Straßenbeleuchtung

Anwohner sitzen schlagartig im Dunkeln

Anwohnerin Gaby Bierschenk vor einer defekten Strassenlaterne am 13. August 2019 am Kückelmanns Busch 25 in Essen-Fischlaken. Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Anwohnerin Gaby Bierschenk vor einer defekten Strassenlaterne am 13. August 2019 am Kückelmanns Busch 25 in Essen-Fischlaken. Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Fischlaken.  Ein Sturm riss im Mai eine Straßenlaterne am Kückelmanns Busch um – die ganze Anlage fiel aus. Die Stadt tut sich mit der Instandsetzung schwer.

Die Anwohner im Kückelmanns Busch in Essen-Fischlaken tappen sprichwörtlich im Dunkeln. Seit Ende Mai ein Sturm die Straßenbeleuchtung außer Betrieb setzte, warten Gaby (67) und Helmut (63) Bierschenk sowie ihre rund 100 Nachbarn auf Hilfe der Stadt. Doch die Reparatur lässt auf sich warten und wird möglicherweise sogar ganz ausbleiben.

Der Kückelmanns Busch liegt inmitten der Felder und Wälder Fischlakens an der Maasstraße. Das Leben dort ist zweifelsohne beschaulich. In den vereinzelten Einfamilienhäusern, die sich entlang der kleinen Straße reihen, wohnen die Menschen zum Teil schon sehr lange, wenn auch vor etwa sechs Jahren der letzte Nachbar zuzog. Auch die Bierschenks leben dort schon seit gut und gerne 40 Jahren. „Und eine Straßenbeleuchtung hat es hier schon immer gegeben, seit ich denken kann“, erklärt Gaby Bierschenk.

Ein Sturm im Mai des Jahres riss eine der acht Straßenlaternen um

Seit dem Sturm Ende Mai dieses Jahres ist alles anders: Einer der ohnehin morschen Holzlaternen fiel um. Seitdem leuchten auch die übrigen verbliebenen sieben Lichtmasten nicht mehr. Mit fatalen Folgen, denn Kückelmanns Busch ist ob seiner Lage so mitten im Grünen recht abschüssig und befindet sich generell in einem ziemlich schlechten Zustand. „Wir haben hier sehr viele Schlaglöcher“, klagt Gaby Bierschenk. „Nicht auszudenken, wenn hier jemand im Dunkeln in ein solches Loch tritt und sich verletzen sollte.“

Viele Anwohner leben schon seit Jahrzehnten am Kückelmanns Busch in Fischlaken

In ihrer Not wandte sich die Seniorin an das zuständige Amt für Bauausführung und Unterhaltung von Straßenbeleuchtungen. „Dort erklärte man mir, dass die Stadt die Lichtmasten wohl nicht erneuern wolle, weil es sich beim Kückelmanns Busch um eine Privatstraße handelt.“ Gaby Bierschenk versteht die Welt nicht mehr: „Wie kann es sein, dass etwas, das Jahrzehnte lang Bestand hatte, plötzlich nicht mehr gilt?“ Die Ländereien in Fischlaken würden schon seit Generationen verkauft oder verpachtet. Anwohner genießen sozusagen ein Wegerecht. „Aber es hat nie jemand in Frage gestellt, ob die Straßenlaternen dort hingehören oder nicht“, sagt Gaby Bierschenk.

Die Straße ist eine Privatstraße

Stadtsprecherin Jasmin Trilling dazu: „Dem Amt für Straßen und Verkehr ist der Fall bekannt. Die dortigen Holzmasten und Straßenbeleuchtung mit Freileitungen wurden vor Jahrzehnten von der Stadt installiert.“ Der umgekippte Mast sei im Mai 2019 entfernt worden. Allerdings wurde die Beleuchtung seitdem nicht durch die Stadt repariert. „Das liegt daran, dass die Straße nicht im Eigentum der Stadt liegt und auch nicht als Straße gewidmet ist“, erklärt Jasmin Trilling.

Die Beleuchtung ist also vor Jahrzehnten dort ohne Rechtsgrundlage installiert worden. Warum, könne von Seiten der Stadt heute nicht mehr ermittelt werden. Fakt ist: Seitdem der Fall im Mai überprüft und festgestellt wurde, dass es sich um eine Privatstraße handelt, kann die Stadt die Beleuchtung nicht weiter betreiben. „Immerhin handelt es sich hier um einen Privatweg“, so Jasmin Trilling. „Die Stadt ist hier nicht zuständig für die Verkehrssicherung. Hier gilt kein Gewohnheitsrecht.“

Niemand weiß, warum die Straßenlaternen gesetzt wurden

Warum die Erlaubnis plötzlich entzogen werden sollte, nur weil nun die Straßenbeleuchtung ausfiel, geht Gaby Bierschenk nicht in den Kopf. Sie vermutet, dass die Stadt wohl eher Geld sparen will. „Die Holzmasten haben im Laufe der vielen Jahren stark gelitten, einige sind morsch. Nicht umsonst hat einer von ihnen den Sturm nicht überlebt. Mit einer Reparatur allein wird es hier nicht getan sein.“

Die Stadt versucht nun herauszufinden, wen man ansprechen müsste, um die Beleuchtung abzutreten. Ist dies geklärt, würde die Stadt die Beleuchtung einmalig reparieren, unter der Bedingung, dass die gesamte Anlage vom Eigentümer der Straße – kostenfrei – übernommen wird. Der Eigentümer müsse dann zukünftig dafür sorgen, dass die Beleuchtung funktioniert und betrieben wird. „Wollen die Eigentümer die Anlage nicht übernehmen, wird die Stadt sie demontieren lassen“, kündigt Jasmin Trilling an.

Im Moment behelfen sich die Anwohner selbst. „Viele Hauseigentümer haben im Vorgarten eine eigene kleine Laterne stehen, sonst sähe man hier die Hand vor Augen nicht“, erklärt Gaby Bierschenk. Was nicht heißen soll, dass die Straßenbeleuchtung nicht notwendig sei. „Diese Laternen an den Häusern beleuchten bestenfalls die Zugänge, nicht aber die Straße.“ Und weiter: „Jetzt haben wir Sommer, doch im Winter wird das hier bei uns ganz schnell und früh abenteuerlich.“

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