Energieberatung

Hohe Energiepreise: Energiesparservice hilft 10.000 Essenern

Einsatz einer anschaltbaren Steckerleiste: Mit einfachen Mitteln können Haushalte Strom sparen.

Einsatz einer anschaltbaren Steckerleiste: Mit einfachen Mitteln können Haushalte Strom sparen.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Essen.  Die hohe Stromrechnung stürzt ärmere Haushalte oft in finanzielle Nöte. Um keine Sperre zu riskieren, hilft in Essen der Energiesparservice.

Steigende Heizkosten, teures Wasser und galoppierende Strompreise: Die wachsenden Ausgaben für Energie bringen besonders einkommensschwache Haushalte finanziell immer mehr an Grenzen. Eine Erfahrung, die auch die Neue Arbeit der Diakonie in Essen macht. „Gerade wenn die Abrechnungen der Versorger kommen,wenden sich die Menschen in ihrer Not an unseren Energiesparservice“, sagt Projektleiterin Katharina Kellermann.

Der Energiesparservice der Neuen Arbeit der Diakonie wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Das Angebot hat sich in der Stadt mittlerweile herumgesprochen. Meist nämlich werden die Energiesparhelfer weiterempfohlen. Seit Gründung haben sie 10.000 private Haushalte in der Stadt dabei unterstützt, weniger Strom, Wasser und Gas zu verbrauchen. Im Schnitt kommen nach der Beratung 120 Euro Ersparnis im Jahr zusammen. „Das ist gerade für Transferhaushalte, wo jeder Euro entscheidend ist, viel Geld“, sagt Katharina Kellermann. Die Neue Arbeit der Diakonie hilft somit auch, Energieschulden zu vermeiden. Im schlimmsten Fall können diese sonst zu Sperren seitens des Energieversorgers führen. Deshalb kooperiert die Neue Arbeit der Diakonie auch mit Innogy - dem Stromgrundversorger in der Stadt.

Energiesparservice gibt 70 Euro pro Haushalt für neue Energie-Technik aus

Die Hilfen für die Haushalte können ganz unterschiedlich sein und werden von den Energiesparhelfern bei Vor-Ort-Terminen ermittelt. Die Berater rücken zunächst mit Messgeräten aus und analysieren die Energie-Abrechnungen. Oft sind es dann schon kleine Dinge, die zu einem Spareffekt führen. Das kann der Austausch alter Glühbirnen durch neue LED-Energiesparlampen sein oder der Einbau abschaltbarer Steckerleisten, um das stromfressende Stand-by von Geräten zu vermeiden. Allein die eingebauten Energiesparartikel haben im Durchschnitt einen Wert von 70 Euro pro Haushalt. Der Fokus liegt dabei klar auf dem Thema Stromsparen. Denn diese Kosten müssen Hartz-IV-Haushalte aus ihrem Regelsatz begleichen, während die Heizkosten von der Stadt übernommen werden. Allerdings hat die Stadt diese kürzlich gedeckelt, um hier ebenfalls einen Sparanreiz zu schaffen.

Die Energieberatung der Neuen Arbeit der Diakonie steht jedoch allen Essenern offen und ist kostenlos. Wenn allerdings Leuchtmittel etc. ausgetauscht werden, dann bekommen nur bedürftige Haushalte wie Hartz-IV- oder Wohngeldempfänger diese kostenlos gestellt. Das Geld dafür kommt aus dem Bundesprojekt „Stromspar Check Aktiv“ und wird gefördert vom Bundesumweltministerium.

Für das Problem größerer Stromfresser wie alte Kühlschränke gibt es vom Bund 100 Euro Zuschuss für den Kauf eines neuen energieeffizienten Gerätes. In Essen wurden mit diesen Bundesgutscheinen bislang 679 „energiefressende Kühlgeräte“ gegen energieeffizientere „A+++“-Geräte eingetauscht.

200 Langzeitarbeitslose fanden über den Energiesparservice wieder Beschäftigung

Der Energiesparservice der Neuen Arbeit der Diakonie ist aber nicht nur ein Beitrag zum Energiesparen und somit zum Klimaschutz, sondern bringt langzeitarbeitslose Essener wieder in Arbeit. Denn die Berater selbst haben viele Jahre von Hartz IV gelebt und bekamen so eine neue berufliche Perspektive. In den zehn Jahren wurden so über 200 Langzeitarbeitslose in dem Projekt über Ein-Euro-Jobs beschäftigt. „Das Gute daran ist, das es damit eine Beratung auf Augenhöhe ist. Denn unsere Mitarbeiter wissen genau, wie es den Menschen in den Haushalten geht“, meint Katharina Kellermann. Aktuell sind 27 ehemals Langzeitarbeitslose im Energie-Sparservice eingesetzt.

In den kommenden Jahren soll es in der Beratung nicht mehr nur ums Energiesparen im engeren Sinn gehen, sagt die Projektleiterin. Ziel sei es, umfangreicher zum Thema Klimaschutz zu informieren. Da kann es dann auch um Fragen, wie verhält man sich klimafreundlich beim Einkauf etc., gehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben