Obdachlosenunterkunft

Geduldsprobe mit Obdachlosenhäusern am Rande Essen-Frintrops

Seit zehn Jahren verkommen die Reste der ehemaligen Obdachlosenunterkunft an der Stadtgrenze Frintrop/Oberhausen. Jetzt soll die Baugenehmigung in Sicht sein.

Seit zehn Jahren verkommen die Reste der ehemaligen Obdachlosenunterkunft an der Stadtgrenze Frintrop/Oberhausen. Jetzt soll die Baugenehmigung in Sicht sein.

Foto: Redob

Essen-Frintrop.  Seit zehn Jahren stehen ehemalige Obdachlosenunterkünfte am Rande Frintrops leer. Jetzt ist der Fortgang der Baustelle in Sicht.

„Zukunft der Ruinen an der Jagdstraße bleibt unklar“ lautete die Schlagzeile im Jahr 2014, „Investor verspricht baldigen Baustart“ dann vor zwei Jahren. Nur getan hat sich an der Jagdstraße in Oberhausen, direkt an der Stadtgrenze zu Essen-Frintrop, bis heute fast nichts. Seit über zehn Jahren gammeln die ehemaligen Obdachlosenunterkünfte der Stadt vor sich hin. Schon seit langem zieht der Schandfleck wilden Müll an. Doch jetzt hat der Sprecher des neuen Eigentümers, der Frintroper Nawobau GmbH, die Hoffnung, dass er im kommenden Monat mit der Realisierung seiner Pläne beginnen kann. „Ich soll zum 1. September die Baugenehmigung bekommen“, sagt er.

Zu groß und damit zu teuer

Vom Vorbesitzer, der Maingroup GmbH aus Dinslaken, hat das von einem Frintroper Bauingenieur geführte Unternehmen das 7400 Quadratmeter große Areal 2017 übernommen. Dar Nawobau-Sprecher führt den jahrelangen Stillstand zu Zeiten der Maingroup auf die damalige Planung zurück: zu groß und damit zu teuer. Denn jedes der sechs Häuser sollte zu je zwei Eigenheimen umgebaut werden, macht zusammen zwölf Reihenhäuser. Die Wohnflächen hätten bei über 140 Quadratmetern gelegen, ohne Dachgeschoss.

Nawobau sieht den Umbau in 18 Eigenheime vor, mit entsprechend kleineren Grundrissen. 104 Quadratmeter ist jede Wohnung über zwei Etagen groß und voll unterkellert. Die Grundstücksgrößen beginnen bei 245 Quadratmetern. Bei den Eckhäusern sind es stattliche 700 Quadratmeter. Die Preise würden für den Umbau zwischen 225.000 und 305.000 Euro betragen, ohne Sonderwünsche.

Hauptwasserleitung verläuft unter der Privatstraße

Für die seit 2017 eingetretene Verzögerung her der Sprecher folgende Erklärung: Man habe geglaubt, eine einfache Änderung der bestehenden Baugenehmigung beantragen zu können. Im Dezember habe man aber 18 neue Baugenehmigungen einreichen müssen.

In der Zwischenzeit musste der Bauträger noch weitere Auflagen erfüllen. So verläuft die 1951 verlegte Hauptwasserleitung vom Scheppmannskamp auf Essener Stadtgebiet unter der Privatstraße des Bauobjekts hindurch nach Oberhausen. „Deshalb muss ich eine Grunddienstbarkeit im Grundbuch eintragen lassen“, berichtet der Nawobau-Sprecher.

Außerdem verlangte die Stadtverwaltung Oberhausen ein Gutachten, dass die von der Sportanlage Scheppmannskamp ausgehende Lärmbelastung erträglich sein. „Dabei stehen andere Häuser viel näher an dem Sportplatz, ohne dass für sie ein Gutachten gefordert worden wäre. Also hätte man auf das neue Gutachten, das mich 10.000 Euro gekostet hat, ruhig verzichten können.“

Neue Wohnbebauung ist tabu

Das Objekt liegt im sogenannten Außenbereich. Der ist gesetzlich besonders geschützt. Landwirtschaftliche Betriebe dürften dort erweitern. Neue Wohnbebauung aber ist dort tabu. Lediglich vorhandene Gebäude dürften dort modernisiert werden. Das ist zwar an der Jagdstraße der Fall. Aber die geplanten Garagen stellen Neubauten dar. Für sie muss der Bauträger einen ökologischen Ausgleich schaffen, und zwar durch Ersatzpflanzungen und durch die Begrünung der Garagendächer. „Ich denke, wir haben die Kuh vom Eis“, erklärt er.

Einige Kaufinteressenten seien wegen der Verzögerungen wieder abgesprungen, gesteht der Nawobau-Sprecher. Er ist aber zuversichtlich, zu den genannten Konditionen neue Kunden gewinnen zu können.

„Die Betondecken und die tragenden Mauern sind in erstaunlich gutem Zustand“, sagt er. Die Wände erzielten eine Außendämmung und Vollklinker. Das Dachgeschoss sei als Stauraum ausgewiesen, habe aber Stehhöhe und Platz für Kippfenster.

Hochspannungsleitung wartet auf Reparatur

Die früheren Treppenhäuser, die die Wohnungen von außen über Laubengänge erschlossen hätten, würden jetzt als Innentrepppen mit einbezogen. Die Erdgasversorgung für die Heizungen werden unter dem Lepkes Mühlenbach hindurchgeführt. Ein Schmutzwasserkanal liege bereits in der Jagdstraße. Nach Möglichkeit soll das Regenwasser von den Dächern auf den Grundstücken versickern.

Schließlich wartet auch Westnetz, dass im kommenden Monat endlich weitergebaut wird. „Denn über den Häusern verläuft eine Hochspannungsleitung, die repariert werden muss. Westnetz wartet darauf, bis ich die Dreckberge abgeräumt habe, damit sie mit dem Hubwagen kommen können. Und das alles nur wegen der fehlenden Baugenehmigung. . .“

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