenscheid kann jeder – Frohnhausen muss man leben!’“ Bald erhältlich im Schnellimbiss auf dem Weg zum Szenetreff.

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