Bildung

Gertrud-Bäumer-Realschule in Essen will Talente fördern

790 Schüler, darunter viele mit Migrationshintergrund, besuchen die Altenessener Gertrud-Bäumer-Realschule.

790 Schüler, darunter viele mit Migrationshintergrund, besuchen die Altenessener Gertrud-Bäumer-Realschule.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Die Altenessener Realschule darf sich „Talentschule NRW“ nennen. Und will mit lebensnahen Projekten das Selbstwertgefühl der Schüler stärken.

Ab dem nächsten Schuljahr darf sich die Gertrud-Bäumer-Realschule in Altenessen „Talentschule NRW“ nennen. Schulleiterin Barbara Bielefeld und ihre Stellvertreterin Christiane Witthoff erklären, was sich dahinter verbirgt.

Eine Schule, in die man gerne geht. Eine Schule, in der die Talente und Stärken der jungen Menschen bestmöglich gefördert werden – und zwar unabhängig von der sozialen Herkunft. Das ist schon lange das Ziel und der Anspruch der Gertrud-Bäumer-Realschule, die mit knapp 790 Schülern eine der größten Realschulen in der Stadt ist. „Als wir die Ausschreibung für den Schulversuch Talentschule NRW gelesen haben, fühlten wir uns sofort angesprochen und haben uns mit einem ausführlichen Konzept beworben“, erzählt Barbara Bielefeld.

Als Schule im Stadtteil Altenessen verankert

Denn laut NRW-Bildungsministerium soll an den Talentschulen exemplarisch erprobt werden, wie die Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg an Schulstandorten mit besonderen Herausforderungen gelingen kann. Kernelement des Konzeptes ist eine Förderung, die fachlich angebunden sich auf sprachliche Kompetenzentwicklung fokussiert, das Selbstkonzept der Schülerinnen und Schüler stärkt und ihre Potenziale wertschätzt.

„Als Schule sind wir im Stadtteil Altenessen verankert, und haben natürlich viele Kinder, die intelligent sind, aber nicht den familiären Hintergrund haben, von ihren Eltern also wenig Unterstützung und Impulse erhalten“, sagt Christiane Witthoff. Umso wichtiger sei es für die Lehrerschaft, die Kinder ab dem 5. Schuljahr so zu fördern, dass sie in der Lage sind, eigene Stärken wahrzunehmen, auszubauen und zu nutzen.

20 Prozent mehr Lehrerstellen als Talentschule

Das hört sich theoretisch gut an, wie aber will das die Schule mit Klassenstärken von durchschnittlich 28 Kindern umsetzen? „Zum einen erhalten wir als Talentschule mehr Geld für Fortbildungen und 20 Prozent mehr Lehrerstellen“, so Bielefeld. Das seien umgerechnet sieben zusätzliche Pädagogen, darunter auch eine Sozialpädagogenstelle.

Zum anderen habe man sich bereits bei der Erarbeitung des Konzeptes, das sich vor allen Dingen auf die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) fokussiert, dezidiert mit der praktischen Talentförderung auseinandergesetzt.

So wird jedes Kind ab der Klasse 5 eine Talentbox erhalten, die es im Laufe der Schulzeit befüllt. „Das können Werkstücke sein, gute Ergebnisse oder Erinnerungsstücke“, erklärt Barbara Bielefeld. Dazu werde die Sprachförderung ausgebaut, sind Projekte zu den Themen gesunde Ernährung, Umwelt und Nachhaltigkeit in Planung. „Wir sind auch offen für andere Professionen, können uns gut vorstellen, mit Schreinern, Ernährungsberatern oder Bürgern, die im Stadtteil ehrenamtlich tätig sind, zusammenzuarbeiten“, so Bielefeld weiter. „Wichtig ist uns auch, die Lebenswirklichkeit der Kinder stärker in den Unterricht mit einzubeziehen. Die Praxisorientierung erleichtert das Lernen und ist sprachunabhängig.“

Mehr aktive Beteiligung der Elternschaft

Mehr aktive Beteiligung der Eltern, auch das ist ein großes Anliegen der Realschule an der Grünstraße. „Dafür haben wir vor ein paar Monaten eine ,Besser zusammen’-AG gegründet“, so Christiane Witthoff. Dort erarbeiten Eltern, Lehrer und Schüler aller Stufen gemeinsam ein Konzept, das das Miteinander stärken soll, „bislang tun sie das sehr erfolgreich“, sagt die Pädagogin, „

All diese Projekte sind natürlich ohne die engagierte rund 50-köpfige Lehrerschaft nicht möglich. Die leistet bereits seit Jahren gute Arbeit: So verlassen jedes Schuljahr rund die Hälfte der Abgänger die Gertrud-Bäumer-Realschule mit einem Zeugnis mit Qualitätsvermerk – das ebnet den Schülern den Gang zum Berufskolleg, zur Gesamtschule oder zum Gymnasium mit dem Abitur als Ziel.

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