Literatur-Festival

Lit.Ruhr startet in Essen mit Donna Leon und Nick Hornby

Nick Hornby kommt am 5. Oktober ins Ruhrgebiet. Bei der Lit.Ruhr trifft er auf Joachim Król, der aus seinem Werk liest.

Foto: imago stock&people

Nick Hornby kommt am 5. Oktober ins Ruhrgebiet. Bei der Lit.Ruhr trifft er auf Joachim Król, der aus seinem Werk liest. Foto: imago stock&people

Essen.   Ableger der Lit.Cologne bringt Donna Leon und Nick Hornby ins Ruhrgebiet. 82 Lesungen an fünf Tagen. Zeche Zollverein ist Festival-Zentrum.

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Dass die Zeche Zollverein ein Touristenmagnet ist, Symbol des Strukturwandels und längst auch Schauplatz für besondere Kulturereignisse, das hat sich herumgesprochen. In diesem Herbst nun wird das Welterbe erstmals auch Zentrum eines großen Lesefestes. Die Lit.Ruhr feiert ihre Premiere im Ruhrgebiet und macht Essen und die Zeche Zollverein zur Festivalzentrale. Vom 4. bis 8. Oktober werden vor allem hier - aber auch in der Stadtbibliothek, im Museum Folkwang, der Villa Hügel und der Messe Essen - Literatur-Stars wie Donna Leon und Nick Hornby, Martin Suter und Martin Walker, Zadie Smith und Ulla Hahn auftreten. Schauspieler wie Senta Berger und Nina Kunzendorf, Corinna Harfouch und Joachim Król sorgen für Lesungen mit Promi-Faktor.

Dass die Lit.Ruhr ins Ruhrgebiet kommt, daran hat Anneliese Rauhut, Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein und seit langem ein Fan der lit.Cologne, einen nicht unwesentlichen Anteil. „Ich war immer traurig, wenn ich wieder keine Karten bekommen habe.“ Irgendwann hat sie dann Traudl Bünger getroffen, die künstlerische Leiterin der Lit.Cologne, und für die Idee geworben, ein Festival wie die Lit.Cologne auch ins Ruhrgebiet zu holen. Viele Gespräche und etliche Sponsoren-Verhandlungen später ist aus der rein zufälligen Begegnung beider Frauen die Lit.Ruhr geworden, der erste Ableger des Kölner Mammutlesefestes, das bekanntermaßen schon seit längerem expandieren will und dafür ideelle, aber vor allem auch starke finanzielle Partner sucht.

Beim Essener Kulturdezernenten Andreas Bomheuer habe man dabei ebenso viel Zuspruch gefunden, berichtet Rauhut, wie bei den großen Essener Stiftungen – Krupp, Brost, RAG, Innogy und Mercator – , die nun gemeinsam den stattlichen Festivaletat von rund 500 000 Euro tragen. Besonders glücklich ist die promovierte Ärztin über die vielen Angebote für Jugendliche und Kinder, die Neuerscheinungen und Klassiker präsentieren, beispielsweise „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf Arabisch. Die „Klasse-Buch“-Reihe wendet sich zudem an alle Schulen der Region, die sich für die Lesungen mit Kirsten Fuchs oder Arne Rautenberg bewerben können. (Hier geht’s zur Anmeldung: https://www.lit.ruhr/de/weitere-inhalte/anmeldung-fuer-klassebuch. „Kulturelle Teilhabe für alle, so steht es in unsere Satzung“, sagt die Vorsitzende der Zollverein-Förderer.

„Hier ist noch Platz für Literatur“, findet die 62-Jährige. Rauhut weiß, dass es in Essen seit Jahrzehnten renommierte Lesereihen und eine hoch engagierte Literatur-Szene gibt, die sich mit Fug darüber gewundert hat, im Vorfeld nicht in die Festival-Vorbereitungen eingebunden worden zu sein. Manches sei jedoch „zu versteckt und relativ weit weg von den Menschen“, findet Rauhut. Ein Lesefest wie Lit.Ruhr sei eine „gute Mischung aus Anspruch und Unterhaltung“, eine große Bühne, auf der Fußball und Musik genauso Platz haben wie Tolstoi und Tucholsky. „Man muss die Hemmschwellen niedriger legen“, meint Rauhut.

„Eine gute Mischung aus Anspruch und Unterhaltung“

Das dürfte gelingen, wenn Ulrich Noethen und Cordula Stratmann auf Zollverein Leben und Werk von Heinrich Heine entdecken (8. 10., Halle 5) oder Brunetti-Schöpferin Donna Leon fast zeitgleich in Halle 12 den 26. Fall ihres venezianischen Commissarios „Stille Wasser“ vorstellt. Man muss sich schon entscheiden, wenn an fünf Tagen über 80 Veranstaltungen auf dem Programm stehen. Gelesen wird zwar auch in Duisburg, Dortmund und Bochum. Essen aber bleibt der Ankerort, hier findet auch am 4. Oktober die feierliche Eröffnung in der Philharmonie statt. Während Iris Berben und Christoph Maria Herbst dort mit Tolstoi und Tucholsky über die Ehe sinnieren, begleitet von Max Mutzke, präsentiert Business-Class-Chronist Martin Suter fast zeitgleich sein Weltbestseller-Werk auf Zollverein.

Fast sämtliche Hallen werden dort bespielt, vom Salzlager der Kokerei bis zu den Hallen 2, 5 und 12, und sollen für Festival-Atmosphäre sorgen. Kult-Autor Nick Hornby und Joachim Król werden dort nicht nur ihre Leidenschaft für Fußball teilen (5. 10.), während Kraftwerk-Komponist Karl Bartos über den „Klang der Maschinen“ berichtet (6.10). Senta Berger wird mit Elena Ferrante und ihrer neapolitanischen Frauenfreundschafts-Saga auftreten (6.10.), während sich Hannelore Hoger und Richy Müller auf ihrer literarischen Expedition in die Welt des Fetischismus begeben (7.10.).

In der Stadtbibliothek Essen ist Robert Menasse zu Gast (6. 10.), Filmemacher und Autor Alexander Kluge trifft den Künstler Georg Baselitz im Museum Folkwang mit „weltveränderndem Zorn“ (7. Oktober), in der Villa Hügel geht es um polnische Literatur der Gegenwart (7. 10.). Als Vorleseort eher ungewohnt, aber nicht besonders ungewöhnlich: In der Messe Essen blickt Ranga Yogeshwar am 7. 10. auf „die Welt im Wandel“.

Tickets für die Lit.Ruhr gibt es in den Leserläden von WAZ, NRZ und Westfalenpost, unter 0211-274 000 und im Netz unter www.ruhrticket.de sowie unter www.lit.ruhr.

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