Rechtsstreit

Kettwiger Förderverein enthebt Schatzmeister seines Amtes

Die Stadtteilbibliothek in Kettwig wird seit vielen Jahren durch den Förderkreis unterstützt. Er sammelt Spenden und kauft davon Bücher und andere Medien. Momentan hat der Verein jedoch andere Sorgen.

Die Stadtteilbibliothek in Kettwig wird seit vielen Jahren durch den Förderkreis unterstützt. Er sammelt Spenden und kauft davon Bücher und andere Medien. Momentan hat der Verein jedoch andere Sorgen.

Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services

Essen-Kettwig.  Im Streit zwischen dem Förderkreis der Stadtteilbücherei Kettwig und dessen Schatzmeister ist eine erste Entscheidung gefallen.

Im Streit zwischen dem Förderkreis der Stadtteilbücherei Kettwig und dessen Schatzmeister ist eine erste – vereinsinterne – Entscheidung gefallen: Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde er per Mehrheitsbeschluss in geheimer Wahl seines Amtes enthoben.

Insgesamt 39 Mitglieder waren der Einladung des Förderkreis-Vorsitzenden Dierk Lamm in den Rathaussaal 2 gefolgt. Auf der Tagesordnung der nicht-öffentlichen Versammlung stand nur ein einziger Tagesordnungspunkt: der Ausschluss des Schatzmeisters als Vorstandsmitglied.

Der Vorstand hatte im Vorfeld eine Tischvorlage formuliert und darin die Ereignisse der vergangenen Monate zusammengefasst: Wie berichtet, hatte sich Schatzmeister Schatzmeister im April und Mai 2000 Euro des Vereinsvermögens ohne vorherige Information des Vorstandes angeeignet. Dies ist belegt, hatte er doch selbst dem Verein per E-Mail mitgeteilt, das Geld auf seinem Privatkonto „gesichert“ zu haben. Die Transaktion wird durch Kontoauszüge belegt. Im Kern drehte es sich dabei um eine Spende, die der Verein bereits im Jahr 2017 erhalten hatte – nicht zuletzt durch das Engagement des Schatzmeisters.

Emotionale Diskussion

In Folge dessen hatte der Verein den Schatzmeister aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen und ihn wiederholt zur Rückzahlung des Geldes aufgefordert, wie Vorsitzender Lamm bestätigt. Alsbald entbrannte ein Rechtsstreit, bei dem der Schatzmeister auch gegen die Gültigkeit der Einladung zur Mitgliederversammlung vor. Dies wurde, so bestätigt das Amtsgericht Essen, abgelehnt. Nach der Berufung landete die Sache beim Landgericht. Da sich beide Parteien bislang nicht einigen konnten, erstattete der Verein zudem Strafanzeige wegen Untreue bei der Staatsanwaltschaft.

Die Lage vor der Versammlung war also gespannt. Aus dem Sitzungsprotokoll des Vereins, das dieser Zeitung vorliegt, geht hervor, dass der Schatzmeister auf die erhobenen Vorwürfe nicht eingegangen sei. Er habe vielmehr auf seine zweijährige Amtszeit verwiesen und seine damit verbundene Vermittlung von Spenden. In einer „fast einstündigen Diskussion“, so heißt es weiter, hätten zahlreiche Mitglieder die Frage gestellt, wo das abgebuchte Geld geblieben sei. „Das habe ich sicher in Verwahrung“, wird der Schatzmeister im Protokoll zitiert. Als Beweggrund, warum er das Geld bislang nicht zurückgezahlt habe, soll er „Undank dem Spender gegenüber ins Feld geführt haben. Und weiter: „Ich werde das Geld für Gerichts- und Anwaltskosten brauchen.“

Mahnbescheid des Vereins

Laut Dierk Lamm sei dies von mehreren Mitgliedern mit Empörung und mit dem Vorwurf „vereinsschädigenden Verhaltens“ quittiert worden. Die Abstimmung brachte ein klares Ergebnis: Mit 36:1 Stimmen sprachen sich die stimmberechtigten Mitglieder für den Ausschluss des Schatzmeisters aus dem Vorstand aus. „Dieser Beschluss geht ihm per Einschreiben umgehend zu“, erklärt Vorsitzender Dierk Lamm. Bereits am Folgetag trat der Vorstand erneut zusammen und beschloss, den Schatzmeister aus dem Verein auszuschließen. Der Betroffene war auf Anraten seines Anwalts zu keiner Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung bereit.

Anders Birgit Dransfeld, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins: „In der Versammlung haben viele ihre Wertschätzung gegenüber der Stadtteilbibliothek und ihres Förderkreises zum Ausdruck gebracht. Das war Balsam für die strapazierten Vorstandsmitglieder, die sich seit Wochen nur mit Fragen nach den ,Rechten des Schatzmeisters’ befassen mussten. Vielleicht neigt sich diese Auseinandersetzung jetzt dem Ende zu.“ Jedoch nicht, ohne anzufügen: „Dass das Thema Wiederbeschaffung des verschwundenen Vereinsvermögens damit auch vom Tisch ist, bezweifele ich.“

Der Förderkreis jedenfalls, so erklärt Vorsitzender Dierk Lamm, wird seine Ansprüche per Mahnbescheid gegen seinen früheren Schatzmeister geltend machen.

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