Prozess

Gericht schickt "Chef von Karnap" in den Drogenentzug

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Den Drogenhintergrund stellt das Gericht nicht fest. Aber für das brutale Geldeintreiben schickt es den "Chef von Karnap" in den Drogenentzug.

Den Drogenhintergrund der Auseinandersetzung stellte die XXIV. Essener Strafkammer nicht fest. Was blieb, war ein brutales Geldeintreiben, für das sie ein Trio aus Karnap für jeweils fast vier Jahre ins Gefängnis schickte. Allerdings gewährte das Gericht den drei jungen Männern eine Drogentherapie in der Entziehungsanstalt, so dass sie gute Chancen haben, nach etwa zwei Jahren auf Bewährung in Freiheit zu kommen.

Es lag vor allem an den "Opfer-Zeugen", das die Richter nicht viel Licht ins Dunkel der Nacht zum 25. Oktober vergangenen Jahres brachten. Sie selbst hatten gar nicht Anzeige erstattet. Der Vermieter der Tatwohnung hatte die Polizei informiert, weil die Wohnungstür mehrfach aufgebrochen worden war. Nach und nach ergaben die Ermittlungen folgendes Bild, das auch die Anklage vortrug.

Im Keller zwei Kilo Marihuana gelagert

Danach hatte das Trio im Keller der Karnaper Wohnung des späteren Opfers zwei Kilo Marihuana gelagert. Doch kurz danach hatte der Karnaper die Angeklagten angerufen, er sei überfallen worden, die Drogen seien weg.

Das glaubte das Trio ihm nicht. So fuhren die drei Angeklagten zu ihm, bedrohten ihn, schlugen und traten auf ihn ein. 10.000 Euro forderten sie. Dann fuhr das Trio weg. Ihr Opfer tauchte danach unter.

Angeklagter als "Chef von Karnap" gefürchtet

Als die Polizei ihn aufgespürt hatte, erzählte er die Geschichte, auf der später die Anklage fußte. Er sagte auch, das Trio gehöre zu einer libanesischen Gang. Der Angeklagte Ahmet A. (27) sei auch als "Chef von Karnap" gefürchtet.

Doch in der Hauptverhandlung erzählte er zunächst eine andere Geschichte, kehrte erst danach zur ersten Version zurück. "Er tat sich schwer mit belastbaren Aussagen", kommentierte Richterin Karin Maiberg im Urteil das Verhalten des Zeugen und die Qualität seiner Worte. Schon in einem anderen Verfahren vor der XI. Strafkammer hatte er ein "lässiges" Verhalten zur Wahrheit gezeigt. Seine Aussage reichte dieser Kammer nicht für eine Verurteilung.

Zum Schluss Geständnisse der Angeklagten

Im Kern blieb aber jetzt vor der XXIV. Kammer strafbares Verhalten der drei Angeklagten. Es gab Verständigungsgespräche, danach Geständnisse der drei Angeklagten nur zum rüden Geldeintreiben.

Ahmet A. bekam wegen gemeinschaftlicher versuchter räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung drei Jahre und neun Monate Haft. Sein Bruder Hussein (32) erhielt drei Monate weniger. Der dritte Angeklagte, 20 Jahre alt, bekam seine schon bestehende Jugendstrafe in Höhe von zwei Jahren und zehn Monaten um fünf Monate aufgestockt.

Und der Hintergrund der neuen Tat? Karin Maiberg: "Es bleibt eine Mutmaßung, dass die geforderten 10.000 Euro der Ersatz für die Drogen waren."

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