Trödelmärkte

Hof-Flohmärkte bringen Kiez-Gefühl nach Essen-Frohnhausen

Hinter dem „Lüttringhaus“ an der Gervinusstraße in Essen-Frohnhausen wartete ein überwältigend großes Angebot auf die stöbernde Kundschaft. Das meiste haben Anwohner gespendet, damit aus dem Erlös die Wohngemeinschaft für Menschen mit Handicaps bei Urlaubsfahrten Betreuungspersonen mitnehmen kann.

Hinter dem „Lüttringhaus“ an der Gervinusstraße in Essen-Frohnhausen wartete ein überwältigend großes Angebot auf die stöbernde Kundschaft. Das meiste haben Anwohner gespendet, damit aus dem Erlös die Wohngemeinschaft für Menschen mit Handicaps bei Urlaubsfahrten Betreuungspersonen mitnehmen kann.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  20 Trödelmärkte auf Hinterhöfen oder in Garagen luden in Essen-Frohnhausen zum entspannten Stöbern ein – und stärkten das Nachbarschaftsgefühl.

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„Durch die Hofflohmärkte entsteht ein richtiges Kiez-Feeling. Das ist genau das, was Frohnhausen ausmacht.“ Maren und Peter van der Meer waren angetan von der entspannten Atmosphäre, die der Stadtteil am Samstag, 7. September, ausstrahlte. Die van der Meers hatten ihre Tische vor ihrem erst kürzlich erworbenen, viele Jahre lang leerstehenden Altbau nahe des Frohnhauser Markts aufgebaut, andere boten ihren Trödel hinten im Hof oder in die Garage an. Etwa 20 Anwohner beteiligten sich am Samstag an dem gemeinsamen Tag der Hofflohmärkte, den ein Münchener Veranstalter zum dritten Mal organisiert hatte. Ungezählte Besucher klapperten mit dem Fahrrad oder zu Fuß die einzelnen Märkte ab.

Mit den Hofflohmärkten präsentiert Essen-Frohnhausen seine gemütlichen Seiten

Die beiden Freunde Max (27) und Mirko (25) hatten sich erst am späten Vormittag spontan entschlossen, auf Schnäppchensuche zu gehen. „Das macht echt Spaß und ist sehr interessant“, sagt Max und muss zugeben: „Das hätte ich nicht so gedacht.“ Doch wer will schon meckern, wenn er zwei DVD mit Leonardo DiCaprio für 50 Cent oder einen Mini-Backofen für 2 Euro abschleppen kann.

Mit dem Fahrrad aus Holsterhausen kurvt Björn Reinders durch Frohnhausens Straßen. Er hat schon mitbekommen, wo es interessante Angebote gibt. Der Werkzeugmarkt an der Dechenstraße ist nicht so sein Ding, aber am Luisenhof wird er fündig. Hier haben etwa ein Dutzend Nachbarn ihre Tische aufgebaut. Sein frisches Wissen tauscht er gern mit Dominik Sagan, der mit seiner Mutter unterwegs ist: „Wir kommen extra von der Margarethenhöhe nach Frohnhausen. Es ist schönes Wetter, da wollen wir doch mal gucken, was wir so finden.“ Einen Kasten mit Lego-Steinen, „ein bisschen Schmuck“ und einen Maulkorb für seinen Hund hat Björn Reinders schon für 11,50 Euro in die Fahrradtasche, während Dominik Sagan vorerst mit einem Manga-Buch für 50 Cent zufrieden ist.

Sympathie und gute Nachbarschaft ist auch mal wichtiger als Gewinn

Es ist dieses ruhige Mal-hier-gucken-mal-dort-gucken, das den Tag der Hofflohmärkte ausmacht. Ben Harder aus dem Luisenhof an der Hildesheimer Straße hat natürlich nichts dagegen, wenn dabei etwas Geld in die Kasse kommt. Als ihn etwa Dietmar Dahlbruch fragt, ob er nicht auch eine Modelleisenbahn im Angebot habe, da eilt er in den Keller und holt mehrere Kartons ans Tageslicht. Briefmarken und Münzen würde er auch noch gerne erwerben, ergänzt der 67-Jährige, doch Ben Harder kann eher mit einem Autoradio und einem Kinderfahrrad aushelfen. Beide gehen für 15 Euro über den Tapeziertisch.

Darauf steht noch ein flauschiger Kuschel-Pinguin – aber nicht zum Verkauf. „Nein, dieses Stofftier begleitet mich schon mein Leben lang. Das würde ich an jemanden verschenken, der mir sympathisch ist. Damit muss ich keinen Gewinn machen“, sagt Ben Harder.

Ein Hofflohmarkt kann auch Freundschaften begründen

Wenige Meter weiter begrüßt Lara Schilling die Kundschaft, umgeben von Büchern, CDs, Lampen und Kinderspielzeug. Sie nimmt aus gutem Grund zum dritten Mal an dem Tag teil: „Dadurch entsteht hier eine richtig gute Nachbarschaft. Drüben verkauft zum Beispiel Martina, die ich beim ersten Mal kennengelernt habe. Danach haben wir noch fleißig Bierchen getrunken.“

Wie es eben so ist – auf dem Kiez in Frohnhausen.

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