Folkwang-Museum

Helge Schneider und Alexander Kluge brillieren im Folkwang

Stellungnahme eines Kriegsministers im Schlafanzug: Helge Schneider und Alexander Kluge führen einen Dialog im Museum Folkwang.

Foto: Socrates Tassos.

Stellungnahme eines Kriegsministers im Schlafanzug: Helge Schneider und Alexander Kluge führen einen Dialog im Museum Folkwang. Foto: Socrates Tassos.

Essen.  Schräg, surreal und dabei unglaublich unterhaltsam – so kann man den Abend mit Alexander Kluge und Helge Schneider im Folkwang beschreiben.

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Schräg, surreal und dabei unglaublich unterhaltsam – so kann man den Abend mit Alexander Kluge und Helge Schneider beschreiben. Unter der Überschrift „Stellungnahme eines Kriegsministers im Schlafanzug, ratlos“ trafen sich die beiden Herren im ausverkauften Osthaus-Saal des Museums Folkwang zu einem Dialog anlässlich der Pluriversum-Ausstellung des Filmemachers und Autors Kluge.

Zwischen Gallensteinen, Nagelpflege und der Erderwärmung

Zwei Stunden lang spielten sie sich die Bälle zu, assoziierten frei über Themen, die die Welt bewegen: ob Gallensteine, Nagelpflege, die deutsch-französische Freundschaft oder die Erderwärmung – nichts wurde ausgelassen. Schon zu Beginn muss sich Helge Schneider den strengen Prüfungsfragen der Friseur-Innung stellen.

Schnell stülpt er sich eine Afro-Perücke über und parliert munter über das fliehende Kinn und zerpflückt zum Vergnügen der Zuhörer Fachbegriffe wie Nackentampel, Ohrentampel und Stirntampel. „Ich habe Keralogie studiert“, erklärt er und Alexander Kluges Gesichtszüge verzerren sich leicht, während er angestrengt versucht, sich das Lachen zu verkneifen.

Dem Sinnlosen einen Sinn geben

Der 85-Jährige Kluge, und das wird schnell klar, hat in dem mehr als 20 Jahre jüngeren Helge Schneider einen kongenialen Gegenpart gefunden. Ein Wort ergibt das andere, wobei Alexander Kluge eher als Stichwortgeber fungiert und seinem Gast, den er einen Liebhaber der Genauigkeit nennt, freien Raum lässt. Und Helge Schneider wäre nicht Helge Schneider, wenn er das nicht zu nutzen wüsste. Wie kaum ein anderer versteht er es, Sinnlosem Sinn zu geben. Oder umgekehrt.

Helge Schneider einziger Hauptdarsteller

Zwischendurch, als Atem- und Lachpause, gibt es wunderbare Musik mit Herrn Wolf am Klavier und kleine Filmeinspielungen. Die sind Teil der Pluriversum-Ausstellung und haben einen einzigen Hauptdarsteller: Helge Schneider.

Mal gibt er Mozart, mal ein verhindertes Model, dann einen Opernsänger im Stummfilm und einen bajuwarisch-plärrenden Polizisten, der vom Einsatz beim G7-Gipfel schwärmt. Das ist mindestens so vergnüglich wie die Gespräche über Nackentampel. Kluge bleibt dabei dezent im Hintergrund und stellt aus dem Off die Fragen.

Den Dialog führen die Herren schon länger. Meist allerdings am Telefon, erzählt Kluge: „Mindestens ein Mal pro Woche, denn ich bin ein wenig süchtig nach Helge.“ Schließlich brauche er immer wieder Gespräche, bei denen der Sinnzwang nicht jede Formulierung erwürge.

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