Prozess

Gericht sieht keinen Beweis für Vergewaltigung in der Disco

Der Eingang zum Delta Musik-Park zeigt einen rauen Industriecharme. Hier sollte auf dem Herren-WC eine Vergewaltigung stattgefunden haben.

Der Eingang zum Delta Musik-Park zeigt einen rauen Industriecharme. Hier sollte auf dem Herren-WC eine Vergewaltigung stattgefunden haben.

Foto: Socrates Tassos

Essen.  Freispruch für drei Angeklagte: Das Gericht sieht keinen Beweis, dass sie im Essener Delta Musik Park eine 18-Jährige vergewaltigt haben.

Tränen, lautes Schluchzen auf der Anklagebank. Offenbar aus Erleichterung. Denn die XXIV. Strafkammer am Landgericht Essen sprach am Freitag drei Angeklagte im Alter von 21 bis 23 Jahren vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Laut Anklage hatten sie in der beliebten Diskothek Delta Musik Park in der Weststadt eine 18-Jährige zum Sex gezwungen. Zwei von ihnen, die rund ein halbes Jahr in Untersuchungshaft saßen, werden für diese Zeit finanziell entschädigt, entschied das Gericht.

Die Anklage hatte ein finsteres Bild der drei Angeklagten gezeichnet, das so gar nicht zu deren Auftreten vor Gericht passte. Adrett gekleidet und gut Deutsch sprechend verfolgen sie offenbar gezielt ihre schulische und berufliche Ausbildung.

Anklage sah gezieltes Vorgehen

Doch laut Anklage waren sie in der Nacht zum 6. Juli 2018 zur Disco an der Frohnhauser Straße gekommen, um „sich ein junges weibliches Opfer auszusuchen, es mittels Gewalt oder Drohung zu separieren und auf der Toilette sexuelle Handlungen von dem Mädchen an sich vornehmen zu lassen“. Weil die 18-Jährige so schüchtern aufgetreten sei, hätte das Trio sie als das geeignete Opfer ausgewählt.

Zwei der Angeklagten hätten den 17-Jährigen Bekannten in eine Ecke gedrängt und ihm gedroht, ihn abzustechen. Die 18-Jährige, mit dem dritten Angeklagten im Gespräch, habe eine bedrohliche Lage aus der Ferne erkannt und sei aus Angst mit diesem zu Herrentoilette gegangen, wo es zu sexuellen Handlungen kam. Von Gewalt hatte sie nie geredet.

Spät von erzwungenem Sex geredet

Das Ganze endete, als plötzlich der 17-Jährige mit einer Securitykraft und Schulfreunden vor der Herrentoilette erschien. Die junge Frau, so das Urteil, kam heraus und habe ihn zum Gehen aufgefordert: „Komm, lass uns abhauen, bevor es Ärger gibt.“ Erst einige Zeit später sollen die beiden gegenüber Security-Männern von einer Vergewaltigung gesprochen haben, so dass es zu Festnahmen kam und die Polizei gerufen wurde.

Mag sein, dass es so war, mag sein, dass es nicht so war. Karin Maiberg, Vorsitzende der Kammer, betonte, dass die Kammer keine sicheren Feststellungen zum Kerngeschehen treffen könne. Das liege an den Aussagen der beiden Betroffenen, der 18-Jährigen und ihres Bekannten. Beide hätten schon unterschiedliche Angaben zu der Frage gemacht, wie betrunken sie gewesen seien.

Gericht vermisst echte Wahrnehmungen

Dann habe die Frau nur Empfindungen geschildert, aber keine Wahrnehmungen. Richterin Maiberg: „Uns ist nicht klar geworden, warum sie meinte, sich opfern zu müssen.“ Dass es ein Messer gab, dass echte Gewalt im Spiel war, hat ja auch keiner geschildert. Es habe auch Abweichungen in den Aussagen der beiden gegeben. Die Frau habe zudem sehr ausgeglichen und ruhig ausgesagt. Maiberg: „Aufgeregt hat sie sich nur auf meine Frage, warum sie in dem Moment keine Hilfe geholt habe.“

Staatsanwältin Laura Riebau hatte ihre Anklage verteidigt und ebenso wie Nebenklageanwältin Miriam Mensch in ihrem Plädoyer die Verurteilung der drei Angeklagten gefordert. Bis zu drei Jahren und zwei Monate Haft hatte sie beantragt.

Plädoyers ohne Öffentlichkeit

Die Plädoyers liefen ohne Öffentlichkeit. Das beruht auf einer relativ neuen Vorschrift. Denn wenn ein Teil der Hauptverhandlung nicht öffentlich war, bleiben auch die Schlussvorträge für die Zuhörer geheim.

Immerhin sickerte durch, dass die Staatsanwältin die Verurteilung forderte. Die Verteidiger Michael Wolff, Victor Berger und Manfred Gregorius dagegen Freispruch. Die Kammer hatte die Haftbefehle Ende Januar aufgehoben.

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