Klimakonferenz

Gesamtschüler fordern Essener OB zum Klimanotstand auf

Oberbürgermeister Thomas Kufen lobte die Schüler bei der zehnten Klimakonferenz für ihren vorbildlichen Einsatz. Die Schülerinnen und Schüler wiederum forderten mehr Tempo von der Stadt bei Projekten zum Klimawandel.

Oberbürgermeister Thomas Kufen lobte die Schüler bei der zehnten Klimakonferenz für ihren vorbildlichen Einsatz. Die Schülerinnen und Schüler wiederum forderten mehr Tempo von der Stadt bei Projekten zum Klimawandel.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Lange vor „Fridays for Future“ hat sich an der Gesamtschule Holsterhausen eine Klimakonferenz gegründet. Nun erhöhen die Schüler den Druck.

Etwas entschuldigend zeigt Ulrike Pelikan auf die gefüllte Süßigkeitenschale auf ihrem Tisch: Für die in Plastik eingewickelten Schokoriegel habe sie sich schon mehrfach vor ihren Schülern rechtfertigen müssen. „Das zeigt mir aber nur“, sagt die Leiterin der Gesamtschule Holsterhausen, „dass unsere Agenda sich wirklich auf alle Bereiche des Schulalltags durchschlägt“. Fair-Trade-Kaffee, ein in Teilstücken entsiegelter Pausenhof, vegane und vegetarische Snacks am Schulkiosk, ein erst am Montag in Berlin prämierter Schulgarten: Schon im Jahr 2009, also lange vor der „Fridays for Future“-Bewegung, formierte sich an der Schule eine eigene Klimakonferenz.

Mit Gästen wie Oberbürgermeister Thomas Kufen und Guido Halbig als Leiter des Deutschen Wetterdienstes in Essen wurde bei der zehnten Klimakonferenz am Mittwoch deutlich, dass die Schülerbewegung längst auch in der Stadtgesellschaft angekommen ist. Pauline Schwindenhammer (14), die die Klimakonferenz moderierte, nutzte die Gelegenheit, um der Politik Druck zu machen: „Wir müssen jetzt handeln. Es kann nicht sein, dass der Antrag, in Essen den Klimanotstand auszurufen, einfach auf den Sommer verschoben wurde“, stellte die Schülerin stellvertretend für alle klar.

Oberbürgermeister spricht sich für Fahrradstraßen aus

Thomas Kufen hingegen wollte den Vorwurf, nichts getan zu haben, nicht stehen lassen: „Wir haben zu spät angefangen, das stimmt. Aber wir haben auch viel erreicht in den vergangenen Jahren, wie die Renaturierung der Emscher, in der nach über 100 Jahren wieder Fische schwimmen können.“ Darüber hinaus bemühe sich die Stadt aktuell, bessere Alltagsrouten für Fahrradfahrer abzustecken: „Ich bin dafür, dass nebenan auf der Gemarkenstraße eine Fahrradstraße eingerichtet wird“, sagte Kufen.

Gleichzeitig erklärte er den Schülern, dass Essen nach dem Zweiten Weltkrieg eben als Autostadt wieder aufgebaut worden sei und damals ein anderer Zeitgeist vorherrschte: „Die Menschen wollten Auto fahren, das war ein Zeichen des Wohlstands. Das Rad jetzt wieder zurück zu drehen, ist nicht so leicht.“

Klassenweise zu den „Fridays for Future“-Demonstrationen

Dass es dafür aber höchste Zeit ist, veranschaulichte Meteorologe Guido Halbig. Er zeigte den Schülern und Gästen, was passiert, wenn die bei der Pariser Klimakonferenz gesteckten Temperaturziele verfehlt werden. Eine tief rot gefärbte Deutschlandkarte sei das Ergebnis eines viel zu trockenen Jahres 2018, das Böden und Pflanzen stark zugesetzt habe. „Deswegen ist es wichtig, dass ihr, die Jugend das Thema voranbringt“, ermutigte Halbig die Schüler zum Weitermachen.

Dafür haben sie die volle Rückendeckung ihrer Schulleiterin, die teils klassenweise die Teilnahme an der „Fridays for Future“-Bewegung genehmigte. „Sonst würde ich ja unserem Leitbild widersprechen“, stellt Ulrike Pelikan klar, die stolz auf ihre Schüler ist.

Aktuell diskutiere sie mit Eltern und Lehrer über klimaneutrale Klassenfahrten, auch bei der Berufswahlorientierung der Schule gewinnen Grüne Berufe an Bedeutung. „Dieser Prozess geht von den Schülern selbst aus, die auch diese Klimakonferenz wieder moderiert haben und uns dabei immer klar machen, was sie ändern wollen“, sagt Pelikan. Ein grüner Wandel, der selbst vor den Süßigkeiten in ihrem Büro nicht Halt macht.

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