Tour de Rü

Franz Maag ist der „Motor“ der Oldtimer-Ausfahrt Tour de Rü

Franz Maag (74) geht mit seinem Mercedes Benz Rennsport SS, Baujahr 1927, auf der 16. Tour de Rü an den Start. Das Gewinnen interessiert ihn dabei weniger: „Dabei sein ist alles“, sagt er.Foto:Svenja Hanusch

Franz Maag (74) geht mit seinem Mercedes Benz Rennsport SS, Baujahr 1927, auf der 16. Tour de Rü an den Start. Das Gewinnen interessiert ihn dabei weniger: „Dabei sein ist alles“, sagt er.Foto:Svenja Hanusch

Essen-Rüttenscheid.   Franz Maag (74) ist Essens bekanntester Autoverwerter, aber auch Autoliebhaber. Dank seiner guten Kontakte wurde die Tour de Rü zum Klassiker.

Liebhaber legendärer Automobile wissen es längst: Am 4. Mai startet die Tour de Rü in ihrer 16. Auflage. Jedes Jahr lockt die spektakuläre Oldtimer-Ausfahrt Tausende Besucher in den Stadtteil. „Die Tour de Rü ist mittlerweile ein Klassiker“, sagt Organisator Rolf Krane. Doch der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Rüttenscheid weiß: „Ohne Franz Maag und seine blendenden Kontakte in der Szene wäre eine Oldtimer-Schau wie diese undenkbar.“

In der Tat hat Franz Maag, Essens bekanntester Autoverwerter, der Tour de Rü seinen Stempel aufgedrückt wie kaum ein anderer. Er erinnert sich an den Herbst 2003, als alles begann: „Da klingelte das Telefon und Rolf Krane war am Apparat. Er sagte, er habe gehört, ich sei der richtige Mann, wenn es um Oldtimer geht. Was sollte ich ihm da widersprechen? Der Mann hat ja recht“, sagt er schmunzelnd.

Den Tipp hatte Rolf Krane von Gastronomie-Urgestein Hannes Schmitz bekommen. „Ich selbst hatte bis dato nie persönlichen Kontakt zu Franz Maag. Aber Hannes Schmitz kennt ja Gott und die Welt.“ Die Idee einer Oldtimer-Ausfahrt habe schon lange gegärt, „doch allein hätten wir die Tour nie so hochklassig besetzen können. Aber wenn der Oldtimer-Papst persönlich ruft, dann kommen sie alle. Der Mann ist ein Phänomen.“

Noch am Wochenende zeigte Franz Maag ausgewählte Traumautos bei der Techno Classica. Seinen Mercedes-Benz Rennsport Typ SS brauchte er danach gar nicht mehr in die Garage zu fahren. „Mit dem bin ich jedes Jahr auf der Tour de Rü unterwegs“, sagt Maag.

Nun sitzt er hinter dem riesigen Holzlenkrad seines zwei Tonnen schweren Boliden und erklärt: „Kompressormotor, 250 PS. Und schon 1927 mit Tempo 210 unterwegs.“ Die Tour de Rü nimmt der Renner im Handstreich: „Der hält auch bis Sibirien durch“, schwärmt Maag. „Einmal bin ich 4000 Kilometer am Stück gefahren. Von Essen nach Rom und wieder zurück.“

Seine Liebe zu Oldtimern hatte er schon sehr früh entdeckt. Der Vater selbst Autohändler, drehte sich in der Familie Maag stets alles ums Auto. „Mit sieben Lenzen saß ich beim Papa auf dem Schoss und durfte lenken.“ Mit knapp 14 beginnt er eine Lehre als Autoelektriker bei Bosch. Heute würde man dies als Mechatroniker bezeichnen. Kaum 19 Jahre jung, stirbt ein Geschäftspartner seines Vaters – und Franz übernimmt dessen Autoverwertung. Seitdem hat er sicherlich 150.000 Auto in ihre Einzelteile zerlegt.

Porsche-Cabrio kostete 700 Mark

Just zu diesem Zeitpunkt legt sich Maag junior seinen ersten Porsche zu – ein Cabriolet. „Das war zwölf Jahre alt und kostete nur 700 Mark.“ Der Motor war hinüber und wurde gegen einen VW-Motor getauscht. „Den hatte ich aus einem Brezel-Käfer gerettet. Der hatte nur 24,5 PS“, sagt er und grinst schelmisch. Dennoch: Bei der Jungfernfahrt flogen ihm die Türen auf, weil die Kiste komplett durchgerostet war.

Seiner Leidenschaft tat dies keinen Abbruch. Wann immer Franz Maag einen Oldtimer sichtete, juckte es ihm in den Fingern. Mit 22 Jahren investierte er 9000 Mark in einen, heute legendären Mercedes Benz 300 SL. „Der wurde nur in kleiner Auflage gebaut. Exakt 3256 Mal, davon 1400 als Coupé mit Flügeltüren. „Und davon sind sicherlich ein Dutzend durch meine Hände gegangen.“ Die Daten schüttelt Maag locker aus dem Ärmel. „Ich bin eben autoverrückt.“

Das hält jung. Wenn der 74-Jährige von seinen Schätzchen und Schätzen erzählt, dann funkeln seine Augen. „Man hört nicht auf zu spielen, weil man alt ist, sondern man wird alt, weil man aufhört zu spielen“, lautet das Motto des Mercedes-Benz Kompressor-Clubs. „Da bin ich der Vizepräsident.“

Doch zurück zu Tour de Rü. Auch wenn sich Maag heute vorrangig um die Zusammenstellung des Fahrerfeldes kümmert, „so gehört er fest zur Familie“, betont Rolf Krane. „Er ist die Galionsfigur der Tour.“ Oder wie es Streckenplaner Claudio Schlegtendal beschreibt: „Der Franz ist der Motor.“

Abschluss-Sause im Zelt

Dass die Tour de Rü so erfolgreich werden würde, daran hatte damals niemand gedacht. Gewundert hat es Maag nicht: „Die Betreuung ist einzigartig. Das gemeinsame Frühstück, Mittagessen und abends eine Sause mit Musik im Zelt. „Wer einmal mitfährt, will immer wiederkommen.“ Besonders die Feier samt Siegerehrung bei Schampus und Bier zum Abschluss hat es Maag angetan: „Das macht einfach einen Riesenspaß.“

Und so wird der Grandseigneur der Oldtimer-Szene am 4. Mai wieder mit all diesen Automobil-Enthusiasten klönen, wird Geschichten erzählen und sich freuen, dass alle gesund ins Ziel gekommen sind. Um den Sieg macht er sich keine Gedanken mehr: „Dabei sein, das ist die Hauptsache.“

>> INFORMATION ÜBER DIE 16. TOUR DE RÜ

  • Die Tour de Rü startet am 4. Mai in ihre 16. Auflage. Insgesamt gehen 135 hochklassige Automobile und acht historische Motorräder an den Start.
  • Die Tour beginnt diesmal um 8.30 Uhr mit der Oldtimerparade auf der Rü. Das historische Trecker-Treffen (14 Uhr, Messeparkplatz P2) und die Oldtimer-Party mit der Band „The Fellows“ (16 Uhr) schließen sich an. Info: ruettenscheid.de

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