Musiktheater

Folkwang-Oper mit Studenten: Zauberspuk und pfiffige Erotik

Szenenbild aus

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Foto: Stefan Arend

Essen.   Der renommierte Opern-Regisseur Georg Rootering inszeniert mit Folkwang-Studenten zwei Werke von Ravel. Projekt mit vielen Beteiligten.

„Bitte jetzt keinen Quatsch. Tür zu und Ruhe!“ In der neuen Aula der Folkwang-Universität der Künste ist Konzentration angesagt. Georg Rootering probt mit Studentinnen und Studenten Maurice Ravels „L’Enfant et les Sortilèges“. Ein Piano spielt die Musik, aber der musikalische Assistent Melchior Alexander Kupke dirigiert schon ein imaginäres Orchester. Bei der Premiere am Donnerstag, 6. Dezember, werden junge Musiker im Graben sitzen und Folkwang-Professor Xaver Poncette den Taktstock schwingen.

Ravels „Das Kind und der Zauberspuk“ trägt fantastische Züge: Gegenstände wie ein Sessel, eine Standuhr, eine Teekanne und die Tasse beginnen wie in einem Traum zu sprechen. Die Schäfer auf der Tapete des Kinderzimmers werden lebendig. Katzen, Frösche und ein Eichhörnchen verwickeln sich in einen wilden Kampf. Eine spontane Tat der Hilfe und Zuneigung des Kindes beendet den Spuk.

„Bei uns kommt die Natur und ihre Gefährdung ins Spiel“

„Wir erleben den Reifungsprozess eines Kindes, konzentriert auf einen Nachmittag“, erläutert Rootering den Inhalt der rund fünfzigminütigen Oper: Auf eine Strafe für aufsässiges Verhalten folgt Einsicht: „Es findet zu seiner Verantwortung für die Lebewesen und die Dinge in seiner Welt.“

Die zahlreichen kurzen Rollen sind ideal, um jungen Sängerinnen und Sängern in unterschiedlichen Phasen ihrer Ausbildung Auftritte auf der Bühne zu ermöglichen. Die Probe zeigt: Was im Ablauf einer Vorstellung selbstverständlich aussieht, muss hart erarbeitet werden. Knappe, konzentrierte Szenen erfordern perfektes Timing. Zum Beispiel, wenn die jungen Leute selbst die Wandelemente der Bühne von Lukas Noll genau abgestimmt auf die Musik verschieben müssen.

Für die belebten Möbel und Gegenstände hat sich Rootering gemeinsam mit dem Choreographen Ivan Strelkin eine bezaubernde Lösung einfallen lassen: Sie werden dargestellt von Tänzerinnen und Tänzern aus dem Institut für Zeitgenössischen Tanz der Uni. Auch Regieassistenz und Bühnenbild werden aus den Reihen der Folkwang-Uni übernommen: Der Opernabend bindet interdisziplinär viele Studienrichtungen ein.

Rootering ist ein erfahrener Regisseur, der zwischen Athen und Helsinki an vielen Opernhäusern erfolgreich inszeniert. An der Folkwang-Uni ist er schon zum fünften Mal zu Gast. Bei der Fülle der Botschaften, die in Ravels Stück stecken, will er eine akzentuieren: „Bei uns kommt die Natur und ihre Gefährdung ins Spiel“, verrät er.

Die Folkwang-Winter-Oper ist in diesem Jahr zweiteilig: Nach dem Zauberspuk folgt eine der erotisch prickelndsten Opern des Repertoires, Ravels „L’Heure espagnole“. In der „spanischen Stunde“, einer 1911 uraufgeführten musikalischen Komödie, führt die gewitzte Concepción nicht nur ihren arglosen Ehemann, sondern auch gleich drei Liebhaber hinters Licht. „Die Komödie wollen wir so poetisch wie möglich und mit einer gehörigen Portion Humor erzählen und etwas von der Leichtigkeit des Seins vermitteln“, so Rootering.

Werkeinführung im Kammermusiksaal

Premiere ist am 6. Dezember, 19.30 Uhr, in der Neuen Aula der Folkwang-Uni am Campus Werden. Weitere Termine: 8., 10., 12. Dezember, 19.30 Uhr. Vor jeder Vorstellung gibt es um 18.30 Uhr eine Werkeinführung im Kammermusiksaal.

Tickets 10/erm. 5 Euro unter 4903-231 und per E-Mail über karten@folkwang-uni.de

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