Pact Zollverein

Kämpfende Tänzer bringen Vielfalt nach Zollverein

Internationale Urban Dance-Talente treten im Pact Zollverein gegeneinander an.

Internationale Urban Dance-Talente treten im Pact Zollverein gegeneinander an.

Foto: Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Queer und international: Beim „International Summer Battle“ präsentieren die Künstler im Pact Zollverein extravagante Performances.

Sein Gepäck liegt auf der Bühne: Trillerpfeife, Mini-Ventilator oder eine schicke Sonnenpappbrille. Der Tänzer Nilsi schüttelt diese Gegenstände aus seinen zwei Jutebeuteln und verteilt sie. Ans Publikum oder an die Jury. Angekündigt ist der Künstler mit seinem vollen Namen: „Nilsipilsi Hä*Wie!?“ Und sein Auftritt gebärdet sich mindestens genauso extravagant: mit einem Outfit, als wäre er gerade aus einem Baumhaus im Hambacher Forst gekrochen, trägt er einen kleinen Ast auf die Bühne. Diesen Stock lässt er vom Publikum werfen, um auf der Bühne einen tanzenden Vierbeiner zu geben.

Auch Moondance-Tanzschritte sind zu sehen

Dieser Auftritt in der Tanz-Sparte „Experimental“ zeigt, wie performativ und interaktiv Urban Dance sein kann. Gleich 16 Künstler legten beim International Summer Battle im Pact Zollverein zu wummernden Beats akrobatische wie gewagte Choreographien hin. Das Prinzip: Jeweils zwei Tänzer schwingen in sogenannten „Battles“, also Kämpfen, ihre Körper, die Jury stimmt über den Sieger ab. In vier unterschiedlichen Disziplinen zeigten die Teilnehmer, was sie auf der Tanzfläche drauf haben. Etwa im Bereich des „Popping“, in dem Motive aus dem Breakdance oder Moonwalk-Tanzschritte miteinfließen.

Die Teilnehmer kommen an diesem Samstagabend aus unterschiedlichen Ländern, darunter Red Pop aus Italien oder Eirini Dam aus Griechenland. Ebenso international ist die vierköpfige Jury, die auf den Sofas kauert, um bei den spektakulären „Battles“ mitzufiebern. Oder sich wie Daniel Taetvremya aus Russland lässig mit Sonnenbrille in die Polstergarnitur fallen zu lassen. Als vor dem Finale auch die vier „Judges“ auf der Bühne demonstrieren dürfen, wie sie sich zu den Beats aus dem Plattenteller bewegen können, legt Taetvremya die wohl spektakulärste Show des Abend hin, mit Pirouetten auf einer Hand oder eleganten Verrenkungen.

Bewusst vor einem Fotografen gewirbelt

Was der coole Russe vormacht, inszenieren auch die Teilnehmer: Extravaganz und Performance. Diego aus Spanien erscheint etwa ganz in weiß, nur Früchte zieren das Hemd. Dass er später bewusst vor einem Fotografen wirbelt oder sich auf dem Sofa an die Jury schmiegt, trägt wohl zu seinem Finaleinzug im „Waacking“ bei. Diese Disziplin hat ihre Wurzeln in der Disco-Szene der LGBT-Bewegung. Und wie lebendig dieses queere Selbstverständnis im Urban Dance ist, zelebrieren die Künstler auch an diesem Abend: Vielfalt als sinnliche, als körperbetonte Angelegenheit. Das untermauert auch Moderator Engin, von Pottporus, Verein für urbanen Tanz und Mitveranstalter: „Dieses ganze Diversitäts-Gelaber wird hier gelebt.“

Ebenso unbekümmert geht es nach dem Finale weiter: Als die Bühne für das Publikum freigegeben wird, verwandelt sich das Pact Zollverein am späten Abend in eine große Tanzfläche.

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