Pfarrentwicklungsprozess

Initiative kämpft weiter gegen Abriss von St. Antonius Abbas

Mit dieser Illumination demonstrierte Martin Lenze aus Schönebeck im vergangenen Jahr für den Erhalt der Kirche St. Antonius.

Mit dieser Illumination demonstrierte Martin Lenze aus Schönebeck im vergangenen Jahr für den Erhalt der Kirche St. Antonius.

Foto: SAa

Essen-Schönebeck.  2108 kochten die Emotionen in Schönebeck hoch, als der Abriss der Kirche St. Antonius Abbas feststand. Der Kampf für ihren Erhalt geht weiter.

Ruhig ist es im innerkirchlichen Konflikt um die Zukunft der Kirche St. Antonius Abbas geworden. Noch im Frühjahr letzten Jahres kochten die Emotionen hoch, weil sich die Schönebecker Katholiken gegen den geplanten Abriss ihrer Kirche stemmten. Diesen sieht der Pfarreientwicklungsprozess vor, der St. Josef in Frintrop als Hauptkirche der Pfarrei bestimmt, aber in den nächsten Jahren den Verzicht auf St. Paulus in Gerschede und eben St. Antonius Abbas vorsieht. Doch die Ruhe ist möglicherweise trügerisch.

Ziel ist eine „Vollversammlung der Bedrohten“

Auf lange Sicht sollen nur 91 von insgesamt 262 Kirchen im Bistum erhalten bleiben. Das will der Initiativkreis Unsere-Kirche-2030 aus Mülheim nicht hinnehmen. Er zählt sieben Mitglieder aus Mülheim, Duisburg, Bottrop und auch Essen-Schönebeck. „Unser Ziel ist es, alle Gemeinden, die das gleiche Problem haben, an einen Tisch zu bekommen, so als ,Vollversammlung der Bedrohten’“, erläutert Hans-Dieter Wollenberg (77). Er koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit von St. Antonius Abbas.

Der ehemalige Journalist arbeitet jetzt eng mit Hubert Kauker (68) aus Mülheim-Saarn zusammen. Der frühere IT-Experte hat die Initiative „Unsere Kirche 2030“ ins Leben gerufen, die besonders die wirtschaftliche Situation der Pfarreien öffentlich machen möchte. „Transparenz in dieser Frage wäre ein großer Traum“, sagt er. Doch über die Haushalte der Pfarreien, die in diesen Wochen für das kommende Jahr aufgestellt werden, liege „ein Mantel des Schweigens“. Hans-Dieter Wollenberg: „Unser Sachausschuss Finanzen befasst sich mit dem Haushalt von St. Josef, aber der Kirchenvorstand, in dem auch unsere Mitglieder sitzen, ist zum Schweigen verurteilt.“

Frage nach den Finanzen werde nicht beantwortet

So wisse man in St. Antonius Abbas nicht, wie viel Geld konkret nach Schönebeck fließt. Dabei sei die Zusammenarbeit inzwischen gut, es sei ein „ganz starkes Bemühen“ in St. Josef zu spüren, doch in Schönebeck möchte man zu gerne erfahren, welche Liegenschaften, Wertpapieranlagen und Immobilien die Pfarrei besitzt und wie sie genutzt werden.

Gemeindebus gehörte plötzlich nicht mehr der Gemeinde

Wie undurchsichtig die Besitzverhältnisse auch im Detail sind, macht Hans-Dieter Wollenberg am Beispiel des alten Gemeindebusses deutlich. Erst als dieser einen kleinen Unfall hatte und die Reparatur anstand, stellte sich heraus, dass das Fahrzeug inzwischen nicht mehr der Gemeinde, sondern der Pfarrei St. Josef gehört. „Wir haben ihn dann für einen Euro zurückgekauft“, erzählt Hans-Dieter Wollenberg. Mittlerweile habe der Förderverein für den Kauf eines neuen Busses gesorgt.

Online-Petition gegen Ausverkauf der Kirchen

Die Mitglieder des Initiativkreises Unsere-Kirche-2030 haben nun eine Online-Petition aufgesetzt und sammeln Unterschriften (bisher rund 513) für ihr Motto „Kein Ausverkauf von Kirchen im Bistum Essen!“. Ihr Ziel: „Wir wollen den Entwicklungsprozess jetzt stoppen, bevor irgendwann Verkaufsverhandlungen über Kirchen geführt werden. Wir fordern eine Zeit der Besinnung, in der die wirtschaftlichen Aspekte erneut geprüft werden“, sagt Hubert Kauker.

Bistum möchte, dass die Pläne nun möglichst umgesetzt werden

Den Prozess nun zu stoppen, hält man im Bistum aber nicht für sinnvoll. „Es ist lobenswert, dass sich eine private Initiative für die Zukunft unserer Kirchen einsetzt. Es ist schon eine große Zahl an Kirchen, die aufgegeben werden soll“, sagt Ulrich Lota, Bistumssprecher.

„Meine Hochachtung gilt den vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in den Gemeinden zweieinhalb Jahre intensiv Gedanken gemacht haben, auch über Wirtschaftliches. Da mussten schmerzhafte Dinge formuliert werden.“ Schnellschüsse habe es nicht gegeben. „Da ist gerungen worden, nach bestem Wissen und Gewissen – stets mit der Maßgabe: Wie können wir vor Ort Kirche bleiben.“ Jetzt alles anhalten, alles nochmal überdenken? „Nein, das halte ich nicht für sinnvoll. Irgendwann sind Entscheidungen gefallen, mit dem Ergebnis können viele leben. Und die Pläne sollten jetzt auch umgesetzt werden. Manches wird sich umsetzen lassen, manches nicht. Das wird man sehen.“

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