Rüttenscheider Brücke

Investor an der Rüttenscheider Brücke soll niedriger bauen

So soll die Bebauung an der Rüttenscheider Brücke aussehen. Links ist das Girardethaus zu sehen.

So soll die Bebauung an der Rüttenscheider Brücke aussehen. Links ist das Girardethaus zu sehen.

Foto: Foto: Visualisierung: HPP Architekten

Rüttenscheid.  SPD und CDU wollen den Weg frei machen für eine Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs in Rüttenscheid. Vom Investor fordern sie aber Abstriche.

Das Bauvorhaben der Hopf Immobilien-Entwicklungsgesellschaft (IEG) an der Rüttenscheider Brücke ist ebenso ambitioniert wie umstritten. Nun will die Politik den Weg dafür frei machen. „Wir wollen es auf die Reise bringen“, kündigt Thomas Rotter (SPD), Vorsitzender des Ratsausschusses für Stadtplanung und Bauordnung an. Rotter weiß sich darin einig mit Uwe Kutzner, dem planungspolitischen Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Wenn der Ratsausschuss am Donnerstag also über die Aufstellung eines Bebauungsplanes für die 0,8 Hektar große Freifläche zwischen Girardethaus und Wittekindstraße abstimmt, wird die Ratsmehrheit hinter dem Projekt stehen. Immobilieninvestor Hopf wird jedoch Abstriche machen müssen, will er in etwa zwei Jahren bauen.

„Wir wollen es niedriger haben“, sagt Thomas Rotter zur geplanten Bauhöhe. Sieben Geschosse, die der Bebauungsplan-Entwurf vorsieht, könne man sich allenfalls für das erste Gebäude an der Rüttenscheider Brücke vorstellen. Die weiteren Gebäude könnten terrassenförmig nach hinten abfallen, meint CDU-Ratsherr Uwe Kutzner. Das vom Investor mit der Planung beauftragte Büro HPP Architekten werde sicher „eine intelligente Lösung finden“, ist sich Kutzner sicher.

Anwohner der Wittekindstraße könnten sich mit maximal vier Geschossen anfreunden

Die Hopf IEG möchte auf der Freifläche vier Gebäude errichten – mit jeweils sechs Geschossen und einem weiteren Staffelgeschoss. Auf einer Gesamtfläche von 15.500 Quadratmetern sollen Wohnungen entstehen. 6000 Quadratmeter sind für Geschäfte und Büros vorgesehen. Anwohner empfinden dies als zu wuchtig. Allenfalls über vier Geschosse könne man reden; so hatte es Klaus Wermker, ehemaliger Leiter des Büros Stadtentwicklung der Stadt Essen, bereits im vergangenen Jahr anlässlich eines Treffens von Anwohner der Wittekindstraße formuliert. Die Politik kommt den Wünschen der Nachbarn entgegen. Ob es am Ende tatsächlich vier Geschosse werden, wird man sehen. Klaus Wermker kommentiert die Forderung der Politik so: „Erst einmal sind es nur Worte.“

Klärungsbedarf sehen SPD und CDU aber nicht nur bei der Gebäudehöhe. Nördlich der geplanten Bebauung soll die Erschließungsstraße zum Parkplatz der Messe Essen verlaufen. Unmittelbar daneben der Gruga-Radweg. Um das Höhenniveau zur Rüttenscheider Straße von sechs Metern zu überbrücken, soll die Bebauung auf Tiefgaragen fußen. An der Rüttenscheider Brücke entstünde so ein neuer Platz. Erschließungsstraße und Radweg verliefen auf dem Niveau der Tiefgarage teils überdacht. Es sei sicherzustellen, dass keine „Angsträume“ entstehen, betont SPD-Ratsherr Thomas Rotter.

Damit Radfahrer auf der Gruga-Trasse erst gar nicht den Eindruck gewinnen, sie führen durch eine Tunnelröhre, sind nach oben so genannte Lichtöffnungen geplant. Diese müssten groß genug sein.

Dächer werden begrünt, aber an der Wittekindstraße müssen Bäume weichen

Die Aufstellung des Bebauungsplanes soll in einem „beschleunigten Verfahren“ über die Bühne gebracht werden. Da es sich um eine Innenraumentwicklung handelt, lässt das Baugesetzbuch ein solches Verfahren zu. Eine Umweltprüfung wird somit nicht durchgeführt, ein Klimagutachten wird gleichwohl erstellt, heißt es in der Planungsverwaltung. Die Pläne des Investors sehen sowohl eine Begrünung der Dächer als auch der Fassaden vor. Anwohner Klaus Wermker verweist auf die Bäume entlang der Wittekindstraße mit ihren Schatten spendenden Baumkronen. Sie sollen, mit Ausnahme eines Naturdenkmales, für das Bauvorhaben weichen.

Klaus Wermker ist enttäuscht, auch mit Blick auf die geplante Bürgerbeteiligung. Die Stadt belässt es bei dem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit. Das heißt: Die Pläne werden zur Einsicht ausgelegt, die Stadt lädt zu einer Bürgerversammlung ein. Klaus Wermker hätte sich eine „Planwerkstatt“ gewünscht, in der sich Anwohner und Investor frühzeitig an einen Tisch setzen, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Dies sei offenbar nicht erwünscht. „Wir haben den Eindruck“, sagt Wermker und spricht für die Nachbarschaft, „hier wird einem Investor gefolgt und nicht den Wünschen der Bürger“.

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