Polizei

Mann rast offenbar absichtlich mit Auto in Essener Bordell

Ein Mann ist mit seinem Auto offenbar absichtlich in den Vorbau eines Essener Bordells gefahren.

Ein Mann ist mit seinem Auto offenbar absichtlich in den Vorbau eines Essener Bordells gefahren.

Foto: Philipp Leske, ANC-NEWS

Essen.   Ein 24-Jähriger ist mit einem Auto in den Vorbau eines Bordells gefahren. Dabei wurde eine 67-Jährige verletzt. Die Kriminalpolizei ermittelt.

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Die Stahlstraße ist die Rotlicht-Meile in Essen. Auf knapp 250 Meter Länge reiht sich in dieser Sackgasse Bordell an Bordell. Der Dienstag nach dem lebhaften Pfingstwochenende beginnt ausgesprochen verhalten. Doch um kurz vor eins reißt ein 24-jähriger Mann das Bordellviertel aus der trügerischen Ruhe. Zeuginnen berichten, dass der in Sachsen-Anhalt gemeldete Mann mit seinem Mondeo offenbar wutentbrannt die leicht abschüssige Straße hinuntergerast und ungebremst in die Glasfront von Haus Nummer 56 gerast sei.

Eine Wahnsinnstat, durch die die 67 Jahre alte Wirtschafterin des Etablissements schwerstverletzt wird. Die Frau ist offenbar in Folge dieser Crashfahrt die 15 Stufen der Kellertreppe hinabgestürzt. „Ob sie direkt vom Unglückswagen oder von herumfliegenden Trümmerteilen erfasst wurde, wird überprüft“, sagt Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Ein Rettungswagen bringt das Opfer ins Krankenhaus.

Polizei „Den Rettungskräften bot sich vor Ort ein Bild der Zerstörung“

Kurz nach dem verheerenden Horrorcrash gehen aus der Stahlstraße zahlreiche Notrufe bei der Leitstelle der Polizei ein. Schon nach wenigen Minuten trifft der erste Streifenwagen am Tatort ein. Im Polizeibericht wird der Tatort so beschrieben: „Den Rettungskräften bot sich vor Ort ein Bild der Zerstörung, der gläserne Vorbau war komplett in sich zusammengefallen, Trümmerteile säumten den umliegenden Bereich und das Fahrzeug wies massive Schäden im Frontbereich aus.“

Und der Tatverdächtige? Dieser hat nach dem Unfall wohl noch den Rückwärtsgang eingelegt, um den Wagen nach ein paar Metern mitten auf der Straße abzustellen. Eine Zeugin: „Er ist dann ausgestiegen und als die Polizei eintraf, ließ er sich widerstandslos festnehmen.“ Offenbar hat der Mann den Unfall ohne sichtbare Verletzungen überstanden.

Während die alarmierte Mordbereitschaft der Polizei die Ermittlungen aufnimmt, verbreiten sich in den Häusern Gerüchte über das mögliche Tatmotiv. Eine junge Landsfrau des Crashfahrers, die in einem der Nachbarhäuser anschafft, berichtet von einem Beziehungsdrama: „Er war aufgeregt und wollte seine Freundin , die ihn wohl verlassen hat, zur Rede stellen.“ Aber mehrere Frauen aus dem Haus Nummer 56 hätten ihm resolut den Zutritt verweigert.

Eine weitere Zeugin will gesehen haben, dass der 24-Jährige vor dem Unfall „dreimal die Straße rauf und runter gefahren“ sei. Ein ziemlich ungewöhnliches Verhalten. Kenner des Milieus wissen, dass die Rotlichtmeile von Besuchern normalerweise gar nicht mit dem Auto befahren wird. Die Landsfrau des Tatverdächtigen berichtet weiter, dass der 24-Jährige die Horrorfahrt im Haus 56 sogar angekündigt habe und die Frauen warnen wollte. „Er war stark angetrunken und völlig durchgedreht“, sagt sie. Die Polizei will nicht ausschließen, dass Alkohol oder Drogen bei dem Verbrechen im Spiel waren. „Wir gehen diesem Verdacht nach“, sagt der Polizeisprecher.

Kriminalpolizei und Spezialisten des Landeskriminalamtes sind im Einsatz

Noch Stunden nach der Tat flattert das rot-weiße Polizeiabsperrband im Wind. Ständig fahren neue Streifenwagen vor, auch die Kriminalpolizei und Spezialisten des Landeskriminalamtes sind im Einsatz. Letztere rollen mit einem Kastenwagen vor und fahren einen Kameramast aus. Ihre aufwändige Tatortvermessung soll auch klären, mit welchem Tempo der Tatverdächtige in das Bordell gerast ist. Mögliche Freier werden durch das ungewöhnliche Polizeiaufgebot in der Stahlstraße abgeschreckt, Bikinifrauen sitzen untätig in den so genannten Koberräumen.

Eine ältere Wirtschafterin am Anfang der Straße kämpft unterdessen mit den Tränen. „Ich kenne meine verunglückte Kollegin gut und hoffe, dass sie überlebt.“

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