Prozess

Ex-Student gesteht mit kühlen Worten Tod der Mutter

Er will kein Mörder sein: Der angeklagte Kupferdreher Ex-Student Christian K., hier beim Prozessauftakt im Dezember flankiert von seinen Verteidigern Nils Holtkamp (r.) und Hermann Postert (l.).

Er will kein Mörder sein: Der angeklagte Kupferdreher Ex-Student Christian K., hier beim Prozessauftakt im Dezember flankiert von seinen Verteidigern Nils Holtkamp (r.) und Hermann Postert (l.).

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Vor dem Schwurgericht übernimmt ein 22-Jähriger die Verantwortung für den gewaltsamen Tod seiner Mutter. Doch ein Mörder will er nicht sein.

Er hat viel Zeit gehabt. Seit dem 27. Juni, einen Tag nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter, sitzt Christian K. in Untersuchungshaft. Handschriftlich hat der 22-jährige Kupferdreher seitdem notiert, wie er seine Rolle bei der Tat sieht. Am Donnerstag liest er seine Aufzeichnungen vor dem Schwurgericht vor. Emotionslos. Ein Geständnis voller Kälte.

Im Sinne der Anklage ist es allerdings nur ein Teilgeständnis. Der frühere Student der IT-Sicherheit an der Uni Bochum übernimmt darin zwar die Verantwortung für den Tod seiner Mutter, die erschlagen und erstickt in einer Blutlache auf dem Steinboden ihres Wohnzimmers lag.

Vorwurf des Mordes zurückgewiesen

Doch ein Mörder will er nicht sein. Sein Verteidiger Nils Holtkamp habe ihm den Unterschied zwischen Mord und Totschlag genau erklärt. Deshalb könne er jetzt sagen: „Ich bin kein Mörder. Ich weise die Vorwürfe entschieden zurück.“ Dass er den Tod verschuldet habe, das räumt er allerdings ein, auch wenn er es als Mischung aus Unfall und zeitweisem Blackout darstellt.

Die Verantwortung will er übernehmen: „Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die einen Menschen verloren haben. Ich würde alles geben, das Geschehen rückgängig zu machen.“ Wie von einem Autopiloten gesteuert, so sei das gewesen: „Ich war nicht Herr meiner Sinne.“

Anklage sieht Geldprobleme als Motiv

Die Anklage wirft ihm dagegen kühles, zielgerichtetes Verhalten vor. 200.000 Euro Schulden habe er bei Börsenspekulationen für einen Mülheimer Unternehmer in den Sand gesetzt. Um ans Erbe seiner Mutter zu kommen, soll er die 58-Jährige aus Habgier heimtückisch ermordet haben. Hinterrücks habe er ihr eine Hantel gegen den Kopf geschlagen, sie auch erstickt, als sie am Boden lag. Als Beleg nennt die Anklage eine handschriftliche Notiz aus dem Papierkorb im Zimmer von Christian K., auf dem er vorab den Tatplan skizziert haben soll.

Mit „Hohes Gericht“ beginnt der 22-Jährige seine Aussage am Donnerstag. Er will berichten von den „Geschehnissen, die zum Tod meiner Mutter geführt haben“. Er spricht ausformulierte Sätze, auch wenn er spontan antwortet. Als Richter Jörg Schmitt ihn fragt, ob die Mutter von ihm zuviel verlangt habe, bejaht er das: „Überforderung könnte ein Faktor gewesen sein.“

Er nennt Verhältnis zur Mutter gut

Er berichtet von seinen Studienabbrüchen. Danach habe die Mutter, von der er meist als „Renate“ redet, ihn verstärkt kontrolliert. Aber die Überforderung wird nicht nachvollziehbar. Er sagt auch selbst, dass seine Mutter eigentlich immer das Beste gewollt habe und ihr Verhältnis gut gewesen sei. Am Tattag habe sie schlechte Laune gehabt. Als er sich ihr entziehen und nach oben gehen wollte, habe sie ihn auf der Treppe zurückhalten wollen. „Ich stieß sie weg und hörte einen Knall, dann einen Schrei. Das ist mein letztes Bild.“

Danach fehle ihm die Erinnerung, einiges habe er aufgearbeitet. Er sehe, wie er den Kopf seiner Mutter auf den Steinboden schlage, „bis sie still war“. Er spricht von mehreren Erinnerungsfetzen. Dazu gehört auch, dass er einen Zettel schreibt. Also kein Plan vorab, soll das heißen. Eine andere Erinnerung: „Ich stehe auf dem Balkon und atme.“

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